Kaltes Nahwärmenetz

Eschede ist Vorreiter bei Energieversorgung

Es wäre eine neue Form der Energieversorgung im Kreis Celle: ein kaltes Nahwärmenetz. In Eschede soll dies geschaffen werden. Wo dabei die Vorteile liegen.

  • Von Carsten Richter
  • 03. Sept. 2022 | 09:00 Uhr
  • 05. Sept. 2022
  • Von Carsten Richter
  • 03. Sept. 2022 | 09:00 Uhr
  • 05. Sept. 2022
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Eschede.

Wenn alles glatt läuft, könnten in etwa einem Jahr die ersten Bauwilligen im geplanten Wohngebiet "Im Scheuer Felde" loslegen. Diesen groben Zeitplan stellte Andreas Peters, Geschäftsführer des Celler Ingenieurbüros "Heidt und Peters", am Dienstagabend im Gemeinderat Eschede vor. Das Besondere: Die Kommune im Nordosten könnte dabei in Sachen Energieversorgung zu einem Vorreiter im Landkreis Celle werden. Angedacht ist der Bau eines sogenannten Kalten Nahwärmenetzes. Was erst einmal widersprüchlich klingt, ist laut Peters "eine echte Alternative" zur herkömmlichen Gasversorgung.

 

Energie wird über zentrales Sondenfeld erzeugt

Bei diesem System wird die Energie über ein zentrales Sondenfeld im Erdreich erzeugt und über ein Verteilsystem an die einzelnen Haushalte abgegeben. Kalte Nahwärmenetze haben den Vorteil, dass sie bei Temperaturen von lediglich etwa 10 bis 25 Grad betrieben werden. Zudem seien die Wärmeverluste gering, wie Kim Schwettmann, Geothermie-Experte bei "Heidt und Peters" und stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei GeoEnergy Celle, im CZ-Gespräch erläutert. Geothermie ist bei Kalten Nahwärmenetzen eine bevorzugte Wärmequelle zur Energiegewinnung. Wichtiger Unterschied: Eine Geothermie-Wärmepumpe verbrauche weniger Energie als eine Luftwärmepumpe, sagt Schwettmann.

 

Bauherren in Eschede könnten sich selbst mit Energie versorgen

Hinzu kommen die Vorteile eines zentralen Netzes: Effektiver, leiser und günstiger, als wenn sich jeder Grundstückseigentümer um seine eigene Energieversorgung kümmere, erläuterte Peters in der Sitzung. "Mit zusätzlichen Photovoltaikanlagen wäre eine Selbstversorgung für das Gebiet möglich", so der Geschäftsführer.

 

Celler SVO hat großes Interesse an Eschede

Die SVO als regionaler Energieversorger und ihre Muttergesellschaft Avacon hätten sehr großes Interesse an dem Projekt signalisiert, sagte Peters. Trotz der zentralen Lösung könnten die künftigen Grundstückseigentümer aus mehreren Wärmepumpen-Typen ihren Favoriten wählen. Sollte es mal zu einer Störung kommen, bleibe den Haushalten die Suche nach einem Techniker erspart. "Bei der SVO gibt es immer einen Ansprechpartner", ergänzt Schwettmann, der deshalb vom Kalten Nahwärmenetz als ein "Rundum-Sorglos-Paket" spricht.

 

Eschede als Vorreiter: "Kalte Nahwärme noch nicht bekannt genug"

"Eschede ist diesbezüglich im Landkreis am weitesten", bestätigt Schwettmann. Noch sind nicht sehr viele Kommunen auf den Zug aufgesprungen. Der Experte führt als Beispiel aus der näheren Umgebung Neustadt am Rübenberge an. 2019 beschloss der dortige Stadtrat die Realisierung eines Kalten Nahwärmenetzes für das Neubauquartier "Hüttengelände". Für 72 Einfamilienhäuser, 44 Mehrfamilienhäuser und
einige Liegenschaften (Altenresidenz, Kita, Supermarkt) werden auf diese Weise Heizwärme und Warmwasser bereitgestellt. Insgesamt aber sei das Modell Kalte Nahwärme noch nicht bekannt genug, meint der Geothermie-Experte. Im Gespräch war diese nachhaltige Form der Energieversorgung auch eine Zeit lang bei der Bebauung der Allerinsel in Celle. "Wäre bei der Allerinsel für Geothermie entschieden worden, wären wir unabhängig von fossiler Energie. Wie will man die Klimaziele erreichen, wenn man jetzt nicht loslegt?", meint Schwettmann.

 

Bis zu 70 Bauplätze in Eschede geplant

Stellungnahmen ausgewertet: Bis zu 70 Bauplätze könnten in dem Gebiet am Escheder Ortseingang aus Richtung Celle entstehen. Derzeit gibt es 62 Interessenten; gebaut wird bis 2028 in drei Abschnitten. In der Ratssitzung stellte Peters zusammen mit Simone Strohmeier vom Planungsbüro Infraplan die während der ersten öffentlichen Auslegung eingegangenen Stellungnahmen und ihre Auswertung sowie weitere Planungen vor. Anschließend hat der Rat bei einer Gegenstimme beschlossen, den entsprechenden Entwurf der Pläne in die erneute öffentliche Auslegung zu geben. Die wichtigsten Ergebnisse: Laut Verkehrsgutachten werden in der Stettiner Straße künftig etwa 105 Autos pro Stunde unterwegs sein (bisher 60). Eine Erschließung des Baugebiets über die B 191 wurde von der Straßenbaubehörde in Verden abgelehnt, eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern in dem Bereich aber grundsätzlich empfohlen. Die Erschließung wird somit über die Stettiner Straße erfolgen.

 

Diakoniestation will ambulante Tagespflege im Neubaugebiet

Ambulante Tagespflege: Neben privatem Wohnbau könnte auf dem Areal auch eine ambulante Tagespflege mit rund 20 Plätzen entstehen. Die Sozial- und Diakoniestation Eschede-Lachendorf habe ihr Interesse bekundet, teilte Peters mit. Mit der Politik und Verwaltung habe es dazu bereits erste Vorgespräche gegeben.