Landtagswahl

Ros-Marie Siemsglüß ist ein "rotes Landei“

Ros-Marie Siemsglüß möchte den Wahlkreis Bergen gewinnen. Das ist der 51-jährigen SPD-Kandidatin wichtig.

  • Von Christopher Menge
  • 23. Sept. 2022 | 10:22 Uhr
  • 23. Sept. 2022
  • Von Christopher Menge
  • 23. Sept. 2022 | 10:22 Uhr
  • 23. Sept. 2022
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Celle.

Am Tag, als Ros-Marie Siemsglüß ihre Landtagskandidatur für die SPD zusagte, trat sie ihren neuen Job als Logistikleiterin bei Drewsen in Lachendorf an. „Ich bin glücklich, zu wissen, dass ich einen tollen Job habe, falls ich die Wahl nicht gewinne“, sagt die 51-Jährige knapp acht Monate später. Doch Siemsglüß hat sich auch mit der anderen möglichen Konsequenz ihrer Kandidatur intensiv beschäftigt – die Bergerin will den Wahlkreis 44, der bisher für die SPD uneinnehmbar war, direkt gewinnen.

„Die Zeiten haben sich geändert“, sagt Siemsglüß. Im Gegensatz zur jüngsten Wahl, bei der „zwei relativ junge Männer“ gegeneinander angetreten seien, stehe mit ihr nun eine erfahrene Frau mit einem anderen beruflichen Werdegang zur Wahl. Mit vielen Dingen, über die die Politik entscheidet, habe sie schon zu tun gehabt.

Zum Beispiel als Mutter. Ros-Marie Siemsglüß hat zwei Söhne. Der 24-jährige Erik studiert und wohnt nicht mehr zu Hause, Einar (14) lebt gemeinsam mit seiner Mutter und Hündin Nala in Bergen. Der Vater der beiden ist im April gestorben.

Ros-Marie Siemsglüß ist Mitglied im Berger Stadtrat und Celler Kreistag

„An erster Stelle kommt mein Sohn“, sagt Siemsglüß mit Blick auf ihre Freizeitbeschäftigungen. „Außerdem liebe ich die Gartenarbeit und im Herbst und Winter stricke ich gerne.“ In der Kommunalpolitik ist Siemsglüß seit über zehn Jahren aktiv, seit drei Wahlperioden als Mitglied des Berger Stadtrates und seit Herbst auch im Kreistag.

„Ich bin ein waschechtes rotes Landei“, sagt die Frau, die in Diesten aufgewachsen ist. „Lange habe ich dem Schulverein des Christian-Gymnasiums vorgestanden, den Verein Dorfleben Eversen habe ich mitgegründet.“ Zudem sei sie Mitglied in den Schützenvereinen Eversen und Diesten sowie Fördermitglied der Feuerwehr, des Heimatvereins und des Salinenvereins Sülze.

„Ich kann mich sehr schnell in eine neue Thematik einarbeiten“, sagt Siemsglüß, die als gelernte Industriekauffrau über 30 Jahre lang bei der Wilkening Spezialmöbelfabrik in Hermannsburg tätig war. Es folgte ein Wechsel zu „Wegener + Stapel“, wo Siemsglüß als Abteilungsleiterin „allein unter Männern“ war, wie sie erzählt. Sie habe dann im Sanierungsverfahren aktiv an der Liquiditätsplanung und der Sanierung mitgewirkt. „Schlussendlich habe ich mich selbst wegrationalisiert“, erzählt die SPD-Kandidatin. Bei Koller, wo sie anschließend die Logistik übernahm, habe sie ein Déjà-vu erlebt.

Krippe soll auch in Niedersachsen kostenlos werden

Nun pendelt sie täglich von Bergen nach Lachendorf. „Ich will nie vom Land weggehen“, sagt die SPD-Kandidatin, die den ländlichen Raum in Hannover vertreten möchte. Lehrer- und Erziehermangel, die schlechte Netzabdeckung, die ärztliche Versorgung, den ÖPNV und die Nahversorgung nennt die 51-Jährige als Themen. Zudem dürfe man die Geothermie nicht außer Acht lassen. Und: „In anderen Bundesländern ist die Krippe kostenlos, das ist ein Baustein, der in Niedersachsen noch fehlt“, sagt Siemsglüß, die den Wahlkreis direkt gewinnen muss, um in den Landtag einzuziehen. Platz 58 auf der Landesliste wird nicht reichen.

Fünf Fragen an ...

... Ros-Marie Siemsglüß.

 

Soll angesichts der Energiekrise Fracking oder der Bau von Windenergieanlagen stärker verfolgt werden?

Windenergie ist dreimal wirtschaftlicher als Photovoltaik und umweltschonender als Fracking. Deshalb müssen wir Windenergie dort, wo sie unstrittig ist, ausbauen.

 

Wie wollen Sie dem Problem begegnen, dass es zu wenige Lehrer, Erzieher und zu wenige Pflegekräfte im Land gibt?

Durch bessere Entlohnung die Wertschätzung steigern. Erzieher müssen vom ersten Tag an eine Ausbildungsvergütung erhalten. Um weitere Abwanderung zu vermeiden, müssen Lehrkräfte genauso gut wie in anderen Bundesländern bezahlt werden.

 

Was ist wichtiger: Bau von Ortsumgehungsstraßen oder Ausbau des Radnetzes?

Da der innerörtliche Verkehr per Fahrrad stark zunimmt, ist der bedarfsgerechte Radnetzausbau in Kombination mit Ortsumgehungen in Städten die anzustrebende Lösung.

 

Wie wollen Sie das Busfahren attraktiver machen?

Die Frage müsste lauten: Wie reduzieren wir „Einpersonenautofahrten“, den Individualverkehr? Hier muss über den Bus hinaus auch an das Nutzen von „Mitfahr-Apps, Rufbussen und die Schiene – also über ein komplett neues ÖPNV-Konzept – nachgedacht werden.

 

Mit welcher Partei oder welcher Gruppierung würden Sie am liebsten regieren?

Grüne.