Vertrag gekündigt

Gas-Ärger: Bäcker Vatter ist sauer auf Energieanbieter Hoyer

Auf "etwa 500.000 Euro" schätzt Großbäcker Robert Vatter, der auch Filialen im Celler Land betreibt, den Schaden nach der kurzfristigen Kündigung seines Gas-Vertrages durch Energieanbieter Hoyer. Nun ist die Justiz im Spiel.

  • Von Marius Klingemann
  • 22. Nov. 2022 | 10:05 Uhr
  • 24. Nov. 2022
"Energieintensiv": Die Vatter-Bäckereifiliale an Celles Stechbahn ist eine von insgesamt 35 zwischen Hannover und Soltau.
  • Von Marius Klingemann
  • 22. Nov. 2022 | 10:05 Uhr
  • 24. Nov. 2022
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Celle.

"Eine Frechheit, die ihresgleichen sucht": Robert Vatter, Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckereikette, ist nicht besonders gut auf den Energieversorger Hoyer zu sprechen. Ihren Anfang nahm diese Geschichte bereits im vergangenen Februar, als das Unternehmen aus Visselhövede (Kreis Rotenburg/Wümme) den mit Vatter eigentlich bis Ende 2023 unter Preisbindung geschlossenen Gasvertrag mit Sieben-Tage-Frist kündigte.

"Begründung war, dass die Sache wirtschaftlich nicht mehr darstellbar sei – wir sind aber auf langfristige Konditionen angewiesen, da all unsere Backstuben und Filialen energieintensiv sind." Nach der Kündigung ging es in Sachen Gas in die Grundversorgung bei der SVO. Somit war und ist die Energieversorgung bis heute sichergestellt, allerdings zu höheren und schwankenderen Konditionen als zuvor im Hoyer-Festvertrag. "Wir rechnen mit einem finanziellen Schaden von etwa 500.000 Euro", sagt Vatter.

Gasvertrag gekündigt: "Erheblicher Schaden" für Großbäcker Vatter

Filialen seien dadurch zwar nicht in Gefahr, "wir können aber nicht wirklich Energie sparen, ohne weniger zu produzieren – was wiederum Umsatzverlust bedeuten würde". Im Celler Land sind Vatter-Bäckereien neben der Residenzstadt selbst, hier unter anderem an der Stechbahn, auch in Ovelgönne, Wietze und Winsen zu finden. Hauptsitz des Familienbetriebs mit 35 Fachgeschäften und über 400 Mitarbeitern, an dessen Spitze der 35 Jahre alte Robert Vatter und sein Vater Eckehard stehen, ist in Buchholz (Aller).

 

 

"Wir können nicht wirklich Energie sparen, ohne weniger zu produzieren."

Robert Vatter, Großbäcker mit sechs Filialen im Celler Land

In der "Causa Hoyer" ist die Großbäckerei nun eine von insgesamt 19, die der Osnabrücker Rechtsanwalt Jan Schulze Wartenhorst mit ihren Ansprüchen gegen den Energieanbieter vertritt. "Wegen der Kündigungen und daraus folgenden Einstellungen der Belieferung mit Gas und/oder Strom sind den Mandanten – wie auch den weiteren betroffenen Gewerbekunden – erhebliche wirtschaftliche Schäden entstanden", erklärt der Jurist auf CZ-Anfrage.

Allen Geschäftskunden gekündigt: "Notbremse" bei Hoyer

Das Hoyer-Konstrukt besteht aus zwölf Gesellschaften, Nummer 13 war bis vergangenen Juli die Strom und Erdgas GmbH, die nach Umfirmierung unter dem Namen BSE fortbesteht. Noch weit vor diesem Schritt, nämlich kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine (Ende Februar), kündigte Hoyer sämtlichen Großkunden im Strom- und Gassektor. "Wir mussten die Notbremse ziehen", hieß es damals angesichts der "unfassbaren Preissteigerungen auf der Beschaffungsseite" aus Visselhövede.

Anwalt greift Energieanbieter an – Aufarbeitung ruht aktuell

Anwalt Schulze Wartenhorst sagt nun, dass es sich hier "um einen dramatischen Fall von mangelndem Risiko- und Verantwortungsbewusstsein" handele. Der Vorwurf, den man vor Gericht bringen wolle: Vereinbarung langfristiger Lieferverträge zu günstigen Konditionen ohne Einkauf entsprechend preiswerter Gas- und Strommengen beziehungsweise ohne Absicherung durch langfristige Kaufoptionen. Zuständige Landgerichte hätten zudem bereits "deutlich gemacht, dass die Kündigungen rechtswidrig gewesen sein dürften".

 

"Wir weisen die Vorwürfe mit Nachdruck und in vollem Umfang zurück."

Thomas Hartmann Hoyer-Sprecher

Hoyer-Sprecher Thomas Hartmann betont, man weise "die Vorwürfe mit Nachdruck und in vollem Umfang zurück". Sämtliche Energieverträge seien "in bester Absicht abgeschlossen" worden. Die rechtliche Aufarbeitung der Dinge ruht derzeit, da Hoyers Strom- und Erdgas-Nachfolger BSE kürzlich nach gerichtlich gestoppten Preiserhöhungen für Privatkunden Insolvenz angemeldet hat.