Kritik an Wasserproben

Zuviel Nitrat: Celler Bauern wehren sich gegen Vorwürfe

Der Maisanbau im Landkreis Celle sei schuld an zu hohen Nitratwerten, hat ein Gewässerschutzverein kritisiert. Landwirte aus der Region lassen das nicht auf sich sitzen.

  • Von Carsten Richter
  • 04. Juli 2022 | 07:00 Uhr
  • 04. Juli 2022
  • Von Carsten Richter
  • 04. Juli 2022 | 07:00 Uhr
  • 04. Juli 2022
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Celle.

Zu Unrecht an den Pranger gestellt fühlen sich Landwirte aus dem Kreis Celle. Grund sind die hohen Nitratgehalte in Brunnen, die durch jüngste Wasserproben festgestellt wurden.  Experten vom Verein VSR-Gewässerschutz hatten 140 Proben aus privaten Brunnen untersucht. Bürger konnten sie Anfang Mai zu einem Stand in der Celler Innenstadt bringen. Wie VSR-Sprecher Harald Gülzow Ende Juni der CZ mitteilte, hatte jeder neunte eine Probe abgegeben, die den Grenzwert der EU-Nitratrichtlinie von 50 Milligramm pro Liter deutlich überschreitet. Gülzow hatte für die erhöhten Werte – der Spitzenreiter wurde mit 134 Milligramm pro Liter in Oppershausen festgestellt – den Maisanbau verantwortlich gemacht, also indirekt den Landwirten die Schuld in die Schuhe geschoben. Die wollen diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen.

Landwirt aus Kreis Celle: "Anmaßend und verachtend"

"Jede Berufsgruppe hat schwarze Schafe unter sich. Hier die Landwirte pauschal zu verurteilen, ist anmaßend und verachtend gegenüber allen landwirtschaftlich tätigen Familien und ihren Mitarbeitern", so der Eicklinger Landwirt Peter Soltau. Wenn jede neunte Wasserprobe einen zu hohen Nitratwert aufweise, hieße das umgekehrt, dass 85 Prozent aller Brunnen unter dem Grenzwert lägen, sagt er.

Wasserproben ordnungsgemäß entnommen?

Er selbst baue keinen Mais an, so der Eicklinger. Er weist aber darauf hin, dass vor dem Mais oftmals eine Zwischenfrucht als Begrünung angebaut werde: "Sogenannte Untersaaten parallel zum Mais sind ebenfalls Standard beim Anbau von Mais." Außerdem führt der Landwirt die Preissteigerungen an – laut Soltau 400 Prozent bei Nitratdünger. Da werde mit Sicherheit jeder seine Nährstoffe mit Bedacht ausbringen. Unklar sei außerdem, ob die untersuchten Wasserproben ordnungsgemäß entnommen worden seien. Blattanalysen zur Nährstoffversorgung von Pflanzen oder regelmäßige Bodenuntersuchungen würden "in den seltensten Fällen in Gärten gemacht, sondern bei uns Bauern auf den Feldern", argumentiert Soltau.

Celler Kreislandwirt kritisiert Vorgehen

Kritik an den Untersuchungen kommt auch von Kreislandwirt Carsten-Wilhelm Drewes. "Die von Privatpersonen genommenen Proben erlauben keine fundierten Aussagen zu den Quellen von Nitrat und schon gar nicht zur Qualität von Grundwasser", so der Landwirt aus Baven. "Hausbrunnen sind behördlich nicht zugelassen für eine repräsentative Grundwasser-Probennahme." Drewes geht davon aus, dass Proben aus Hausbrunnen in zwei bis zehn Metern Tiefe entnommen werden: "Für Messergebnisse in diesen Tiefen ist überwiegend die nähere Umgebung, das heißt in einem Abstand bis zu 20, eventuell 50 Metern verantwortlich. Hier spielt also das Wohngebiet beziehungsweise das Dorfgebiet eine Rolle." Drewes weist auf Kleingärten, Kanäle oder Klärgruben hin, die den Nitratgehalt beeinflussen könnten. Damit sei es sehr unwahrscheinlich, dass die Landwirtschaft und der Maisanbau für die Messwerte verantwortlich seien.

 

Celler Landvolk: "Vorgehen mehr als fragwürdig"

Martin Albers schlägt in dieselbe Kerbe. Auch der Geschäftsführer des Celler Landvolkes kritisiert den VSR-Gewässerschutz: "Wir halten das Vorgehen für mehr als fragwürdig." Zugleich betont er, es gehe nicht darum, das Thema Nitrat wegzudiskutieren. "Wir müssen damit sensibel umgehen", so Albers. Auch Drewes meint: "Da wo Landwirtschaft für zu hohe Nitratwerte verantwortlich ist, muss gegengesteuert werden."