Jedes Jahr mehr Stellen

Große Sorgen um Personalkosten beim Landkreis Celle

In der Kreisverwaltung arbeiten immer mehr Menschen. Die Personalkosten steigen auf 76 Millionen Euro. Wer soll das noch bezahlen?

  • Von Simon Ziegler
  • 18. Nov. 2022 | 11:45 Uhr
  • 18. Nov. 2022
Das Jugendamt beim Landkreis ist personell einer der größten Bereiche.
  • Von Simon Ziegler
  • 18. Nov. 2022 | 11:45 Uhr
  • 18. Nov. 2022
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Celle.

Die Sorgen werden größer: Die Personalkosten beim Landkreis Celle steigen in ungeahnte Höhen. Der Posten im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr ist mit 76 Millionen Euro angesetzt, gab zuletzt Kreisdezernent Frank Reimchen im Finanzausschuss des Celler Kreistages bekannt. Noch vor vier Jahren lagen die Kosten fürs Kreispersonal bei lediglich 45 Millionen Euro.

Hohe Verdi-Forderungen

Und niemand weiß, ob die Kreisverwaltung mit ihrer 76-Millionen-Euro-Prognose auch tatsächlich auskommen wird. Tendenz: eher nein. Denn die Kämmerei kalkuliert „nur“ mit einer Lohnsteigerung von vier Prozent. Die Gewerkschaft Verdi fordert aber 10,5 Prozent mehr Gehalt im öffentlichen Dienst.

Frank Reimchen.

Die Kosten steigen und steigen vor allem deshalb, weil an der Trift immer mehr Menschen arbeiten. Verglichen mit dem Jahr 2018 hat die Verwaltung heute rund 250 Mitarbeiter mehr. Mit bald 1200 Beschäftigten ist der Landkreis längst einer der größten Arbeitgeber der Region.

Aufgeblähter Verwaltungsapparat?

Frank Reimchen, der Mann der Finanzen an der Trift, betont, die Kreisverwaltung sei personell „nicht aufgebläht“. Allerdings äußert er Verständnis für die Sorgen und kritischen Stimmen aus der Politik, die zuletzt lauter geworden sind. „Es kann nicht ewig so weitergehen“, räumt er mit Blick auf die Tatsache ein, dass die Kreisverwaltung Jahr für Jahr personell aufgestockt wird.

Zusätzlicher Mitarbeiterbedarf durch Corona-Pandemie

Im Einzelnen gibt es für die vielen Stellen gute Gründe. Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass im Gesundheitsamt etwa für die Kontaktnachverfolgung Mitarbeiter eingestellt wurden. Niemand zweifelt, dass dies dringend notwendig war. Das Gesundheitsamt kam in den Hochzeiten der Pandemie kaum mit der Arbeit hinterher. „Das sind zum Teil befristete Verträge“, stellt Reimchen klar. Dort wird die Zahl der Beschäftigten also auch wieder reduziert. Im Gesundheitsamt sind derzeit 69 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Vor der Pandemie waren es 33 Menschen.

Corona-Krise und Ukraine-Flüchtlinge

Ein anderes Beispiel sind die höheren Flüchtlingszahlen, zuletzt im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg. Wenn hunderte oder tausende Geflüchtete in den Kreis Celle kommen, müssen sie betreut werden. Das meiste geschieht in den Kommunen vor Ort, aber eben nicht nur. Der Landkreis Celle wird zuständig, wenn es um den gesamten Komplex Ausländerrecht geht – also Arbeitserlaubnis, Duldung oder Abschiebung. Im Ordnungsamt arbeiten heute 61 Menschen, vor zehn Jahren waren es noch 43.

Verwaltung wird überprüft

„Unsere Stellen, für die wir um die Zustimmung der Politik bitten, sind immer gut begründet. Sie werden gebraucht“, stellt Reimchen klar. Der Politik gehe es eher um das große Ganze, also um den gesamten Personalkörper, schätzt der Dezernent die Diskussion ein. Dass die Verwaltung das Problem erkannt hat, zeigt seine Ankündigung, dass im kommenden Jahr eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen werden soll, in der Vertreter der Verwaltung und der Politik sitzen sollen. „Wir wollen uns die gesamte Verwaltung anschauen. Das wird ein langer Prozess“, sagt Reimchen. Ziel ist eine effizientere Struktur.

Rasenmäher-Prinzip vermeiden

Klar ist, dass nicht nach dem „Rasenmäher-Prinzip“ verfahren werden soll, dass also pauschal in jedem Dezernat oder in jedem Amt die Mitarbeiterzahl um einen bestimmten Faktor reduziert wird. Dass die Belegschaft beim Landkreis eines Tages wieder schrumpfen könnte, ist derzeit ohnehin kaum vorstellbar. Erst im Oktober hatte der Celler Kreistag rund 15 neue Stellen im Sozial-, Gesundheits- und Ordnungsamt bewilligt – zum Teil hatte die Politik die Stellen selbst gefordert.

Schulden von 364 Millionen Euro

Dabei sieht es bei den Finanzen derzeit ziemlich schlecht aus. Nach guten Jahren machen sich inzwischen die Coronakrise, die Auswirkungen des Ukraine-Krieges und die hohe Inflation deutlich bemerkbar. Der Kreishaushalt des kommenden Jahres hat ein Minus von 20 Millionen Euro. Der Schuldenstand wird zum Ende dieses Jahres 160 Millionen Euro betragen. Ende 2023 wird der Landkreis nach heutigen Zahlen bereits mit 229 Millionen Euro in den roten Zahlen stecken. 2026 könnte die Verschuldung des Landkreises bei 364 Millionen Euro liegen.

 

 

Die meisten arbeiten im Sozial- und im Jugendamt

Von den 1151 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die derzeit beim Landkreis Celle beschäftigt sind, arbeiten 162 im Jugendamt. Die große Zahl hat auch damit zu tun, dass der Landkreis im Jahr 2018 die Jugendhilfe von der Stadt Celle übernommen hatte. Zuvor waren im Bereich Jugendhilfe beim Landkreis 91 Mitarbeiter angesiedelt. Die Bereiche umfassen den Komplex Kindeswohl, Elterngeld, Erziehungsberatung, Unterhalt und das Familienbüro.

Dreistellig ist auch die Zahl im Sozialamt mit den Themen Wohngeld und Sozialhilfe. Insgesamt 183 Beschäftigte sind dort angesiedelt. Dazu zählen auch 52 Mitarbeiter im Winser Kreisaltenheim und 48 Mitarbeiter im Jobcenter. 

101 Mitarbeiter für Umwelt und ländlichen Raum

Einen großen Zweig der Landkreisverwaltung bildet ferner das Amt für Umwelt und ländlichen Raum, in dem 101 Menschen arbeiten. Dazu kommen derzeit 57 Beschäftigte im Bereich Hochbau, 44 im Straßenverkehrsamt oder auch 46 Leute im Bereich Veterinärangelegenheiten und Verbraucherschutz.

Zu den 1151 Mitarbeitern der Celler Kreisverwaltung gehören beispielsweise auch 35 Celler, die in der Kreismusikschule arbeiten. Es gibt zudem 34 Schulhausmeister. Personell vergleichsweise bescheiden kommt das Amt für Wirtschaft und Tourismus mit 12 Mitarbeitern daher.