Projekt im Kreis Celle

Was bei Bau neuer Stromtrasse zu beachten ist

Bis 2031 baut Tennet durch den Kreis Celle eine neue Stromleitung. Die Planungen gestalten sich schwierig, wie bei einem Infomarkt in Scharnhorst klar wurde.
  • Von Carsten Richter
  • 29. Juni 2022 | 15:55 Uhr
  • 29. Juni 2022
  • Von Carsten Richter
  • 29. Juni 2022 | 15:55 Uhr
  • 29. Juni 2022
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Celle.

Der große Zulauf ist ausgeblieben. Rund zwei Stunden, nachdem am Dienstagnachmittag Netzbetreiber Tennet seinen Infomarkt im Saal des Gasthauses Zur Post in Scharnhorst eröffnet hatte, waren gerade einmal rund 20 Interessierte gekommen. Das Tennet-Team, das mit Experten unter anderem für Umwelt und Technik vor Ort ist, sieht die verhaltene Resonanz gelassen: "Viele Menschen fühlen sich noch nicht betroffen", sagt Pressereferent Peter Hilffert. Und tatsächlich kann das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt auch nur grobe Informationen zum Verlauf einer neuen etwa 140 Kilometer langen Stromtrasse liefern. Klar ist nur: Sie wird voraussichtlich 2031 in Betrieb gehen und auf ihrem Weg von Krümmel an der Elbe bis nach Wahle im Kreis Peine auch durch den Celler Ostkreis verlaufen.

Tennet will zusammen mit Bürgern Lösungen finden

"Wir wollen so früh wie möglich informieren", sagt Hilffert. Zugleich ist Tennet interessiert und angewiesen auf Hinweise von ortskundigen Menschen, was "Brennpunkte" wie Naturschutz- oder Wohngebiete angeht. Sie würden geprüft und wenn möglich in die Planungen einbezogen. "Zusammen wollen wir Lösungen finden", so Hilffert. Mit dem Projekt soll laut Tennet die wichtige Nord-Süd-Stromachse verstärkt werden, da die bestehende Höchstspannungsleitung für die Anforderungen der Energiewende nicht mehr ausreiche.

Natur und Wohnen lassen wenig Spielraum für neue Stromleitung

Erste Voruntersuchungen haben bereits stattgefunden. Die Ergebnisse zeigen: In einigen Bereichen wird es richtig eng, so auch im Bereich Eschede. Wegen Landschaftsschutzgebieten wie an den Aschauteichen, neuen Wohngebieten und der schon bestehenden Höchstspannungsleitung ist der "Raumwiderstand", wie es im Fachjargon heißt, entsprechend groß. Siedlungsbereiche und Schutzgebiete werden aneinander gegenübergestellt. Ergebnis: Der Spielraum für eine zusätzliche Leitung ist begrenzt. "Unser Ziel ist es, die Betroffenheit für die Menschen so gering wie möglich zu halten", sagt Tennet-Projektleiter Philipp Kalweit.

Celler Ostkreis vom Bau neuer Stromtrasse betroffen

Klar ist bislang, dass die alte Stromleitung bestehen bleibt. Möglich sei es aber, dass sich durch den Neubau deren Verlauf ändere. Das alles wird nun weiter geprüft. Wie die Karten zeigen, sind auch in anderen Bereichen des Ostkreises, etwa zwischen Langlingen und Nienhof, die Raumwiderstände groß. Es muss eine Lösung gefunden werden, wie die Leitung durch diese Nadelöhre gelegt werden kann. "Die Krux ist: Entlastung an einer Stelle bedeutet Belastung an anderer Stelle. Wir müssen sehr genau gucken", erläutert Kalweit. Es leuchtet sein, dass weniger als zehn Jahre nicht viel Zeit sind für ein derartiges Mammutprojekt.

Tennet entwickelt aus Suchräumen Grobkorridore

Im nächsten Schritt werden aus den bisherigen Suchräumen etwa 400 Meter breite Grobkorridore entwickelt. Damit soll der Trassenverlauf klarer werden. Mitte kommenden Jahres wird Tennet das Raumordnungsverfahren vorstellen. "Sobald die Grobkorridore verfestigt sind, werden wir die nächsten Veranstaltungen anbieten", sagt Hilffert.

Weiterer Infomarkt am Donnerstag

Ein weiterer Infomarkt findet am Donnerstag, 30. Juni, von 14 bis 19 Uhr im Festwerk, Unter den Eichen 8b, im Uetzer Ortsteil Dedenhausen statt. Teilnahme ist auch ohne Anmeldung möglich.