Landtagswahl im Landkreis

Nur auf dem Dorf ist die CDU in Celle vorne

Beide Direktmandate im Landkreis Celle gehen an die CDU. Die AfD ist hier noch stärker als im ganzen Land, besonders im Celler Westkreis. Eine erste Analyse. (mit Kommentar)

  • Von Andreas Babel
  • 09. Okt. 2022 | 22:25 Uhr
  • 10. Okt. 2022
Die beiden Christdemokraten Alexander Wille (links) und Jörn Schepelmann haben gut lachen: Sie gewannen die Direktmandate in den beiden Wahlkreisen. Die CDU selbst schnitt nicht so souverän ab.
  • Von Andreas Babel
  • 09. Okt. 2022 | 22:25 Uhr
  • 10. Okt. 2022
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Celle.

Nur noch in den dörflich geprägten Regionen des Landkreises haben die Christdemokraten die Nase vorn. In den beiden vergangenen Landtagswahlen hat die CDU in beiden Wahlkreisen des Landkreises Celle erheblich an Stimmenanteil verloren. Selbst im sonst so schwarzen ländlichen Raum des Landkreises, also im Wahlkreis Bergen, hat die CDU stärker als die SPD verloren und liegt nur noch wenige Prozentpunkte vor dem roten Rivalen. Im gesamten Landkreis Celle ist die AfD besonders stark, vor allem aber im Celler Westkreis, wo etwa jeder Fünfte für Rechtsaußen stimmte. Im Kreisschnitt hat mehr als jeder Siebte der Partei am äußersten rechten Rand seine Stimme gegeben. Im Wahlkreis Celle (mit Hambühren und Wietze) hat die SPD wie bei der Landtagswahl 2017 – jetzt aber deutlicher – die Nase vor der CDU. Im Wahlkreis Bergen siegte die CDU mit 32,2 Prozent vor der SPD (28,5), hat aber 7,7 Prozent verloren. Die AfD hat hier 14,3 erreicht und die Grünen mit 11,2 auf Platz vier verdrängt.

Auszählung

Die Auszählung der Stimmen dauerte im Landkreis Celle mehr als dreieinhalb Stunden: Um 21.30 Uhr fehlten noch immer die Stimmen aus jeweils einem Wahllokal der Samtgemeinde Flotwedel und der Gemeinde Hambühren, so dass in beiden Wahlkreisen das Endergebnis zu diesem späten Zeitpunkt noch immer nicht feststand. Das letzte Wahllokal war erst gegen 22 Uhr mit seiner Arbeit fertig. Die Wahlbeteiligung lag im Wahlkreis Bergen mit 62,4 Prozent über dem Landesdurchschnitt, im Wahlkreis Celle mit nur 56,7 Prozent darunter.

Direktmandate für die CDU

Trotz des durchwachsenen Ergebnisses für die CDU holten die beiden Spitzenkandidaten das Direktmandat für den Einzug in den Landtag. Alexander Wille (Celle) muss aber wohl wie Jörn Schepelmann, der schon eine Legislaturperiode hinter sich hat, die Oppositionsbank drücken. Ebenfalls im Landtag vertreten sein werden Jens-Christoph Brockmann und Dennis Jahn (beide AfD), die über die Listenplätze 3 und 17 den Einzug ins Parlament schafften. Die AfD hat nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 18 Mandate gewonnen.

SPD ist stark in der Stadt Celle

Besonders gut hat die SPD in der Samtgemeinde Lachendorf abgeschnitten. Hier überholte sie die CDU und lag am Ende mit 0,3 Prozentpunkten vorne. Die Wähler haben dort sehr stark zwischen Erst- und Zweitstimmen-Verteilung unterschieden, denn CDU-Kandidat Schepelmann erhielt hier 10,2 Prozent mehr als seine Herausforderin Siemsglüß. In der einstigen Hochburg Wietze hat die SPD zwar mit 29,1 Prozent gewonnen, aber 9,7 Prozent gegenüber der Wahl 2017 verloren. In der kommunal jahrzehntelang erfolgreich von der SPD geführten Samtgemeinde Wathlingen hat die SPD noch knapp mit 30,9 Prozent die Nase vor der CDU (29,2). In Winsen siegte die SPD mit 31,1 Prozent vor der CDU (26,8).

