Kaum Nachfrage

Cellern ist Appetit auf Spargel vergangen

Preise runter, Kosten rauf: Für Celler Landwirte endet eine komplizierte Spargel-Saison. Das Gemüse wurde zum Teil sogar weggeschmissen.
  • Von Simon Ziegler
  • 24. Jun 2022 | 06:52 Uhr
  • 24. Jun 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 24. Jun 2022 | 06:52 Uhr
  • 24. Jun 2022
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Celle.

Ralf Lienau redet nicht lange um den heißen Brei herum. "Die Saison ist schlecht gelaufen. Von Anfang an gab es kaum Nachfrage", sagt der Chef vom Erdbeer- und Spargelland in Nienhagen. Also habe er Spargel wegschmeißen müssen. Wie viel, darüber will Lienau nicht sprechen. Er habe auch Ware an karitative Einrichtungen verschenkt. Weil die Kunden viel weniger weiße Stangen gekauft haben als in den Jahren zuvor, hat der Produzent frühzeitig umgesteuert. Das heißt: "Ich habe Flächen aus der Ernte herausgenommen." Auf einigen Feldern, auf denen bisher Spargel wuchs, wird demnächst Mais geerntet. "Wir haben derzeit noch 75 Hektar mit Spargel. Wir kommen von 95 Hektar", sagt er.

Diesel, Strom, Dünger teurer

Zu der geringeren Nachfrage kommen die deutlich gestiegenen Kosten bei Diesel, Strom und Düngemitteln. Ob er dieses Jahr überhaupt Geld verdient hat, wisse er noch nicht, sagt Lienau über die Spargelsaison, die offiziell am 24. Juni zu Ende geht, dem Johannistag.

Kunden haben weniger Geld

Klar ist: Die Celler Spargelproduzenten haben die Inflation deutlich zu spüren bekommen. Während die Kosten gestiegen sind, waren immer weniger Verbraucher bereit, Geld für das Luxusgemüse auszugeben. Oder sie haben auf billigere Supermarktware aus dem Ausland zurückgegriffen. Viele Menschen können oder wollen sich Spargel aus heimischem Anbau nicht mehr leisten. Dazu kommt: Der Spargel-Hype, der bis vor einigen Jahren spürbar war, lässt offenbar deutlich nach. In diesem Jahr wird bis zu 50 Prozent weniger vom Handel bezogen.

Jammern ist nicht, stellt Peter Soltau klar. Celles größter Spargelproduzent aus Eicklingen spricht lieber von Herausforderungen. "Einfach kann jeder. Wir haben alle unsere Bürde zu tragen", kommentiert er das Ende der Saison. Soltau verkauft das weiße Gemüse noch bis zum Wochenende. "Ja, wir haben die Kaufzurückhaltung gespürt", sagt er, "es hätte aber noch viel schlimmer sein können". Viele Stammkunden hätten ihm die Treue gehalten. Die Preise habe er stabil gehalten, trotz der höheren Kosten. Je nach Sortierung lag bei ihm der Preis pro Kilogramm in diesem Jahr bei 7 bis 13 Euro. Was er gemerkt hat: Einige Kunden hätten statt der teuersten Sorte sich auch mit einer Stufe darunter zufrieden gegeben – und so den ein oder anderen Euro gespart. Mit Schnäppchenpreisen im Supermarkt, etwa 500 Gramm grüner Spargel für 1,80 Euro, könne man nicht mithalten.

Immerhin das Wetter war spitze

Soltaus Kollege Markus Santelmann aus Nordburg, der zusammen mit seinem Bruder Arne auf gut 50 Hektar Spargel anbaut, erwartet "kein Rekordjahr", wie er sagt. Aber ganz schlecht sei es auch nicht gewesen. Die gleichmäßigen Temperaturen und viel Sonne hätten für eine gute Qualität der Stangen gesorgt. Und nach den Lockdowns der vergangenen Jahre hatten die Gaststätten wieder geöffnet, die zu den wichtigsten Kunden der Produzenten gehören. Auf der anderen Seite stand die Saison aber unter dem Eindruck "Preise runter, Kosten rauf". Santelmann schätzt grob, dass bei ihm das Kilogramm Spargel unterm Strich für etwa einen Euro günstiger abgegeben wurde als noch im vergangenen Jahr. "Es ist schon möglich, dass hier und da weniger Spargel gegessen wird", sagt er.

In nahezu allen deutschen Anbaugebieten von Brandenburg über Niedersachsen bis Schleswig-Holstein wird von einem Absatzeinbruch gesprochen. Die Rede ist von etwa 20 Prozent weniger Umsatz. Die Folge: Die Bauern sind in diesem Frühjahr zum Teil auf dem bereits geernteten Spargel sitzen geblieben. Viele Landwirte haben sich dazu entschieden, erntereifen Spargel nicht mehr zu stechen. Das Gemüse ist stattdessen in den Erdwällen geblieben.