Honig-Branche unter Druck

Hohe Energiekosten treffen Celler Imker hart

Steigende Energiekosten, Lieferengpässe bei Gläsern und Zubehör und kaum Möglichkeit Mehrkosten auszugleichen. Celler Imker sind in Sorge vor der Zukunft.

  • Von Benjamin Behrens
  • 21. Sept. 2022 | 19:44 Uhr
  • 22. Sept. 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 21. Sept. 2022 | 19:44 Uhr
  • 22. Sept. 2022
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Celle.

Seit zig Jahrhunderten funktioniert der Einklang zwischen Imkern und ihren Bienenvölkern so gut, dass am Ende alle profitieren. Der Bienenhalter umsorgt seine Schützlinge, transportiert ihre Nistplätze zu geeigneten Futterstellen, stellt perfekte Gerüste für den Waben-Bau, schützt sie vor Krankheiten und sorgt auch nach der Honig-Entnahme für ausreichend Ersatz-Nahrung. Dafür kann er eben den Honig und Nebenprodukte wie etwa Bienenwachs verwerten. In der Natur sorgen Bienenvölker für Bestäuben der Blüten. Eine Win-win-win-Situation.

Ganze Imker-Branche ist betroffen

Doch jetzt bringen die steigenden Energiekosten und Lieferschwierigkeiten die Symbiose gewaltig in Schieflage. Celler Imker bangen um ihre Betriebe, sowohl im Nebenerwerb, wie auch bei den Berufs-Imkern. Gleichzeitig fühlen sie sich von der Politik alleingelassen.

"Die Energiekosten treffen die Imkereien direkt, da die Wanderung mit Bienenvölkern für die Honigernte in der Regel unverzichtbar ist", sagt Berufsimker Klaus Ahrens, aus Müden (Örtze). Die Spritpreise schlagen nicht erst seit Kurzem ins Kontor, doch mit dem Wegfall des Tankrabats umso stärker.

Preissteigerungen und Lieferengpässe in vielen Bereichen

Bei den Gläsern beobachtet Ahrens Preissteigerungen um 30 Prozent, Verpackungen und Versand seien um bis zu 100 Prozent angezogen. Löhne für Angestellte, Futterkosten, Gerätschaften rangieren zwischen 30 bis 50 Prozent Teuerung. "Die Mehrkosten können nicht einfach auf den Honig-Verkaufspreis umgelegt werden. Die Konkurrenz von billigen Auslandshonigen sowie den Hobby-Imkern ist zu hoch", erläutert Ahrens. Je nach Betriebsgröße kämen Mehrkosten im vier- bis fünfstelligen Bereich zusammen, ist sich der Imker sicher.

"Für meinen ganz kleinen Nebenerwerbs-Betrieb rechne ich für das nächste Jahr mit 25.000 Euro Mehrkosten. Momentan zahlen wir im Monat 401 Euro Stromabschlag aktuell. Der neue Abschlag soll 1180 Euro sein", sagt Frank Osterloh, über seine Imkerei in Adelheidsdorf. "Und wir müssen den Betrieb noch heizen", ergänzt der Imker.

Glaslieferanten und Hersteller können nicht planen

"Das geht munter weiter, zum Beispiel hatten wir für Honiggläser seit November letzten Jahres fünf Preiserhöhung auf ungefähr 50 Prozent Kostensteigerung", rechnet Osterloh. Bereits jetzt musste er Gläser für zwei Jahre im Voraus einkaufen. "Einfach weil mein Großhändler sagt: 'Wenn der Gashahn abgedreht wird, werden die vielleicht gar nicht mehr produziert", so Osterloh. Die typischen Gläser für "Deutschen Honig" mit goldenem Deckel würden in Bonn produziert, selbst der Großhändler bekomme oft nicht die bestellte Ware.

