Personalkosten beim Kreis

WG fordert Sperrvermerk für neue Jobs

Beim Landkreis Celle gehen die Personalkosten durch die Decke. Die WG legt jetzt ein neues Papier vor, um die Kosten zu deckeln.

  • Von Simon Ziegler
  • 28. Nov. 2022 | 17:20 Uhr
  • 29. Nov. 2022
Beim Landkreis Celle arbeiten immer mehr Menschen.
  • Von Simon Ziegler
  • 28. Nov. 2022 | 17:20 Uhr
  • 29. Nov. 2022
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Ulrich Kaiser
Celle.

Die Wählergemeinschaft im Celler Kreistag macht Druck beim Thema Personalkosten. Mit einem neuen Antrag will die WG das Thema erneut auf die Tagesordnung bringen, nachdem ein ähnliches Ansinnen vor zwei Jahren noch weitgehend ergebnislos geblieben ist. "Wir wollen uns in einigen Jahren nicht vorwerfen lassen, nicht gehandelt zu haben", sagt Fraktionschef Ulrich Kaiser.

Frank Reimchen

Konkret fordert die WG, dass im Haushalt des kommenden Jahres alle Neueinstellungen mit einem Sperrvermerk versehen werden. Das hieße, dass jede Neueinstellung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen vom Kreisausschuss freigegeben, der Sperrvermerk also von der Politik jeweils aufgehoben werden müsste.

Personal kostet 76 Millionen Euro

Hintergrund des Vorstoßes sind die explodierenden Personalkosten bei der Kreisverwaltung, die im kommenden Jahr mit 76 Millionen Euro veranschlagt werden. Noch vor vier Jahren lagen die Kosten fürs Kreispersonal bei lediglich 45 Millionen Euro. Dabei habe sich an der Anzahl der zu „verwaltenden“ Einwohner im Landkreis Celle nicht nennenswert etwas verändert, wie die Wählergemeinschaft festhält.

Organigramm gefordert

Die WG fordert in ihrem Antrag zudem, dass Verwaltung und Politik eine Organisations- und Aufgabenanalyse vornehmen. Bei diesem Aufgaben-Organigramm sollen alle Bereiche des großen Landkreis-Hauses unter die Lupe genommen werden, um etwa herauszufiltern, in welchen Dezernaten viele Überstunden anfallen und in welchen nicht. Oder in welchen Ämtern besonders lange für die Bearbeitung von Anträgen gebraucht wird. "Das Ziel sind mehr Effizienz und weniger neue Stellen", wie Kaiser sagt. Das soll mittel- und langfristig durch mehr Digitalisierung und eine Entbürokratisierung der Verwaltung gelingen. Ferner soll geprüft werden, ob mehr Aufgaben an Dritte vergeben werden können.

Kein Konsens im Siebener-Bündnis

Allerdings hat die WG im Siebener-Bündnis im Kreistag für den eigenen Antrag keine Mehrheit gefunden. Die Wählergemeinschaft stellt mit SPD, Grünen, FDP, Linken, Die Partei und CDW die Mehrheit im obersten politischen Gremium des Landkreises Celle. "Wir haben unseren Antrag in der Gruppe diskutiert, aber keinen Konsens gefunden", räumt Kaiser ein. Er ist dennoch überzeugt, dass es parteiübergreifend etliche Abgeordnete gebe, die mit dem Papier sympathisieren. Wie auch immer sich die anderen Fraktionen positionierten, sie müssten sich jetzt mit dem WG-Antrag auseinander setzen, sagt der WG-Fraktionsvorsitzende. Ursprünglich wollte die WG sogar einen Beförderungsstopp durchsetzen, um die Kosten zu senken. Davon ist man aber wieder abgerückt. "Wir wollen den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die leistungsgerechte Vergütung nicht vorenthalten", so Kaiser.

250 Mitarbeiter mehr als 2018

Die Personalkosten beim Landkreis Celle steigen vor allem deshalb, weil an der Trift immer mehr Menschen arbeiten. Verglichen mit dem Jahr 2018 hat die Verwaltung heute rund 250 Mitarbeiter mehr. Mit derzeit 1151 Beschäftigten ist der Landkreis einer der größten Arbeitgeber der Region. Es ist seit Jahren das gleiche Bild: Jedes Jahr werden mit Zustimmung der Politik neue Stellen geschaffen. Die Frage ist, wie lange das noch gut geht. Der Kreishaushalt des kommenden Jahres hat ein Minus von 20 Millionen Euro. Der Schuldenstand wird zum Ende dieses Jahres 160 Millionen Euro betragen. 2026 könnte die Verschuldung des Landkreises bei 364 Millionen Euro liegen. „Wir sind heute schon der am höchsten verschuldete Landkreis in Niedersachsen“, hatte zuletzt Kaisers WG-Fraktionskollege Albrecht Hoppenstedt moniert.

Unterdessen hatte die Verwaltung selbst angekündigt, dass eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen werden soll, in der Vertreter der Verwaltung und der Politik sitzen sollen, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Dabei soll die gesamte Verwaltung überprüft werden, kündigte Finanz-Dezernent Frank Reimchen an. Der WG geht das alles nicht schnell genug. Sie will die Personalkosten jetzt in den Ausschüssen des Kreistages zur Sprache bringen.