Mitgliedszahlen gesunken

Celler Kirchenkreis bekommt weniger Zuwendungen

Weniger Mitglieder - weniger Kirchensteuer: Der Kirchenkreis Celle bekommt das zu spüren. Dabei haben die Gemeinden bereits Probleme. 

  • Von Carsten Richter
  • 20. Sept. 2022 | 11:00 Uhr
  • 20. Sept. 2022
  • Von Carsten Richter
  • 20. Sept. 2022 | 11:00 Uhr
  • 20. Sept. 2022
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Celle.

Auf die Kirchengemeinden und damit auch auf die Mitglieder kommen in den nächsten Jahren erhebliche Veränderungen zu. Die Landeskirche kürzt ihre Zuweisungen an die Kirchenkreise. Die Folge: Stellen werden gekürzt und umstrukturiert, einzelne Gemeinden werden künftig noch stärker als bisher zusammenarbeiten. Dabei ist die Personallage im Kirchenkreis Celle teilweise schon jetzt angespannt. Vakante Pfarrstellen gibt es in mehreren Gemeinden.

Lachendorfer Kirchengemeinde sucht neuen Pastor

Beispiel Lachendorf: Seit einem halben Jahr sucht die Kirchengemeinde Arche Noah eine neue Pastorin oder einen neuen Pastor. "Die Stelle ist ausgeschrieben, aber wir haben bislang keine einzige Bewerbung", berichtet Claus Urbanke, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, im CZ-Gespräch. Für die angekündigten Zuweisungskürzungen der Landeskirche hat Urbanke Verständnis. "Die Einnahmen der Kirche ist die Kirchensteuer. Bei Austritten müssen Stellen gekürzt werden. Die Kirche kann sich keine Pastoren leisten, die nichts zu tun haben", sagt der Lachendorfer. Allerdings befürchtet er, dass in den kommenden Jahren noch mehr Stellen schwinden werden. "Jede unbesetzte Stelle entlastet schließlich das Budget", meint er.

"Die Zahl der Gemeindeglieder ist insgesamt rückläufig. Deshalb kürzt die Landeskirche die Zuweisungen an die Kirchenkreise."

Andrea Burgk-Lempart, Superintendentin des Kirchenkreises Celle

Landeskirche kürzt Zuwendungen an Kirchenkreis Celle

Konkret verringern sich die Zuweisungen der Landeskirche an die Kirchenkreise im Planungszeitraum 2023 bis 2028 um jährlich zwei Prozent. "Vergleicht man das Haushaltsvolumen des Jahres 2023 mit dem des Jahres 2028, fällt es um zirka 825.000 Euro geringer aus", rechnet Andrea Burgk-Lempart, Superintendentin des Kirchenkreises Celle, vor. "Die Zahl der Gemeindeglieder ist insgesamt rückläufig. Deshalb kürzt die Landeskirche die Zuweisungen an die Kirchenkreise", so Burgk-Lempart zur Begründung. Dementsprechend werde auch die Zahl der Pfarrstellen an die geringer werdende Zahl an Mitgliedern angepasst. Die Berechnungsgrundlage für die Planungen der vergangenen Jahre – 2400 Gemeindemitglieder für eine hundertprozentige Pfarrstelle – bleibe dabei unverändert. "Darauf sind wir mit Recht stolz", sagt die Superintendentin.

Celler Superintendentin: "Vakanzen dauern länger"

Die derzeitigen Vakanzen – neben Lachendorf (eine Stelle) sind in Wietze eineinhalb und in Großmoor eine halbe Stelle unbesetzt – hätten "nichts mit den Kürzungen zu tun, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen", betont Burgk-Lempart. Alle Stellen seien ausgeschrieben. Sie könnten sofort neu besetzt werden, wenn sich geeignete Pastorinnen oder Pastoren fänden. "Im Gegensatz zu früheren Zeiten dauern Vakanzen heute länger, weil der Fachkräftemangel inzwischen auch ein Thema der Kirche ist. Bewerberinnen und Bewerber können zwischen einer Vielzahl von Stellen wählen", so die Chefin des Celler Kirchenkreises.

Auch Pfarrstelle in Wietze ist derzeit unbesetzt

Nachdem das Pastoren-Ehepaar Angelika und Reinhard Überrück zum 1. Mai in den Ruhestand gegangen ist, wird die Kirchengemeinde St. Michael Wietze-Steinförde von Winsen aus mit betreut. Der Wietzer Kirchenvorstandsvorsitzende Kent Gürel ist froh, dass die Nachbargemeinde aushilft. Aber: "Wir haben kein Gesicht, das für unsere Kirchengemeinde steht", sagt Gürel. Die Wietzer wollen sich bei der Landeskirche bewerben, um für drei Jahre einen Pastor auf Probe zu bekommen. "Der Markt ist allerdings ziemlich leergefegt", weiß Gürel. "Es ist schwierig, Stellen zu besetzen, wenn man weiß, dass Stellen gekürzt werden." Die Gemeinde habe "Angst, dass der Kirchenkreis auf Zeit spielt".

Zusammenarbeit der Kirchengemeinden wird sich ändern

Burgk-Lempart sagt, bei der Überlegung, wie Stellen im Kirchenkreis verteilt werden können, gehe es auch um die Frage, wie sich benachbarte Kirchengemeinden stärker unterstützen könnten, und wo es sinnvoll sei zusammenzuarbeiten. "Es wird in den nächsten Jahren darum gehen, die Arbeit der Gemeinden stärker zu profilieren. Zu überlegen: Was setzen wir für einen Schwerpunkt? Was brauchen die Leute hier vor Ort? Das gilt auch für die Gottesdienste." Außerdem soll ein Pool an Vertretungskräften aufgebaut werden, die flexibel einsetzbar seien. Gespart werde in allen Bereichen, auch in der Verwaltung, sagt Burgk-Lempart. Aber es werde auch nicht nur gespart. "Ab 2023 wird es mehr Diakonenstellen, vor allem für die Jugendarbeit im Kirchenkreis, geben."