Nur drei Bäder öffnen

Gas-Krise: Mehrere Hallenbäder im Kreis Celle bleiben geschlossen

Im Celler Nordkreis wird im Winter kein Hallenbad offen sein. Wegen der Gas-Krise könnte auch Winsen sein Bad schließen.

  • Von Simon Ziegler
  • 19. Aug. 2022 | 06:55 Uhr
  • 19. Aug. 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 19. Aug. 2022 | 06:55 Uhr
  • 19. Aug. 2022
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Celle.

Die größte Energiekrise seit Jahrzehnten kommt immer mehr vor Ort an. Unter anderem nehmen die Kommunen ihre Schwimmbäder ins Visier. Doch jetzt geht es nicht mehr darum, die Wassertemperatur um ein oder zwei Grad zu senken: Angesichts der explodierenden Energiepreise und der Gas-Umlage haben die ersten Betreiber im Landkreis Celle entschieden, dass sie ihre Hallenbäder im Herbst nicht öffnen werden.

Südheide-Hallenbäder machen dicht

In der Gemeinde Südheide werden beide Hallenbäder geschlossen bleiben, also das Allwetterbad in Unterlüß und das Waldbad in Hermannsburg. "Das war eine der schwersten Entscheidungen, die ich in den vergangenen 20 Jahren getroffen habe", sagt Verwaltungsvize Rainer Kirchhoff, der auch Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Südheide ist, die das Bad betreiben. "Aufgrund der sich zuspitzenden Lage an den Energiemärkten, eines möglichen Lieferstopps und der steigenden Energiepreise sind wir gezwungen, Energie zu sparen", begründet er den "massiven Einschnitt".

Sanierung in Bergen geplant

Auch in Bergen läuft es offenbar darauf hinaus, dass das Hallenbad geschlossen wird. Hier sind die Voraussetzungen indes andere. "Natürlich denken wir über eine Schließung zu Energiesparzwecken nach", sagt Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller. "Allerdings plant Bergen aktuell die Sanierung des Bades und wird voraussichtlich zeitnah damit beginnen. Dann wäre das Bad ohnehin für längere Zeit geschlossen. Wir würden also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", so die Verwaltungschefin. Demnächst soll es weitere Informationen geben.

Versiebenfachung der Kosten in Winsen

In Winsen geht Bürgermeister Dirk Oelmann von einer Versiebenfachung der Gaskosten im Vergleich zu 2021 aus. Die Kosten nur für Gas würden von knapp 50.000 Euro auf über 350.000 Euro steigen. "Das liegt daran, dass die alten Einkaufskonditionen für Gas, die zwei Jahre lang gültig waren, auslaufen und auf die Ausschreibung keine Angebote abgegeben wurden. Somit müssen wir mit Höchstpreisen kalkulieren", sagt Oelmann. Ein Schwimmbadbesuch müsste nach seinen Angaben bei über 30 Euro pro Person liegen, um kostendeckend zu sein. Dazu kämen noch die Stromkosten. Er selbst plädiert angesichts dieser Zahlen dafür, das Hallenbad nicht zu öffnen. Die Entscheidung liege aber bei der Politik und soll Anfang September fallen.

Bleibt wenigstens Wietze offen?

Zu einem anderen Schluss kommt Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann. Während in Winsen formal die Wirtschaftsbetriebe Allertal zuständig sind, ist es in Wietze der Förderverein. Doch dieser wird um finanzielle Unterstützung bitten, also kommt auch hier die Gemeinde ins Boot. Klußmann will das Bad offen halten. "Dafür spricht aus meiner Sicht, dass in den letzten Jahren erhebliche Mittel aufgewendet wurden, um das Bad baulich und in technischer Hinsicht zu sanieren, so dass die Energieverbräuche bereits reduziert werden konnten", sagt er. Und er spricht einen wichtigen Punkt an: "Zudem würden wir nach gut zweieinhalb Jahren Corona bedingter Einschränkungen die Schwimmausbildung für die Kinder weiter aufs Eis legen, mit aus meiner Sicht verheerenden Folgen."

Nienhagen profitiert von Biogas-Abwärme

Etwas klarer liegen die Dinge bereits in Nienhagen. "Dadurch, dass wir unser Hallenbad auch mit Fernwärme aus der Biogasanlage heizen und unser Hallenbad als Lern- und Sportbecken dient, ist eine etwaige Schließung des Hallenbades bisher nicht geplant", sagt Samtgemeindebürgermeisterin Claudia Sommer. "Nach Corona ist es wichtig, dass unsere Kinder die Möglichkeit haben, schwimmen zu lernen und die Vereine ihren Betrieb aufrecht erhalten können", argumentiert sie.

Trübe Aussichten im Kreis Celle

Vieles ist noch nicht entschieden, doch derzeit sieht es so aus, dass in diesem Winter mit Hermannsburg, Unterlüß, Bergen und möglicherweise Winsen vier Hallenbäder geschlossen bleiben könnten. Dann hätten neben dem Badeland in Celle im Landkreis nur noch die Hallenbäder in Wietze und Nienhagen geöffnet.