Jahreszeitenprognose

Wieder ein Winter ohne richtigen Winter?

Wie heftig wird der Winter im Celler Land ausfallen? Das sagen die beiden führenden Jahreszeitenmodelle voraus.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 24. Nov. 2022 | 13:45 Uhr
  • 25. Nov. 2022
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  • 24. Nov. 2022 | 13:45 Uhr
  • 25. Nov. 2022
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Celle.

Am 1. Dezember beginnt der meteorologische Winter. Doch nach der frühwinterlichen Episode in der vergangenen Woche ist von Eis und Schnee im Flachland nichts zu sehen. Richtung Monatswechsel wird es dann spannend. Am Südrand von massiven Hochdruckgebieten über Nord- und Osteuropa könnte der Winter aus Osten einen neuen Anlauf nehmen. Wie weit die Temperaturen runtergehen und ob uns die kontinentale Kaltluft überhaupt erreicht, ist noch sehr unsicher.

In alten Zeiten waren Bauernregeln einziges Hilfsmittel

Stellt sich die Frage: Wie heftig wird der Winter wohl insgesamt ausfallen? In alten Zeiten waren die Bauernregeln das einzige Hilfsmittel, um die Witterung der kommenden Wochen und Monate abzuschätzen. Das galt insbesondere für die Oktober in Bezug auf den Winter. Unter bestimmten Bedingungen waren Regeln wie: „Warmer Oktober bringt führwahr, stets einen kalten Januar“ oder „ist der Oktober warm und fein, kommt ein scharfer Winter drein“, gar nicht so schlecht.

Bauernregeln geraten durch Klimawandel ins Wanken

Ausweislich der Statistik folgte nämlich auf einen mindestens 1,5 Grad Celsius zu warmen und gleichzeitig zu trockenen Oktober in Mitteleuropa in 90 Prozent aller Fälle ein strenger Januar und mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent auch ein kalter Februar nach. Doch mit der sprunghaften Klimaerwärmung Anfang der 1990er Jahre und den damit verbunden Schwankungen der atmosphärischen Zirkulation gerieten viele Weisheiten ins Wanken – darunter auch die Oktoberregeln. Beispielhaft sei das Jahr 2006 genannt, als auf einen extrem milden und trockenen Oktober – wie in diesem Jahr – der wärmste Winter aller Zeiten folgte.

Statt Bauernregeln spezielle Klimamodelle

An die Stelle der guten alten Bauernregeln sind heute spezielle Klimamodelle getreten. Im Gegensatz zu den üblichen Wettervorhersagemodellen, die den Ist-Zustand der Atmosphäre derzeit bis maximal 16 Tage in die Zukunft berechnen, berücksichtigen die über mehrere Monate hinweg reichenden Klimamodelle auch die Witterung der Vormonate, die Meerwassertemperaturen, die aktuelle Ausdehnung des arktischen Meereises oder die Verteilung von Land und Meer.

Trefferquote bei beachtlichen 66 Prozent

Bis vor einigen Jahren waren die über viele Monate hinweg reichenden Temperatur- und Niederschlagtrends eher der Blick in die berühmte Glaskugel. Doch mittlerweile liegt die Trefferquote im Zeitraum von drei Monaten bei beachtlichen 66 Prozent. Das bedeutet aber auch, dass ein Drittel der Vorhersagen daneben gehen.

Winter voraussichtlich zu warm und bestenfalls durchschnittlich feucht

Nach dem aktuellen Stand der beiden führenden Jahreszeitenmodelle aus Amerika und Europa soll der Winter 22/23 insgesamt in Deutschland um ein bis zwei Grad zu warm und durch viele Hochdruckgebiete bestenfalls durchschnittlich feucht ausfallen.

Trübes Schmuddelwetter mit wenig Frost und Schnee

Im Klartext hieße das: weniger Frost und Schnee als üblich, dafür oft ruhiges und trübes Schmuddelwetter – also wieder mal ein Winter ohne richtigen Winter.

Von Reinhard Zakrezewski