Neben Kirchensteuer

Staatsleistungen: Kirche bekommt "laufend Angepasstes" vom Land

Zu etwa 90 Prozent finanziert sich auch der Celler Kirchenkreis aus der Kirchensteuer. Hinzu kommen sogenannte Staatsleistungen vom Land – die orientieren sich an Beamten.

  • Von Marius Klingemann
  • 21. Jan. 2023 | 11:00 Uhr
  • 22. Jan. 2023
Wie viel Geld eine Kirchengemeinde zugewiesen bekommt, hängt nicht unwesentlich von der Zahl ihrer Mitglieder ab.
  • Von Marius Klingemann
  • 21. Jan. 2023 | 11:00 Uhr
  • 22. Jan. 2023
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Celle.

Knapp 5000 Mitglieder hat Celles evangelisch-lutherischer Kirchenkreis in jüngerer Vergangenheit verloren: Anfang 2020 waren es noch exakt 72.613, zu Beginn des laufenden Jahres dann nur noch 67.893. "Vielfältige Gründe" sieht Superintendentin Andrea Burgk-Lempart für die Austritte, darunter "sicherlich auch finanzielle" Aspekte. Das Stichwort lautet hier Kirchensteuer, diese beträgt in Niedersachsen (und fast allen anderen Bundesländern) neun Prozent des jeweiligen Lohnsteuer-Satzes.

Ein Mitglieder-Minus macht sich dabei zwar nicht sofort in den Gemeinden bemerkbar, aber doch auf mittelfristiger Basis. Die Landeskirche weist ihren Kirchenkreisen nämlich Gelder zu, aber gleichermaßen Sparziele. Im Celler Fall soll der Geldfluss nun um jährlich zwei Prozent sinken, sodass der Gesamt-Haushalt 2028 schließlich um über 800.000 Euro schmaler sein wird. Das macht sich dann, abhängig von der Mitgliederentwicklung, letztlich "alle paar Jahre" auch in den Zuweisungen an die einzelnen Kirchenstandorte bemerkbar.

Neben Steuern: Kirchen bekommen auch Staatsleistungen

Die Finanzsituation hängt, wie auch mancher CZ-Leser in den sozialen Medien richtig angemerkt hat, zwar zu weiten Teilen, aber nicht ausschließlich mit Steuerlichem zusammen. "Unsere Einnahmen kommen zu 90 Prozent aus Kirchensteuer-Mitteln", sagt Landeskirchen-Sprecher Benjamin Simon-Hinkelmann dann auch auf Nachfrage – um eben hinzuzufügen: "Dazu kommen die Staatsleistungen, Zuschüsse und Umlagen von Dritten und weitere Einnahmen etwa aus Verpachtungen sowie Vermietungen."

Stichwort Staatsleistungen: Diese sind im Loccumer Vertrag von 1955 geregelt und werden vom Land Niedersachsen, "laufend angepasst an die Höhe der Besoldung der Landesbeamten", für Personalaufwendungen und Verwaltungstätigkeiten an die Kirchen verteilt. Die evangelische Landeskirche geht hier, so Simon-Hinkelmann, für 2023 und 2024 von jeweils 28,5 Millionen Euro aus. In den vergangenen beiden Jahren waren es knapp 27 Millionen. "Die Staatsleistungen machen ungefähr vier Prozent der Erträge aus", erklärt der Sprecher.

Landeskirche: Gemeinden bekommen Zuwendungen nach festem Schlüssel

Die insgesamt 47 Kirchenkreise der Landeskirche erhalten "entsprechend einem festgelegten Schlüssel" jährlich Gelder aus diesem Topf. Wie viel das im Celler Fall ist, kann Simon-Hinkelmann der CZ jedoch "nicht ad hoc" mitteilen. Superintendentin Burgk-Lempart hat allerdings angekündigt, sich zeitnah zu diesem Thema zu äußern.

Staatsleistungen gehen auch an die katholische Kirche. 4,4 Millionen Euro waren es 2022 für das Bistum Hildesheim, zu dem auch das Dekanat Celle gehört. Für 2023 kann Sprecher Volker Bauerfeld noch keine entsprechenden Angaben machen, wie er wissen lässt.