Weitere Mehrbelastung

"Existenzängste": Celler in Sorge wegen Gaspreis

Die Gaskosten steigen teilweise erheblich – das trifft die Menschen auch im Kreis Celle. Bei vielen, das wird in den CZ-Gesprächen deutlich, sind die Sorgen groß.

  • Von Marius Klingemann
  • 22. Sept. 2022 | 12:01 Uhr
  • 22. Sept. 2022
  • Von Marius Klingemann
  • 22. Sept. 2022 | 12:01 Uhr
  • 22. Sept. 2022
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Celle.

"Noch nie solche Existenzängste wie jetzt" hatte Melanie Hentrich. Obwohl ihr Mann "in Vollzeit als Fahrer arbeitet und eigentlich ganz gut verdient", ist die Cellerin wegen der nun steigenden Gaskosten in großer Sorge. Fünf Kinder hat das in Celle lebende Paar, der jüngste Sohn wohnt noch daheim. Auch sie selbst habe – mit Rücksicht auf den Nachwuchs – "immer gearbeitet, ich habe den Job aber im Juni aus gesundheitlichen Gründen verloren", sagt Hentrich. Nun mache sie, obwohl es an sich nicht gehe, eine Umschulung: "Ich muss."

Konkrete Zahlen zum neuen Gaspreis habe die Familie vom Anbieter (Yello) noch nicht, "aber eine Erhöhung wurde bereits angekündigt". Melanie Hentrich hält die Entlastungsmaßnahmen des Bundes für nicht ausreichend: "Viele, auch Betriebe, werden die hohen Kosten nicht auf Dauer tragen können."

Celle und der Gaspreis: "Natürlich macht sich jeder Gedanken"

Im Celler Land hat Grundversorger SVO für den "Klassisch"-Erdgastarif jüngst eine Erhöhung um 11,85 Brutto-Cent pro Kilowattstunde (kWh) angekündigt, was laut Beispielrechnung für einen Vier-Personen-Haushalt mit 150 Quadratmetern und Jahres-Gasverbrauch von 25.000 kWh ein jährliches Preis-Plus von knapp 3000 Euro bedeuten würde. Diese Änderung soll zum November greifen. Schon ab Oktober haben indes die Stadtwerke Celle eine Anhebung des Gaspreises angekündigt, hier geht es um ein Brutto-Mehr von 2,65 Cent pro kWh.

"Die Maßnahmen des Bundes reichen nicht aus, ich hatte noch nie solche Existenzängste."

Melanie Hentrich, Cellerin

Die CZ wollte wissen, wie stark die Sorgen der Menschen im Landkreis angesichts der ins Haus stehenden Mehrbelastung sind. Ob das wohl eine rhetorische Frage sei, erwiderten einige – "natürlich macht sich jeder Gedanken", schließlich belasteten derzeit nicht nur Heizung und Warmwasser das Budget. Die Redaktion hat in diesem Zuge mit mehreren Betroffenen gesprochen: Alle berichteten bereitwillig zu ihrer jeweiligen Situation, viele wollten jedoch lieber anonym bleiben.

Cellerin: Geld-Frage rückt "zwangsläufig in den Fokus"

"Grundsätzlich denke ich positiv und bin froh, dass es 'nur' um eine Erhöhung der Kosten und beispielsweise nicht um Krieg in unserem Land geht", sagt etwa eine Cellerin. Die alleinerziehende Mutter zweier Kinder (16 und 18) erzählt, dass sie viele Jahre als Erzieherin gearbeitet hat, "bis ich irgendwann erkrankte und nun Erwerbsminderungsrente bekomme". Sprit, Lebensmittel, jetzt auch Energie – die Geld-Frage rücke "zwangsläufig in den Fokus", und das sicher nicht nur in ihrem Fall.

Im Mehrparteienhaus, in dem die dreiköpfige Familie wohnt, würden die Nebenkosten (inklusive Gas, Anbieter ist hier die SVO) von der Verwaltung auf alle Mieter umgelegt. Die Erhöhung von ab Oktober monatlich 200 auf dann 500 Euro werde sich als zusätzliche Mehrbelastung im Portemonnaie bemerkbar machen. "Meine Kinder sind anspruchsvoll, sie kommen auch ständig mit irgendwelchen Äußerungen, was die finanziellen Möglichkeiten ihrer Klassenkameraden betrifft." Sie selbst nehme Abstriche in Kauf und versuche, "kleine Beträge dazuzuverdienen". Einen Mietzuschuss, sagt die Frau, habe sie nun ebenfalls beantragt.

"Warmwasser abstellen?": Sorgen wegen höherer Gaskosten

Man müsse nun gemeinsam schauen, wo noch gespart werden kann, heißt es in den CZ-Gesprächen öfters. "Sollen wir etwa das Warmwasser abstellen?", grübelt eine Hambührenerin. Und wie wolle man das den Kindern vermitteln? "Sie merken schon, dass irgendwas nicht stimmt", sagt eine andere Frau. Beim eigenen Nachwuchs, das wird klar, wollen die Leute nicht mit dem Sparen anfangen. Weitreichend sind die Gedanken dennoch: Müsse man sich, wenn die aktuelle Wohnung "nicht so gut isoliert ist", womöglich mit einem Umzug beschäftigen? So weit geht es nicht bei jedem, aber der Tenor lässt sich mit "große Sprünge sind nicht mehr drin" zusammenfassen.