Junge Frau brutal ermordet

Getötete Dora: Warum der Fall den "Mädchenschlächter"-Autor nicht loslässt

Albtraumhaftes im Traumzeithof in Dalle: Vor 130 Jahren wurde ganz in der Nähe des Hotels zufällig die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Manfred Henze schreibt in seinem Buch "Die Mädchenschlächter" über die Hintergründe des grausamen Mords. Seine Lesung begann er mit einer Warnung über die detaillierte Darstellung von Gewalt. Vor Ort schilderte der ehemalige Polizeikommissar, warum ihn dieser Fall so fesselt.

  • Von Georg Wießner
  • 05. Juli 2022 | 15:00 Uhr
  • 05. Juli 2022
  • Von Georg Wießner
  • 05. Juli 2022 | 15:00 Uhr
  • 05. Juli 2022
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Dalle.

Sonst ein Garant für Entspannung und Heiterkeit bot das Landhotel „Traumzeithof“ in Dalle nun die Kulisse für eine Geschichte über brutale Morde. Der pensionierte Erste Hauptkommissar Manfred Henze las im idyllischen Garten aus seinem neuen Buch „Die Mädchenschlächter“. Auf den Tag genau vor 130 Jahren wurde ganz in der Nähe des Hotels zufällig die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Es war der Auftakt zu groß angelegten Ermittlungen rund um den exzentrischen Kommissar Arthur Schmidt, dem es letztendlich gelang, die Täter, ein Ehepaar aus Neustadt, zu überführen. Es ist das fünfte Buch Henzes und sein bisher blutigstes.

Mörderisches Ehepaar hatte Opfer über Annoncen gesucht

Angefangen hatte er mit einer Sammlung von teilweise humorvollen Anekdoten rund um seine Arbeit beim Objektschutz in Hannover. Man kann gewisse Parallelen zwischen den beiden Kommissaren damals und heute ziehen. Beide zeichnete eine besondere Akribie bei ihrer Herangehensweise aus. Bei Arthur Schmidt war es der unbedingte Wille, brutale Verbrechen aufzuklären, und bei Henze war es die nicht minder exakte und detailreiche Recherche zu den Mädchenmorden. Er besuchte die Originalschauplätze, studierte alte Gerichtsakten und durchforstete Kirchenarchive. Sein Publikum warnte er an diesem Nachmittag davor, denn auch die Schilderungen von der Vergewaltigung und dem extrem brutalen Mord mit einem Fleischermesser waren sehr detailliert. Das mörderische Ehepaar hatte über Annoncen jungen Frauen eine Anstellung als Hausmädchen bei einer großzügigen Grafenfamilie in der Lüneburger Heide versprochen und so in diese abgelegene Gegend gelockt. Die ermordete 17-jährige Dora Klages wurde auf dem Friedhof in Eschede beigesetzt.

Opferberatung vom „Weißen Ring“ Herzensangelegenheit

Letztlich wurde das Ehepaar wegen Raubmordes zum Tode verurteilt. Zwei Morde hatte es gestanden. Kommissar Schmidt ließ der Fall aber ein Leben lang nicht mehr los, denn er war sich sicher, dass noch wesentlich mehr Verbrechen auf das Konto des Paares gehen würden. Die Staatsanwaltschaft wollte den Fall aber abschließen und bremste weitere Ermittlungen aus, unter anderem um die ausführliche Berichterstattung in den Medien zu beenden. Die sexuellen Hintergründe wurden beim Urteilsspruch nicht berücksichtigt. Es war eine puritanische Zeit und solche Themen sollten offiziell keine Rolle spielen.

Bei all seiner professionellen Herangehensweise zeigte Manfred Henze auch seine sensible menschliche Natur, und man erahnte, warum ihm die Arbeit in der Opferberatung des „Weißen Rings“ schon so lange eine Herzensangelegenheit ist. Als er aus seinem ersten Buch Geschichten vortrug, und die Sprache auf den Suizid von Robert Enke zu sprechen kam, musste er während des Vortrags eine Pause einlegen: „Es tut mir leid, aber ich habe einen Kloß im Hals. Ich stand persönlich in einem sehr engen Kontakt zu der Familie Enke.“