Landtags-Podium

Eicklinger Scheunengespräch ohne Kontroversen

Acht Wochen vor der Landtagswahl bat die Landjugend die Bewerber von CDU, SPD, FDP und Grünen zum Scheunengespräch. Themen gab es viele, Kontroversen keine.
  • Von Simon Ziegler
  • 15. Aug. 2022 | 16:15 Uhr
  • 15. Aug. 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 15. Aug. 2022 | 16:15 Uhr
  • 15. Aug. 2022
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Eicklingen.

Es war der erste öffentliche Schlagabtausch der vier Landtagskandidaten im Wahlkreis Bergen. In Könekes Scheune in Eicklingen haben am Sonntagabend Jörn Schepelmann (CDU), Ros-Marie Siemsglüß (SPD), Johanne Gerlach (Grüne) und Walter-Christoph Buhr (FDP) über die Zukunft des ländlichen Raums, Busverkehr auf dem Lande, Digitalisierung und erneuerbare Energien gesprochen. Eingeladen hatte die Landjugend Flotwedel. Erja Söhl, Landesvorsitzende der Landjugend, moderierte die zweistündige Debatte gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Nico Burfeind.

Es ist ein erstaunlich junges Bewerberfeld für die Wahl am 9. Oktober: Siemsglüß ist mit 51 Jahren mit Abstand die älteste Kandidatin, ihre Kontrahenten sind alle unter 40. Schepelmann ist 36 Jahre alt, Gerlach 35 und Buhr 38. Dass zwei Frauen und zwei Männer antreten, ist auch nicht selbstverständlich. Was auffällig war: Alle vier begegneten sich mit großem Respekt, der Umgangston war ausgesprochen freundlich. Allerdings wurden Unterschiede bei einigen Themen nicht recht deutlich. Etwas mehr Zuspitzung hätte der Debatte gut getan.

Heimspiel für Schepelmann

Für Schepelmann war das Podium als Eicklinger Bürgermeister ein Heimspiel. „Ich möchte weiter für Euch im Landtag wirken, weil mir der ländliche Raum am Herzen liegt“, sagte er. Immer wieder brachte er den Wolf in der Debatte unter. „Jetzt wurde einmal ein Wolf in Hannover gesichtet, schon soll er erschossen werden. Aber wir sollen mit dem Wolf leben. Das zeigt die Arroganz gegenüber dem ländlichen Raum“, sagte Schepelmann, der seit fünf Jahren im Landtag in Hannover sitzt.

Gerlach, Lehrerin am Christian-Gymnasium in Hermannsburg, konzentrierte sich stark auf das Thema Bildung. „Die Digitalisierung läuft nicht so, wie sie laufen sollte“, sagte sie und brachte das Beispiel, dass Lehrkräfte auf Tablets der Schule nicht mal eigenständig Apps installieren oder löschen könnten. Ministerpräsident Stephan Weil habe „Digitalisierung nicht verstanden“, giftete die Grünen-Kandidatin.

Unternehmer vom Dorfe

FDP-Mann Buhr betonte seine Rolle als Unternehmer vom Dorfe. Der Diestener will sich dafür stark machen, dass alte Bauernhöfe umgebaut und energetisch saniert werden können, „ohne die Menschen finanziell zu überfordern“. Sein Thema ist die Entbürokratisierung. „Bei der Bearbeitung von drei Windrädern wird Papier im Wert von 10.000 Euro bedruckt. Das ist ein Bürokatiemonster“, schimpft der Liberale.

Siemsglüß setzte bei den Erneuerbaren Energien Akzente. „Windkraft ist dreimal so effektiv wie Solarkraft und Wind weht auch nachts.“ Kritisch sieht die Sozialdemokratin aus Bergen das immer neue Ausweisen von Baugebieten. „Das frisst Fläche und es entstehen kleine Dörfer am Rand von Dörfern.“

Wenig überraschend wollen alle vier den ländlichen Raum stärken. Dabei kommt dem schnellen Internet eine große Bedeutung zu. „Hier in Eicklingen hat jeder Glasfaser, der es haben wollte“, erklärte Schepelmann. „Gut, dass wir das 40-Quadrat-Kilometer-Funkloch zwischen Lutterloh und Weesen geschlossen haben“, ergänzte Buhr. „Glasfaser muss schneller in die Erde“, forderte Siemsglüß. Falls nicht, wird das Land abgehängt. „Wenn es keine Erzieher und Erzieherinnen mehr in den Kitas gibt, dann haben wir ein Problem“, fasste die Grüne Gerlach zusammen.

Unterschiede bei ÖPNV und Wahlalter

Nicht einig waren sich die Bewerber und Bewerberinnen in Sachen ÖPNV. „Wir können noch so viel Geld investieren, wir werden die Leute nicht massenhaft in die Busse bringen. Wir brauchen individuelle Lösungen“, sagte Schepelmann. „Wir brauchen eine Ausweitung der Fahrtzeiten auf 6 bis 20 Uhr“, hielt Gerlach dagegen. „Es geht schlicht ums Geld. Wir werden so viel machen wie nötig“, sagte Buhr. „Das Neun-Euro-Ticket hat gezeigt: Die Leute wollen Bahn fahren. Schiene könnte künftig wieder ein Weg sein“, meinte Siemsglüß. Auch beim Wahlalter wurden Unterschiede deutlich: Siemsglüß und Gerlach sind für eine Absenkung auf 16 Jahre, Schepelmann und Buhr wollen es bei 18 Jahren belassen.