Öffentlichkeit ausgeschlossen

Prozess wegen Kindesmissbrauchs offenbart langes Martyrium

Der 42 Jahre alte Ali M. steht vor Gericht, weil er die Tochter seiner Schwester im Landkreis Celle jahrelang sexuell missbraucht haben soll. Die Vorwürfe gegen den Mann wiegen schwer.

  • Von Benjamin Reimers
  • 06. Sept. 2022 | 07:05 Uhr
  • 09. Sept. 2022
Vor dem Lüneburger Landgericht wird ein 42-Jähriger wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs im Celler Land angeklagt.
  • Von Benjamin Reimers
  • 06. Sept. 2022 | 07:05 Uhr
  • 09. Sept. 2022
Anzeige
Celle.

Ali M. sitzt ruhig, fast teilnahmslos in Sitzungssaal 21 im Lüneburger Landgericht. Die Vorwürfe, denen sich der Mann ausgesetzt sieht, wiegen schwer. Laut Anklageschrift soll der 42-jährige Tischler zwischen Januar 2017 und Mai 2020 die heute elf Jahre alte Tochter seiner Schwester sexuell missbraucht haben.

Die Taten ereigneten sich in Wohnungen in Celle und in einem Ort im Celler Ostkreis, in dem Verwandte der Familie wohnen, und außerdem in einem Waldstück östlich von Celle. Die Staatsanwältin sprach von einem unfassbaren Martyrium von „stundenlangem Einsperren in einem Raum“ und „kompletter Entkleidung“.

Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Die 5. Große Jugendkammer unter Vorsitz von Richterin Silja Precht kündigte am Montag an, dass weite Strecken des Verfahrens unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden werden. Eine absolut richtige Entscheidung, wie eine öffentliche Zeugenaussage offenbarte. Der Vater des Kindes berichtete der Kammer im Zeugenstand, dass sich die Tochter der Mutter gegenüber auf einem Spaziergang offenbart habe. „Da erfuhren wir, dass sich der Angeklagte an unserem Mädchen vergriff.“ Auf Nachfrage der Vorsitzenden beschrieb er die Elfährige als immer noch „sehr aufgelöst“. Ihr ein einigermaßen normales Leben zu ermöglichen, sei aktuell sehr schwierig.

"Wir wissen, dass unsere Tochter die Wahrheit erzählt“

M., der aktuell im nordhessischen Kassel wohnt, wird von zwei Lüneburger Strafverteidigern vertreten. Jeden Satz in den polizeilichen Vernehmungen der Eltern nahm Verteidiger Ulrich Albers auseinander. „Meine Ehefrau und ich wissen, dass unsere Tochter die Wahrheit erzählt“, brachte der Vater gegenüber einer Kriminalbeamtin zum Ausdruck. Anwalt Albers erkannte hier eine „klassische Vorverurteilung“ seines Mandanten.

Angeklagter schweigt zu Vorwürfen

Der Angeklagte äußerte sich am ersten Verhandlungstag nicht zu den Vorwürfen. „Herr Ali M. behält sich aber vor, zu sprechen“, gab Zweit-Verteidiger Thorsten Hess zu Protokoll. Richterin Precht ermahnte die Anwälte nachdrücklich, sich in ihrer Fragestellung zu mäßigen.

Der Lüneburger Prozess wird am 27. September fortgesetzt.

Immer mehr Fälle von sexuellem Missbrauch

Laut der aktuellen Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) sind im Jahr 2021 die Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch um 6,3 Prozent auf über 15.500 Fälle gestiegen. Einen Anstieg um 108,8 Prozent auf über 39.000 Fälle gab es bei den Missbrauchsdarstellungen.