Landtagswahl in Niedersachsen

Nach AfD-Schock: Wie Celler Parteien wieder Bürger erreichen wollen

Kampf gegen die Krisengewinnler: Wie im Kreis Celle CDU, SPD und Grüne AfD-Stimmen zurückholen wollen.

  • Von Simon Ziegler
  • 12. Okt. 2022 | 18:05 Uhr
  • 12. Okt. 2022
Die AfD ist neben den Grünen der große Gewinner der Niedersachsen-Wahl.
  • Von Simon Ziegler
  • 12. Okt. 2022 | 18:05 Uhr
  • 12. Okt. 2022
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Celle.

Genau 11.909 Menschen haben bei der Landtagswahl am Sonntag in Stadt und Kreis Celle die AfD gewählt. Im Wahlkreis Bergen fielen auf die Rechtsaußen-Partei 6363 Zweitstimmen, im Wahlkreis Celle mit Wietze und Hambühren waren es 5546.

Maximilian Schmidt

Verschiebung von SPD und CDU zu Grünen und AfD

Zahlen von Infratest dimap zur Wählerwanderung zeigen für Niedersachsen, dass es besonders deutliche Verschiebungen von SPD und CDU hin zu den Grünen und zur AfD gegeben hat: Zehntausende Wähler, die 2017 im Land noch für die SPD stimmten, entschieden sich diesmal für die Grünen – im Saldo rund 55.000. Die CDU verlor in fast alle Richtungen: Laut Infratest dimap wanderten 45.000 Stimmen zu den Grünen, 40.000 zur AfD und 55.000 ins Lager der Nichtwähler.

Bernd Zobel

CDU hat in Celler Wahlkreisen Stimmen eingebüßt

In den beiden Celler Wahlkreisen haben die großen Parteien stärker eingebüßt als im Landesschnitt, besonders die CDU. Sie hat im Vergleich zur letzten Wahl in Bergen und Celle mehr als sieben Prozentpunkte verloren (im Land 5,5 Prozent). Umgekehrt hat die AfD überdurchschnittlich mit einem Plus von mehr als sechs Prozentpunkten profitiert. In ganz Niedersachsen waren es "nur" 4,7 Prozentpunkte mehr.

"In den Mittelpunkt unserer Politik müssen die Familien mit Kindern rücken, wo zumeist beide Elternteile hart gearbeitet haben, um sich beispielsweise den Traum vom Eigenheim zu erfüllen."

Maximilian Schmidt (SPD)

SPD will sich um Mitte kümmern

Das starke AfD-Abschneiden alarmiert die etablierten Parteien im Kreis Celle. Die SPD kündigt an, den Fokus wieder stärker auf die "arbeitende Mitte" zu legen, wie der Celler SPD-Chef Maximilian Schmidt sagt. "In den Mittelpunkt unserer Politik müssen die Familien mit Kindern rücken, wo zumeist beide Elternteile hart gearbeitet haben, um sich beispielsweise den Traum vom Eigenheim zu erfüllen." Nachwahlbefragungen hätten gezeigt, dass die eigentlich leistungsfähige Mitte der Gesellschaft große Sorgen habe. Ein Teil dieser Mittelschicht habe aus Protest AfD gewählt, um Druck auf die etablierten Parteien zu machen, glaubt Schmidt. „Gerade diese Menschen werden jetzt von Energiekrise, Inflation und hohen Spritpreisen hart getroffen und sehen ihr Lebensmodell in Gefahr. Die Sorgen dieser Menschen bei uns in Stadt und Landkreis Celle müssen wir im Blick haben und ihnen politisch Antworten liefern", nimmt sich Schmidt selbst in die Pflicht. Er kündigt an, innerhalb der Parteigremien gemeinsam mit anderen immer wieder daran zu erinnern, diese Mitte und ihre Sorgen im Blick zu haben. Vor Ort könne man das Problem aber nicht lösen. Die Bundesebene müsse schnell Entscheidungen zur Lösung der Energiekrise treffen, etwa durch einen wirksamen Preisdeckel für Strom und Gas.

Jörn Schepelmann

Wahlergebnis als Weckruf

Grünen-Chef Bernd Zobel sieht das Wahlergebnis als Weckruf, wie er sagt. Die niedersächsische AfD sei im Landtag durch Streitigkeiten aufgefallen und habe sich selber zerlegt. "Zur Lösung der Herausforderungen wie Energiekrise und Inflation trägt sie nicht bei, den menschengemachten Klimawandel leugnet sie", sagt der Kreisvorsitzende.

"Zur Lösung der Herausforderungen wie Energiekrise und Inflation trägt sie nicht bei, den menschengemachten Klimawandel leugnet sie."

Bernd Zobel (Grüne) über die AfD

Der Einfluss der Rechtspopulisten könne durch eine überzeugende Politik der Ampel und eine Politik der neuen Landesregierung, die die Sorgen und Nöte der Menschen anpackt, zurückgedrängt werden. "Vor Ort in den Kommunalparlamenten ist es wichtig, noch bürgernäher zu arbeiten und das populistische Agieren der AfD bloßzustellen", meint Zobel.

"AfD nicht Teil der Lösung"

Der CDU-Kreisvorsitzende Jörn Schepelmann sagt, dass es der AfD gelungen sei, die Ängste der Menschen aufzunehmen. "Dass die AfD nicht Teil der Lösung ist, weiß ich aus meiner Arbeit im Landtag", sagt der Eicklinger, der am Sonntag sein Direktmandat verteidigt hat.

"Wir müssen endlich die Inflation bekämpfen und die Versorgungssicherheit zu bezahlbaren Preisen gewährleisten."

Björn Schepelmann (CDU)

Inflation und bezahlbare Preise als große Themen

Es sei jetzt die Aufgabe der CDU im Kreis und in der Landtagsopposition, eine Alternative zu SPD und Grünen aufzuzeigen. "Wir müssen endlich die Inflation bekämpfen und die Versorgungssicherheit zu bezahlbaren Preisen gewährleisten. Dabei helfen weder undefinierte Begriffe wie ‚Doppel-Wumms‘ noch ideologiebehaftete Ausschließeritis, sondern viel mehr vernünftige Entscheidungen zum Beispiel bei der Atomkraft oder der Ausweitung von landwirtschaftlicher Produktion, um Engpässe zu vermeiden", so Schepelmann. Er betont, dass "unser Landkreis in keiner Art und Weise ins Extreme tendiert". Die Menschen hätten ihre Sorgen zum Ausdruck gebracht. "Beim nächsten Mal wird es wieder anders laufen."