Systemumstellungen nötig

Energie-Politik beschäftigt SVO an vielen Fronten

"Auch eine technische Herausforderung" seien Preisbremse und Co., sagt SVO-Chef Schwenke. Die Jahresabrechnungen könnten daher später kommen als gewohnt. Celles Stadtwerke nehmen derweil ab Januar wieder Neukunden auf.

  • Von Marius Klingemann
  • 28. Dez. 2022 | 10:05 Uhr
  • 28. Dez. 2022
Strom wird bei der SVO bald deutlich teurer – Celles Grundversorger argumentiert hier, wie auch beim Gas, weiter mit den Marktentwicklungen.
  • Von Marius Klingemann
  • 28. Dez. 2022 | 10:05 Uhr
  • 28. Dez. 2022
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Celle.

Das Thema Energie sei nach wie vor "schwierig", sagt Holger Schwenke, Geschäftsführer der Celler SVO. Maßgeblich ist dabei weiterhin die Entwicklung der Preise für Strom und Erdgas. Bereits im November hat die SVO angekündigt, zu Anfang kommenden Jahres den Brutto-Arbeitspreis im Grundversorgungs-Tarif "Strom klassisch" von aktuell 29,49 auf 54,38 Cent pro Kilowattstunde (kWh) anzuheben – also nahezu auf das Doppelte.

Für einen Zwei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2890 kWh entstünden folglich, so die Beispielrechnung, Mehrkosten von knapp 60 Euro im Monat.

Energie: "Merit Order" macht auch den Strom teuer

"Wir konnten die Preise lange stabil halten, uns der Entwicklung an den internationalen Märkten aber auch nicht entziehen", bekräftigt Schwenke nun erneut. Wie die Zahlen zeigen, die der SVO-Chef zur Verdeutlichung dabei hat, ist der Strom-Einkaufspreis im Großhandel im vierten Quartal 2022 viermal so hoch wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im Sommer war es, getrieben durch die Energie-Entwicklungen rund um Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine, teils sogar beinahe das Zwanzigfache.

Für den Moment, komme man "gut durch", doch es müsse sich zeigen, wie die Dinge in 2023 weitergehen, sagt SVO-Geschäftsführer Holger Schwenke zur Energielage.

Dies, erklärt Schwenke, hänge mit dem sogenannten "Merit Order"-Prinzip zusammen. Quellen, die günstige Strom liefern können – etwa Windräder und Photovoltaik –, werden demnach zuerst zur Nachfrage-Deckelung herangezogen. Reicht das nicht aus, kommen schrittweise die nächstteureren Energieträger ins Spiel, zuletzt die Gaskraftwerke – hiernach richtet sich schließlich der Marktpreis. Schwenke: "Wenn nun, wie geschehen, das Erdgas seinerseits teurer wird, betrifft das auch die Kosten für die Kraftwerke und somit unterm Strich den Strompreis."

SVO-Chef mahnt zur Vorsicht: "Nach Winter ist vor Winter"

Gas ist, das sagen die SVO-Zahlen, im Einkauf derzeit fünfmal so teuer wie in Vor-Krisen-Zeiten. Das Unternehmen hat auch hier den "Klassisch"-Arbeitspreis mehrfach angehoben, zu Januar jetzt noch einmal um 1,91 Brutto-Cent pro kWh, was bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh monatlich rund 30 Euro mehr ausmache.

Ein entscheidender Faktor für Weiteres ist hier der Füllstand der deutschen Gasspeicher, der laut Bundesnetzagentur am Dienstagmittag bei 88,2 Prozent lag. "Nach dem Winter ist vor dem Winter", betont SVO-Chef Schwenke jedoch. Für den Moment, so sein Credo, komme man "gut durch", doch es müsse sich zeigen, wie die Dinge 2023 weitergehen: "Aus Russland werden wir kein Gas mehr bekommen, das scheint derzeit sicher." Daher seien, darauf weist die SVO auch auf ihrer Website hin, nicht zuletzt die Haushalte selbst beim Energiesparen gefragt.

Energiepreis-Bremsen auch als "technische Herausforderung"

Einen Anreiz dazu sollen die vom Bund beschlossenen Preisbremsen geben, die im März 2023 anlaufen und rückwirkend ab Januar zunächst für ein Jahr gelten. Beim Gas darf dann 80 Prozent des Verbrauchs – Berechnungsgrundlage ist die Prognose aus September 2022 – nicht teurer als 12 Cent je kWh sein, beim Strom (Grundlage: der "historische", also Vorjahresverbrauch) nicht teurer als 40.

Was darüber hinausgeht, Stichwort Sparanreiz, muss in vertraglich vereinbarter Höhe bezahlt werden. "Wenn die Preisbremsen anlaufen, wollen wir unsere Systeme angepasst haben, das ist auch eine technische Herausforderung", sagt Schwenke.

SVO-Abrechnungen kommen womöglich später als gewohnt

Umgesetzt hat die SVO die Senkung der Gas-Mehrwertsteuer auf sieben Prozent (rückwirkend schon ab Anfang 2022), außerdem die Dezember-Soforthilfe des Bundes. Dazu wurde erstmal der Gas-Monatsabschlag einbehalten, die genaue Höhe der Hilfe berechnet sich aber nach einer komplexen Formel und wird dann in der Jahresabrechnung verrechnet.

"Es kann passieren, dass der Versand aller Abrechnungen wegen der notwendigen IT-Umstellungen nicht pünktlich im Februar gelingt", kündigt Schwenke an. Möglich sei daher, dass Wasser- und Abwasser-Kunden ihre Unterlagen bereits früher separat erhalten.

"Die Belieferung mit Strom und Gas ist für uns jetzt deutlich risikofreier als noch vor Monaten", kündigt Stadtwerke-Chef Thomas Edathy (links) die Rückkehr ins Neukunden-Geschäft zu Januar an.

Stadtwerke Celle nehmen ab Januar wieder Neukunden auf

Weiterhin keine neuen Strom- und Gas-Kunden nimmt die SVO außerhalb der Grundversorgung auf. "Wir prüfen dieses Vorgehen laufend", sagt Sprecher Thomas Hans, "derzeit bleibt aber unklar, wann wir wieder das volle Produkt-Portfolio anbieten können".

Celles Stadtwerke nehmen derweil ab Januar wieder Neukunden auf. "Die Belieferung mit Strom und Gas ist für uns jetzt deutlich risikofreier als noch vor Monaten", so Geschäftsführer Thomas Edathy. Die Stadtwerke erhöhen die (Arbeits-)Preise zu Februar jedoch auch, im Tarif "Strom Fix" etwa von derzeit 21,40 auf 51,98 Brutto-Cent pro kWh.