Trübe Aussichten

Celler Handwerk erwartet "dramatischen Einbruch"

Wegen der gestiegenen Energiepreise haben sich die wirtschaftlichen Erwartungen im Handwerk eingetrübt. Celles Kreishandwerksmeister gibt einen Ausblick.
  • Von Carsten Richter
  • 16. Nov. 2022 | 16:54 Uhr
  • 16. Nov. 2022
Kreishandwerksmeister Markus Duwe (links) und Landrat Axel Flader beim Amtsträgerabend im Hotel Celler Tor.
  • Von Carsten Richter
  • 16. Nov. 2022 | 16:54 Uhr
  • 16. Nov. 2022
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Celle.

Es sieht nicht gut aus im Handwerk. Beim Amtsträgerabend der Kreishandwerkerschaft Lüneburger Heide am Dienstagabend im Hotel Celler Tor in Groß Hehlen redete der neue Celler Kreishandwerksmeister Markus Duwe nicht um den heißen Brei herum. "Laut aktueller Herbstkonjunkturumfrage der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade brechen die Zukunftserwartungen im Handwerk gerade ein. Das Handwerk erwartet einen deutlichen Dämpfer für die Konjunktur", sagte der Tischlermeister aus Celle.

Celler Handwerk gibt Einblick in Stimmungslage

Für den 52-Jährigen, der erst im Mai dieses Jahres das Amt des Kreishandwerksmeisters von Ernst-Heinrich Ahrens übernommen hat, war es der erste Amtsträgerabend in dieser Funktion. Coronabedingt musste die Veranstaltung, bei der sich traditionell Gäste, Vorstände und Ehrenamtsträger der Celler Innungen sowie die Obermeister und ihre Stellvertreter versammeln, in den vergangenen beiden Jahren ausfallen. Bei aller Freude, dass in diesem Jahr wieder ein Amtsträgerabend möglich war: Grund zum Jubeln gab es aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage nicht. "In der aktuellen Herbstumfrage erreichte der Geschäftsklimaindex 83 Punkte, vor einem Jahr hatte er noch bei 131 Punkten gelegen. Also ein dramatischer Einbruch", sagte Duwe zu den rund 75 Gästen.

Von den hohen Energiepreisen besonders betroffen sind die Bäckereien. 

Handwerker rechnen mit schlechterer Geschäftslage

Aktuell liefen die Geschäfte in weiten Teilen des Handwerks noch gut, die Erwartung auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung habe sich jedoch "dramatisch eingetrübt", so der Kreishandwerksmeister. 55 Prozent der befragten Betriebe rechneten in den kommenden Monaten mit einer Verschlechterung der Geschäftslage, sagte Duwe. Den stärksten Einbruch verzeichneten die energieintensiven Nahrungsmittelhandwerke. Um 98 auf nun 33 Punkte sei der Geschäftsklimaindex abgesackt. "Quasi ein Tiefpunkt", so der Kreishandwerksmeister.

Hohe Energiepreise belasten Bäckereien

Beispiel Bäckereien: Dirk Wrogemann aus Wietzendorf ist Obermeister der regionalen Bäcker-Innung. Seine Kolleginnen und Kollegen sieht er von den aktuellen Herausforderungen besonders betroffen. "Wir müssen alles durch die Öfen schieben", sagte der 57-Jährige auf CZ-Anfrage. Entsprechend hoch ist der Energieverbrauch. Es gebe Betriebe, die seit März dieses Jahres um das Zehnfache erhöhte Gaspreise zahlen müssten. "Wir werden in einen Topf mit normalen Haushalten geworfen", äußerte sich Wrogemann zu den geplanten Entlastungen. Er begrüßt es deshalb, dass sich am Mittwoch zahlreiche Berufskollegen in mehreren deutschen Städten, darunter in Hannover, zu Protestaktionen versammelt haben. Das Handwerk fordert eine rasche Ausarbeitung der Härtefallregelung. "Ich sehe viele Betriebe, für die diese Regelung gälte", sagte Wrogemann. "Wir wollen keinen Sonderstatus, aber wir wollen über die Runden kommen", betonte er.

Kreishandwerksmeister Markus Duwe (links) und Landrat Axel Flader beim Amtsträgerabend im Hotel Celler Tor: Thema war die aktuelle Entwicklung. 

Celler Kreishandwerksmeister: "Gaspreisdeckel kommt zu spät"

Bäckereien haben nicht nur mit den gestiegenen Energiepreisen zu tun. Auch Rohstoffe wie Getreide oder Milch werden teurer. "Das ist eine richtige Hausnummer, sagt Wrogemann. Kreishandwerksmeister Duwe vertritt dieselbe Meinung wie er: Der Gaspreisdeckel kommt erst im März 2023 – "und damit viel zu spät".

Celler Landrat bietet Unterstützung für Handwerksbetriebe an

Zum Amtsträgerabend eingeladen war auch Celles Landrat Axel Flader, der nicht nur die Abteilungen des Landkreises vorstellte, sondern auch Stellung bezog zu aktuellen Themen wie Klimaschutz, dem Ausbau erneuerbarer Energien und der Digitalisierung. In Richtung des Handwerks bot der Chef der Kreisverwaltung Unterstützung für die Unternehmen durch die Wirtschaftsförderung an, zum Beispiel beim Thema Energie. "Kommen Sie gerne auf uns zu, wenn Sie diesbezüglich Fragen haben", appellierte Flader an die versammelten Amtsträger.