Landtagswahl

Linken-Kandidat Daniel Wagner: Geduld bringt er aus der Pflege mit

„Offen, ehrlich und mutig“ will Daniel Wagner unterwegs sein – und für die Linke im Wahlkreis Bergen in den Landtag einziehen. Engagiert ist der 33-Jährige nicht nur im politischen Bereich. 

  • Von Marius Klingemann
  • 23. Sept. 2022 | 09:24 Uhr
  • 23. Sept. 2022
  • Von Marius Klingemann
  • 23. Sept. 2022 | 09:24 Uhr
  • 23. Sept. 2022
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Celle.

Beharrlich für die Menschenwürde einstehen – das will, so die Botschaft auf seinen „personalisierten“ Wahlplakaten, Daniel Wagner. „Es darf nicht sein, dass sich Leute keine Wohnung oder kein vernünftiges Essen leisten können“, sagt er beim Treffen mit der CZ. Besonders am Herzen liegen dem 33-Jährigen, der für die Linke in den Landtag einziehen will, auch die Themen Gesundheit und Pflege – samt der Missstände, die er hier ausmacht: „In Krankenhäusern sollte kein Profitdenken herrschen, es dürfen ebenso wenig Abteilungen geschlossen werden.“ Das, bekräftigt Wagner, bleibe hinter den Ansprüchen Niedersachsens zurück.

Warum er sich gerade in diesem Bereich so engagiert, wird beim Blick auf seinen beruflichen Werdegang deutlich. Seit 2016 ist Wagner, der seinen vorherigen Job als Bäcker wegen einer Mehlstaub-Allergie aufgeben musste, bei einer Celler Altenpflege-Einrichtung beschäftigt. Dort kümmert er sich nun um demente Menschen: „Ich bin eine sehr geduldige Person, das kommt mir hier zugute.“ Die Branche als solche werde bei den aktuellen Verhältnissen jedoch vor die Wand fahren, da es „zwar immer mehr Alte und Pflegebedürftige, dabei aber immer weniger Personal“ gebe.

Linken-Kandidat Daniel Wagner will "Erfahrung sammeln"

Um die Bedingungen beim eigenen Arbeitgeber aktiv zu verbessern, hat Wagner dort einen Betriebsrat gegründet, an dessen Spitze er jetzt steht. „Mir geht es um unverstellte Kommunikation“, das gelte auch in der Politik. „Einfach mal angequatscht“, erzählt der Vater eines Sohnes, habe er daher vor einiger Zeit Linke-Vertreter, die einen Infostand in der Celler Altstadt aufgebaut hatten. Seit 2018 ist er inzwischen Mitglied der Partei, seit Ende vergangenen Jahres Vorsitzender des Kreisverbandes. „Offen, ehrlich und mutig“ sei man hier unterwegs, „wir haben mittlerweile auch einige interessante junge Gesichter dabei“.

Zu diesen dürfte Wagner selbst zählen, als Polit-Profi sieht er sich allerdings nicht: „Andere in meinem Alter sind da schon weiter, das respektiere ich auch.“ Für ihn gehe es im laufenden Wahlkampf darum, „Erfahrungen zu sammeln“, etwa durch die Teilnahme an Podiumsdiskussionen. In seinem „Heimat-Wahlkreis“ 44, der weite Teile des Celler Landes einschließt, hat der Linken-Kandidat nicht zuletzt den ÖPNV im Blick: „Viele Orte brauchen eine bessere Busanbindung.“ Zudem sollte man sich Gedanken machen, ob wirklich jedes Bauprojekt sein müsse.

Daniel Wagner ist "zwischen den Linien" unterwegs und gerne im Garten

Neben Naturschutz steht auch das Engagement gegen Rechts auf Wagners Agenda: „Ich war schon häufig in Eschede dabei“, als Ordner „zwischen den Linien“. Seine zwei Meter Körpergröße habe er bislang höchstens optisch einsetzen müssen.

Abseits des Trubels freut sich der in Gockenholz Aufgewachsene über Zeit im heimischen Garten in Klein Hehlen – „hier kann ich runterkommen und mich ausprobieren“, etwa beim Holz-Arbeiten. Ebenfalls hoch im Kurs sind Gesellschaftsspiele: „Gerne auch in größerer Runde, das Miteinander macht mir Spaß.“

 

 

Fünf Fragen an ...

Videos zu den Kandidaten
online unter www.cz.de

... Daniel Wagner.

 

Soll angesichts der Energiekrise Fracking oder der Bau von Windenergieanlagen stärker verfolgt werden?
Fracking lehnen wir ab. Wir fordern klar den verstärkten Ausbau der Windenergie.

 

Wie wollen Sie dem Problem begegnen, dass es zu wenige Lehrer, Erzieher und zu wenige Pflegekräfte im Land gibt?

Erheblich bessere Bezahlung und bedarfsbezogene, realistischere Betreuungsschlüssel. Der Weg ist lang und teuer, jedoch auch sinnvoll, richtig und unumgänglich.

 

Was ist wichtiger: Bau von Ortsumgehungsstraßen oder Ausbau des Radnetzes?

Versiegelte Flächen gibt es bereits jetzt zu viele. Der Ausbau des Radnetzes ist wichtiger und erheblich umweltschonender. Die restlichen Naturflächen müssen gewahrt bleiben.

 

Wie wollen Sie das Busfahren attraktiver machen?
Die ÖPNV soll kostenlos oder zumindest erheblich vergünstigt werden. Busse sollen kürzer getaktet fahren, insbesondere im ländlichen Raum.

 

Mit welcher Partei oder welcher Gruppierung würden Sie am liebsten regieren?

Am ehesten mit den Grünen, da ich dieser Partei ebenfalls, wenn auch nur in Teilen, den nötigen Mut und die Energie zutraue, grundlegend etwas zum Besseren bewegen zu können.