"Ich rechne für meinen ganz kleinen Nebenerwerbs-Betrieb rechne ich für das nächste Jahr mit 25.000 Euro Mehrkosten. Momentan zahlen wir im Monat 401 Euro Stromabschlag aktuell. Der neue Abschlag soll 1180 Euro sein."

Frank Osterloh, Nebenserwerb-Imker in Adelheidsdorf

"Das heißt noch nicht, dass man die Deckel bekommt, das sind Tagespreise. Da weiß keiner, wann die kommen", so der Imker. Das Spezial-Glas sei hochwertiger als sonstige Einmachgläser. "Da sagt der Produzent am ehesten, ich lass den Ofen aus." Transportkosten, meist Lkw-Diesel spüren nicht nur die Glasproduzenten, auch der Imker.

"Die Bienen werden ja ständig umgestellt, damit sie genug zu fressen haben. Wir wandern nach Brandenburg, Sachsen-Anhalt und haste nicht gesehen. Der Dieselpreis hat sich völlig verändert." Honig habe auch sonst einen sehr hohen Energieaufwand.

"Wenn der Honig geschleudert wird, haben sie ja ein Honig-Wachs-Gemisch. Die Trennung läuft thermisch, Honig und Wachs haben ja unterschiedlich spezifische Gewichte. Die Maschine, die die Deckel von den Waben entfernt haben beheizte Messer und so weiter." Rührmaschinen, klimatisierte Lagerräume, Abfüllmaschinen – viel Energiekostenstellen.

Einzelhandel fordert größere Margen

"Jeder Lieferant hat höhere Kosten. Und der Honig muss ja auch ins Geschäft gebracht werden." Lohnkosten kommen bei allen hinzu. "So hat man auch als kleiner Direkterzeuger die Kosten. Gleichzeitig sagt der Handel, den man beliefert, erbraucht mehr Marge. Dann kommt das, dass der Honig für einen Euro fünfzig mehr im Regal steht, da fragt sich dann der Kunde, der auch mehr Kosten hat, wie er das bezahlen soll", erläutert Osterloh.

Die ganze Branche habe solche Probleme, die auch in den Verbänden wie den Deutschen Imkerbund (mit seiner Messe Euro-Bee) und den Deutschen Berufs- und Erwerbsimker Bund (er veranstaltet im Januar die Norddeutschen Imkertage in Celle) Thema seien. "Die ganzen Imkereibetrieb fahren ihre Investitionen zurück."

Industrien greifen ineinander

Auch die Zuckerpreise steigen an - die Imker spüren es, weil sie über die Industrie spezielles Bienenfutter beziehen, dass den entnommenen Honig ersetzt. "Da sind Preissteigerungen von bis 100 Prozent angesagt. Auch das kann ich nachvollziehen, die Rübenernten sind schlecht, die Landwirte haben auch hohe Energiekosten." Seinen Zwei-Mann-Betrieb und einstelliger Völkerzahl sieht Osterloh noch sicherer aufgestellt, als Großbetriebe die mit hunderten Völkern arbeiteten.

Die Nachfrage nach Honig generell sei nirgends so hoch wie hierzulande. "Deutschland ist Honig-Verzehrweltmeister, nirgends wird so viel pro Kopf gegessen wie hier. Zwanzig Prozent des Bedarfs können die heimischen Imker abdecken." Etwa die Hälfte aller Völker werde von Neben- oder Haupterwerbsimkern produziert, die andere Hälfte von reinen Hobby-Imkern. "Beide bedienen den gleichen Markt. Wir können nur bestehen, wenn wir sehr viele Sorten anbieten und ganz besondere Qualität anbieten."

"Auswirkung für Natur fatal"

Wenn die Berufsimker sich umorientieren müssten, wäre die Auswirkung fatal – auch für die Natur. "Imkerei bekommt auch keine Subventionen, die Biene ist in der betriebswirtschaftlichen Rechnung das wichtigste Nutztier und bekommt null Cent aus dem Landwirtschaftsministerium."