Demo gegen Neonazis

Kleiner bunter Protest gegen NPD in Eschede

Unter den Erwartungen blieb die Teilnehmerzahl bei der Demonstration gegen die NPD in Eschede. So verlief der Protest gegen die Neonazis.
  • Von Carsten Richter
  • 24. Sept. 2022 | 20:04 Uhr
  • 24. Sept. 2022
  • Von Carsten Richter
  • 24. Sept. 2022 | 20:04 Uhr
  • 24. Sept. 2022
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Eschede.

Der große Protest mit Hunderten Teilnehmern ist diesmal ausgeblieben. Die in der Spitze 80 Demonstranten aber zeigten entschlossen und deutlich ihren Widerstand gegen die Aktivitäten auf dem NPD-Hof am Rande von Eschede. Anlässlich des traditionellen Erntefests der Neonazis hatte das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus am Samstagnachmittag erneut zu einer Demonstration vom Bahnhof zum NPD-Gelände am Finkenberg aufgerufen.

Bunter Protest gegen NPD in Eschede

Auffallend klein war diesmal die Zahl der linken Autonomen. Lediglich etwa Handvoll Schwarzvermummter hatte sich der Demonstration angeschlossen. Umso bunter und vielfältiger wirkte der Protestzug, an dem sowohl Escheder als auch Verbündete aus anderen Teilen des Landkreises Celle und darüber hinaus teilnahmen. Gewerkschafter, Kirchenvertreter, Politiker und andere Organisationen gehören dem Netzwerk Südheide an. Auch das Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede war mit Vertretern vor Ort. Neben Bürgermeister Heinrich Lange und Ratsmitgliedern verschiedener Parteien waren auch die Kandidatinnen für die Landtagswahl, Manuela Mast (Die Linke) und Ros-Marie Siemsglüß (SPD), dabei.

Nur wenig los auf dem Hof der NPD bei Eschede

Nur langsam füllte sich zunächst der Platz auf der Nordseite des Bahnhofs. Die Polizei zählte zum Beginn der Veranstaltung 57 Teilnehmer. Ein paar mehr Demonstranten wurden es im weiteren Verlauf noch. Auf dem NPD-Hof waren außer Landwirt Joachim Nahtz und seiner Frau, denen das Gelände bis zum Verkauf an die rechtsextreme Partei 2019 gehörte, sowie des Fotografen, der auch diesmal seine Kamera auf die Demonstranten hielt, keine weiteren Neonazis zu sehen. Die Protestierenden ließen sich davon nicht beeindrucken.

Netzwerk Südheide erinnert an Schrecken des Nationalsozialismus

In 150 Metern Entfernung zum Hof hielten sie ihre Kundgebung ab. Netzwerk-Sprecher Wilfried Manneke erinnerte an das Reichserntedankfest, das von 1933 bis 1937 jährlich auf dem Bückeberg bei Hameln stattfand – eine der größten Massenveranstaltungen des Nationalsozialismus. "Hitler nutzte es, um die ländliche Bevölkerung enger an sich zu binden", sagte der Pastor im Ruhestand aus Unterlüß. "Die Ideologien der NPD sind weitgehend identisch mit den Lehren des Nationalsozialismus", mahnte Manneke und erinnerte an die Gräueltaten der NS-Zeit. Der Bückeberg ist heute eine Dokumentations- und Lernort. "Das kann man hieraus auch machen", war leise aus den Reihen der Demonstranten zu hören.

Polizei ist mit Verlauf zufrieden – Veranstalter zieht gemischte Bilanz

Während die Polizei einen friedlichen Verlauf feststellte, zog das Netzwerk Südheide eine gemischte Bilanz. Der Anteil der Escheder sei vergleichsweise hoch gewesen, sagte Manneke im Anschluss. Insgesamt aber hatte er sich mehr Teilnehmer gewünscht. "Letztlich haben wir keinen Erfolg", stellte er gegenüber der CZ enttäuscht fest. Auch die Übergabe einer Petition mit 41.000 Unterschriften an Innenminister Boris Pistorius (SPD) im vergangenen Jahr habe nicht zur Schließung des NPD-Zentrums geführt. "Wir müssen uns Gedanken machen", meinte er.

Protest gegen Rechtsextremismus in Eschede geht weiter

Klar ist indes: Der Protest geht unbeirrt weiter. Am 17. Dezember findet die nächste Demo statt. "Solange der NPD-Hof existiert", sagte Manneke, "wird Eschede nicht zur Ruhe kommen".