CDU überragt im Flotwedel

Die Christdemokraten schafften ihr Spitzenergebnis mit 39,1 Prozent in der Samtgemeinde Flotwedel, waren immer noch stark in der Stadt Bergen (34,7 Prozent), obwohl sie hier mehr als zehn Prozent verloren haben. Auch in den Gemeinden Faßberg (34,5 Prozent), Eschede (34,0) und Südheide (33,2) lag die CDU am Ende vorne.

Grüne schwächer als im Schnitt

Im Wahlkreis Celle haben die Grünen mit 11,2 Prozent deutlich weniger als im Landesdurchschnitt geholt, im Wahlkreis Celle schafften sie 13,5.

AfD im Westkreis viel gewählt

In der einstigen "Arbeiter-Hochburg" Wietze, in der die Sozialdemokraten stets den Ton angaben, holte die AfD 21,5 Prozent. Hier hat also mehr als jeder Fünfte Rechtsaußen gewählt. Nahezu 20 Prozent hat die AfD auch in der Gemeinde Hambühren erzielt, in der Gemeinde Winsen 18,3. In der Berger Heisterkamphalle haben 24,9 Prozent für die AfD gestimmt, mithin nahezu jeder Vierte. Insgesamt holte die AfD in der Nordkreisstadt aber "nur" 14,4 Prozent. In der Lohheide holte die AfD 21,9 Prozent.

FDP wären hier über die Hürde gekommen

Die Liberalen haben im Wahlkreis Celle etwas besser als im gesamten Land abgeschnitten, wo sie wohl an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert sind. Im Wahlkreis Bergen schaffte die FDP 6,1 Prozent. Im Celler Stadtgebiet holte die FDP 5,6 Prozent.

Kommentar von CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber

Krisenmanager

So wichtig ein Thema wie Straßenausbaubeiträge und die Frage, ob diese künftig komplett aus dem Landeshaushalt finanziert werden oder nicht, für die Menschen vor Ort auch ist – diese Landtagswahl wurde dominiert von der Angst der Wählerinnen und Wähler vor Wohlstandsverlust. Gesucht wurden deshalb vor allem Krisenmanager. Dass viele diese Fähigkeit ausgerechnet den Populisten der AfD zutrauen, ist besorgniserregend. Genauso wie die einmal mehr enttäuschende Wahlbeteiligung.  

Beim Blick auf die Ergebnisse für den Landkreis Celle fällt auf, dass der ländliche Bereich weiter fest in CDU-Hand ist. So gewann Jörn Schepelmann den Wahlkreis Bergen zum zweiten Mal in Folge klar, und auch bei den Zweitstimmen lagen die Christdemokraten dort trotz deutlicher Verluste vorn. Die SPD jeweils auf Platz zwei ist keine Überraschung, sehr wohl aber die AfD als dritte Kraft noch vor den Grünen.

Im Bereich der Stadt Celle sowie der Gemeinden Wietze und Hambühren blieb es am Abend wie vor fünf Jahren lange spannend. Am Ende hatte der bisher nur auf kommunaler Ebene politisch engagierte Alexander Wille im Kampf um das Direktmandat die Nase vorn und folgt auf Thomas Adasch, der sich nach drei Legislaturperioden als Landtagsabgeordneter nicht wieder zur Wahl stellte. Man darf gespannt sein, ob und welche Akzente der Celler in seinem neuen Amt setzen kann.

Wille lag vor dem ebenfalls erstmals auf Landesebene angetretenen Sozialdemokraten Christoph Engelen und dem als Geheimfavorit gehandelten Grünen-Kandidaten Martin Kirschstein. Der erreichte zwar ein sehr achtbares Ergebnis, war aber letztlich chancenlos. Und seine Bekanntheit konnte nicht verhindern, dass auch in diesem Wahlkreis die AfD bei den Zweitstimmen vor den Grünen lag.

Besonders enttäuscht sein wird man bei der FDP. Dabei hatten die Liberalen doch auf der Zielgeraden mit ihrem Kampf gegen einen Neubau der Bahntrasse zwischen Hannover und Hamburg den Nerv vieler Wählerinnen und Wähler getroffen – was von der angeblichen Vorentscheidung in dieser Angelegenheit am Ende wirklich bleibt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.