Mord-Prozess

Esra aus Wathlingen getötet: Lebenslange Haft gefordert

Im Prozess um die getötete Esra C. aus Wathlingen haben am Freitag die Staatsanwaltschaft und die Nebenkläger ihre Plädoyers gehalten. Das Urteil soll am 20. Januar fallen. Was über den Tattag bekannt ist.

  • Von Simon Ziegler
  • 06. Jan. 2023 | 16:37 Uhr
  • 06. Jan. 2023
Esra C. wurde nur 35 Jahre alt. 
  • Von Simon Ziegler
  • 06. Jan. 2023 | 16:37 Uhr
  • 06. Jan. 2023
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Verteidiger Matthias Waldraff mit dem Angeklagten Hüseyin C. zu Beginn des Prozesses.
Celle.

Drei Polizeiwagen stehen vor dem Gerichtsgebäude. Auch vor Saal 134 des Hildesheimer Landgerichts zeigt der Staat Präsenz. Rund 15 Justizbeamte sichern den Verhandlungssaal und kontrollieren Besucher. Gleichwohl bleibt es ruhig. Wie in den vergangenen Wochen verfolgen mehrere Familienangehörige der Esra-Seite den Prozess, der jetzt in die entscheidende Phase geht. Am Freitag hielten die Staatsanwaltschaft und die beiden Vertreter der Nebenklage ihre Plädoyers.

Hüseyin C. hatte zu Prozessbeginn gestanden, seine Ehefrau Esra C. am 3. Mai in Burgdorf erstochen zu haben. Juristisch steht die Frage im Mittelpunkt, ob die Tat als Totschlag oder Mord zu werten ist. Oberstaatsanwalt Marcus Preusse führte aus, dass zwei Mordmerkmale erfüllt seien. Der Angeklagte, der nicht vorbestraft ist, habe aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch gehandelt. Deshalb sei der Wathlinger "wegen Mordes zu lebenslanger Haft zu verurteilen", so der Oberstaatsanwalt. Eine besondere Schwere der Schuld sei nicht gegeben.

Esra C. wurde nur 35 Jahre alt. 

Was über den Tattag bekannt ist

Aus den Zeugenaussagen und dem Nachweis der mobilen Daten ergibt sich ein klares Bild. "Die Beweise sind erdrückend", sagte Preusse über das, was am 3. Mai geschehen ist. Esra C. hatte sich zunächst gegen 14 Uhr mit zwei Freundinnen im Landmarkt in Eicklingen getroffen, ihr Ehemann habe sie observiert. Dann fuhr sie mit ihrem schwarzen Mercedes nach Burgdorf, weil sie ein erstes Beratungsgespräch mit einem Scheidungsanwalt führen wollte. Ihr Mann folgte ihr. Um 16.15 Uhr parkte sie dort an der Feldstraße. Die 35-Jährige führte dann ein 22-minütiges Telefongespräch. Mit wem, konnte nicht geklärt werden. Hüseyin C. parkte unterdessen in einer Nebenstraße. Er versteckte sich hinter einer Säule und beobachtete seine Frau. Ein Messer hatte er in einer Bauchtasche dabei. Um 16.42 Uhr löste Esra C. ein Parkticket, ging zu ihrem Wagen zurück und legte das Ticket auf das Armaturenbrett. In dem Moment habe sich der Angeklagte "schnellen Schrittes" genähert. Es sei zu einem kurzen Wortwechsel gekommen. Dann habe er zugestochen. "Esra C. ging zu Boden. Der Angeklagte stach weiter auf sie ein. Insgesamt 13 bis 14 Mal", so der Oberstaatsanwalt. Die Wathlingerin habe keine Chance gehabt, sie sei arg- und wehrlos gewesen. Sie starb wenig später im Rettungswagen.

Das Urteil wird am 20. Januar erwartet.

Der Angeklagte habe sich zuvor "mit gewaltsamen Konfliktlösungen" beschäftigt. Er habe zum Beispiel einen Schreckschussrevolver gekauft, habe einer Freundin seiner Frau, die er dafür mitverantwortlich machte, dass sich Esra von ihm löste, drei Autoreifen zerstochen. Seiner Frau habe er mehrfach mit Mord gedroht. "Der Angeklagte hat sich konkret mit der Tötung seiner Ehefrau für den Fall der endgültigen Trennung beschäftigt", fasste Preusse zusammen.

Hüseyin C. akzeptierte Trennung nicht

Am Tattag habe Hüseyin C. zielgerichtet gehandelt. Dafür spreche, dass er ein 20 Zentimeter langes Messer dabei hatte. Die Behauptung, dass er sich mit dem Messer selbst vor ihren Augen umbringen wollte, wenn sie sich endgültig trenne, "glaube ich ihm nicht", so der Oberstaatsanwalt. "Ich bin überzeugt, dass er plante, seine Ehefrau zu töten." Zum Motiv führte er aus, dass Hüseyin C. Angst vor Ansehensverlust gehabt habe. Er akzeptierte die Trennung nicht. "Der Angeklagte wollte die Kontrolle zurückhaben", so Preusse.

Nebenklage-Anwältin Antje Heister, die mit ihrem Kollegen Marco Neumann vier Schwestern des Opfers vertritt, schloss sich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft an. "Ich vermisse sein Unrechtsbewusstsein. Er hat sich nie bei den Schwestern entschuldigt. Sie leiden erheblich", sagte Heister. "Er ist von seiner Täter-Persönlichkeit in keiner Weise krank." Heister plädierte dafür, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Neumann ergänzte, dass es sich bei den Einlassungen des Angeklagten zu Beginn des Verfahrens um "Entschuldigungsfloskeln" gehandelt habe. Die Angehörigen fühlten sich "verhöhnt". Er habe seine Frau "brutal auf offener Straße hingerichtet".

Verteidiger Matthias Waldraff wird sein Plädoyer in der kommenden Woche halten. Das Urteil wird für den 20. Januar erwartet.