Umwelt-Ausschuss

Neuer Celler Landschaftsrahmenplan vorgestellt

Elf Jahre Arbeit, Vorbereitung viel Geld stecken in einem Projekt, dass nun auf die Zielgrade geht: der Landschaftsrahmenplan für den Landkreis Celle.
  • Von Benjamin Behrens
  • 23. Sept. 2022 | 21:25 Uhr
  • 23. Sept. 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 23. Sept. 2022 | 21:25 Uhr
  • 23. Sept. 2022
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Celle.

Heidedichter Hermanns Löns inspirierte sie zu manch einem Werk, die Touristen zieht sie Jahr für Jahr nicht nur zur Heideblüte an. Natur und Tierwelt im Landkreis Celle machen unser aller Heimat lebenswert und reizvoll.

Landschaftsrahmenplan wird seit 2018 neu erarbeitet

Doch nicht nur mit Auge, Nase und Ohr lässt sich die Natur im Landkreis wahrnehmen, sondern auch ganz schwarz auf weiß in Zahlen und Fakten bannen – von einem Experten-Team, das seit 2018 im Auftrag des Landkreises Celle am „Landschaftsrahmenplan“ (LRP) arbeitet. Jetzt sind die Kartierungsarbeiten abgeschlossen und eine erste Version des LRP wurde im Ausschuss für Umwelt und ländlichen Raum des Landkreises Celle vorgestellt.

Plan ist noch nicht final

Final ist der LRP noch nicht. „Es geht darum, den Stand der Fortschreibung und den bis jetzt erarbeiteten Zustand von Natur und Landschaft im Landkreis Celle vorzustellen“, sagte Mona Dempwolf, Sachbearbeiterin bei der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises und Betreuerin des Projekts, gestern im Umwelt-Ausschuss.

Startschuss für Aktualisierung kam 2011

Fortschreibung wohlgemerkt, denn es existiert bereits ein LRP für den Landkreis Celle – von 1991. Seitdem hat sich nicht nur die Natur verändert, sondern auch der Stand der Technik für Geodaten, Landschaftsentwicklung und Co. 2011 beschloss der Kreistag daher die Fortschreibung und griff tief in die Kasse: Das Gesamtvolumen für das Projekt betrug 781.944 Euro. Drei Planungsbüros (Abia, Planungsgruppe Grün und Planungsgruppe Landschaftspflege TLN) wurden beauftragt und in mehreren Phasen Areale im Landkreis erfasst.

Drei Kategorien von "Schutzgütern"

„Die Inhalte sind in verschiedene Blöcke nach den entsprechenden Schutzgütern unterteilt“, erläuterte Dempwolf. Erster Block ist der Bereich „Schutzgut Arten und Biotope“. Er fällt in die Expertise von Biologin Renate Schmidtke vom Büro Abia. „Das Schutzgut beinhaltet die Vielfalt der einheimischen Flora und Fauna“, so Schmidtke. In ihnen leben Wildkatzen, Schwarzstörche, Hirschkäfer oder der Große Schillerfalter – nur eine Auswahl an seltenen Tierarten bei uns. Für Gewässer wird unterschieden zwischen Heidebächen der Aller und Teichgebieten, inklusive den jeweiligen Lebewesen. Auch Moore, Heiden (große Bedeutung haben der Truppenübungsplatz Bergen und die Rheinmetall-Schießbahn) und Grünland.

Auch Wälder lassen sich typisieren. Bodensaure Buchen- und Eichenmischwälder gibt es etwa im Lünsholz und Becklinger Holz. „Wir haben alles gesichtet, was nur möglich ist. Da sind wir sehr auf dem aktuellen Stand“, erläuterte die Biologin.

Biotope und ihre Bewohner

Abseits bestehender Naturschutzgebiete wurden auch sogenannte Biotope definiert, die aufgrund ihres jeweils besonderen Tier- und Pflanzenbestands schützenswert sind. Auch „invasive gebietsfremde Arten“ wurden untersucht – also Tiere und Pflanzen, die hier nicht heimisch sind und die sogar Schäden anrichten können. Beispiele sind Waschbären, Signalkrebse oder das Drüsige Springkraut. Damit eng verbunden ist die sogenannte „Unionsliste“, eine Verordnung der EU zur Einordnung und Bekämpfung der Eindringlinge. 18 invasive Arten aus dieser Liste sind im Landkreis nachgewiesen.

Landschaftsbild als eigener Teil des Naturschutzes

Karin Bukies, Diplom-Ingenieurin und Landschaftsarchitektin, oblag der Bereich Schutzgut Landschaftsbild. „Es wird in der Landschaftsplanung immer ein bisschen stiefmütterlich behandelt, vielleicht weil es auch so schwer zu greifen ist“, erläuterte Bukies. „Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Natur gilt es zu bewahren. Das Landschaftsbild ist mehr als die optische Wahrnehmung“, so Bukies. Vereinfacht ausgedrückt: Ein Naturareal wird als Einheit wahrgenommen und löst eine persönliche Bindung aus. Dazu können etwa bestimmte Wälder gehören, aber auch historische Gebiete, wie die Gedenkstätte Bergen-Belsen, Relikte der Erdölförderung oder weitläufige Heideflächen.

Die erfassten Landschaftsbilder wurden dann vier Typen zugeordnet, von sehr hoher, hoher, mittlerer bis geringer Bedeutung. „Wir haben das in einer Karte zusammengefasst.“ Auffällig: Gebiete mit sehr hoher und hoher Bedeutung überwiegen.

In die Tiefe gegangen bei Boden, Wasser und Luft

Diplom-Landschaftsökologin Dörte Kamermann stieg für ihren Bereich „Abiotische Schutzgüter“ sehr tief in die Materie ein. Drei Karten entstanden für „besondere Werte von Böden“, „Wasser- und Stoffretention“ und „Klima und Luft“. „Sie sind die Grundlage für die anderen Bereiche. Sie bilden außerdem eine wichtige Basis für die Sicherung und Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes“, sagte Kamermann. Beispiele aus der Praxis sind etwa die Fruchtbarkeit von Böden, besonders kohlenstoffreiche Moorböden oder die Erosionsgefährdung eines Gebiets.

Zielkonzepte erarbeiten und umsetzen als nächster Schritt

Rechtlich bindend ist der LRP nicht. „Der Landschaftsrahmenplan ist eine vorbereitende Grundlage für bestimmte rechtliche Aufgaben“, erläuterte Dempwolf. „Was jetzt noch aussteht, ist das Zielkonzept. Damit beschäftigen wir uns in den nächsten Wochen und Monaten“, kündigte Dempwolf an. Bis Mitte 2023 sollen auf Grundlage des LRP konkrete Maßnahmenkonzepte erarbeitet und umgesetzt werden – zum Wohl der Celler Landschaft.