Gelbe Säcke entsorgen

RMG weitere drei Jahre im Kreis Celle unterwegs

Die Entscheidung ist gefallen: RMG ist auch in den kommenden drei Jahren für die Abholung gelber Säcke im Kreis Celle zuständig. Gehen die Probleme weiter?

  • Von Carsten Richter
  • 16. Sept. 2022 | 16:58 Uhr
  • 16. Sept. 2022
  • Von Carsten Richter
  • 16. Sept. 2022 | 16:58 Uhr
  • 16. Sept. 2022
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Celle.

Es ließ sich zunächst gut an. "RMG gelingt reibungsloser Übergang", titelte die Cellesche Zeitung am 4. Januar 2020. Zum Jahreswechsel 2019/2020 hatte die Rohstoffmanagement GmbH aus Eltville am Rhein die Abholung beziehungsweise Leerung der Gelben Säcke und der Gelben Tonnen vom Zweckverband Abfallwirtschaft Celle (ZAC) übernommen. Schon bald aber kehrte sich die anfängliche Euphorie in Frustration um. Nicht überall im Kreis Celle funktionierte die Abholung. Im Gegenteil: Liegen gebliebene Säcke und nicht geleerte Tonnen wurden vielerorts zum Dauerproblem.

Viele Beschwerden über nicht abgeholte Gelbe Säcke

Das Unternehmen machte immer wieder Negativ-Schlagzeilen. Die Beschwerden häuften sich, Anrufe von Bürgern bei der RMG-Hotline liefen ins Leere. Auch die CZ erreichten eine Zeit lang beinahe regelmäßig entsprechende Hinweise. Nun ist klar: RMG hat auch die jüngste Ausschreibungsrunde für die kommenden drei Jahre gewonnen. Das heißt, dass der Entsorger bis Ende 2025 im Kreis Celle unterwegs sein wird.

Celler Zweckverband Abfallwirtschaft reagiert enttäuscht

"Wir finden es schade", sagt ZAC-Geschäftsführer Tobias Woeste. Der lokale Abfallverband hatte bei der aktuellen Ausschreibung des Dualen Systems Deutschland (DSD) ebenfalls seinen Hut in den Ring geworfen, war aber – wie schon bei der Ausschreibungsrunde 2019 – nicht zum Zuge gekommen. Woeste will die Entscheidung des DSD nicht bewerten, macht aber keinen Hehl daraus, dass er sich ein anderes Ergebnis erhofft hatte: "Die Kunden waren mit uns zufrieden", sagt der ZAC-Chef. Nach dem Wechsel zu RMG hätten sich viele enttäuschte Anrufer gemeldet.

Duales System erteilt Vergabe erneut an RMG

Hintergründe zur Auftragsvergabe sind Woeste nicht bekannt. Auf CZ-Anfrage bleibt DSD, auch bekannt unter dem Namen Grüner Punkt, ebenfalls recht verschwiegen. "Der Ausschreibungsführer (in diesem Fall unser Unternehmen) erhält Einblick ausschließlich in das Angebot des Bestbieters und muss diesem, sofern keine gravierenden Gründe dagegensprechen, den Zuschlag erteilen", teilt Pressesprecher Norbert Völl mit und weist auf Paragraf 23 des Verpackungsgesetzes hin, in dem die Art und Weise der Ausschreibung "sehr streng geregelt" sei. Fragen der Redaktion, wie viele Angebote eingegangen seien und ob es Mitbewerber aus dem Kreis Celle gegeben habe, könne DSD nicht beantworten, sagt Völl.

Zahl der Beschwerden aus Kreis Celle zurückgegangen?

"Die Zahl der Beschwerden im Landkreis Celle war zuletzt nicht mehr auffällig hoch, wir gehen daher von einem vertragsgemäßen Zustand aus", heißt es vom Grünen Punkt. Die Aussage deckt sich mit den Eindrücken der CZ. Allerdings haben auch in diesem Jahr wieder einige Hinweise von Bürgern die Redaktion erreicht.

"Die Zahl der Beschwerden im Landkreis Celle war zuletzt nicht mehr auffällig hoch, wir gehen daher von einem vertragsgemäßen Zustand aus."

Aussage vom Grünen Punkt

RMG will Abholung gelber Säcke verbessern

RMG selbst freut sich über den erneuten Zuschlag. "Mit dieser Kontinuität ist es uns möglich, die gewonnene Erfahrung aus den Jahren 2020 bis 2022 in den Folgeauftrag zu überführen und den Bürgern des Zweckverbandes einen Entsorgerwechsel sowie die damit verbundenen Unannehmlichkeiten zu ersparen", sagt Sprecher Marius Schröder. Das Unternehmen habe "insgesamt eine gute Abfuhrleistung an den Tag gelegt". Tatsächliche "Nicht-Abholungen" seien die Ausnahme. Eine Vielzahl von Reklamationen könne vermieden werden, so Schröder weiter. Dazu weist RMG Verbraucher darauf hin, nur ein System zur Entsorgung von Verpackungen zu nutzen, also die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack, und nicht mit Abfall gefüllte Gelbe Säcke in die Gelbe Tonne zu werfen. "Eine derartige Doppelnutzung steht im Widerspruch zu dem durch den Umweltgesetzgeber insgesamt verfolgten Ziel der Ressourcenschonung", so Schröder. "Nicht in Sack und Tonne gehören etwa Batterien, DVDs, Druckerpatronen, Elektrogeräte, Essensreste oder Windeln."

Duales System will "Lage genau beobachten"

Neben dem Problem der Nichtabholung gab es zuletzt ein weiteres: Gelbe Säcke waren schlicht nicht erhältlich, nach wie vor sind sie teilweise Mangelware. RMG wolle sich "kontinuierlich verbessern", versichert Sprecher Schröder. "Aus diesem Grund haben wir uns strukturell und personell noch einmal neu aufgestellt." DSD wiederum will "die Lage genau beobachten" und auch der Celler Abfallzweckverband will mit RMG sprechen. Woeste: "Es muss besser werden."

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Kommentar: Alles auf Anfang

Weitere drei Jahre RMG: Die Entscheidung des Dualen Systems dürfte für reichlich Kopfschütteln sorgen. Zu Recht werden sich viele Menschen fragen: Wie kann das sein? Es hat sich gezeigt, dass sich der private Entsorger das Vertrauen seiner Kunden nicht verdient hat. Aus vermeintlichen Startschwierigkeiten wurde ein dauerhaftes Ärgernis. Celle ist mit dem "Sorgenkind aus Eltville" nicht allein. Wo auch immer RMG den Müll abholen soll, häuft sich der Ärger. Ob im Rheinland oder in Nordhessen, im Kreis Rotenburg oder in der Region Hannover – die Nachrichtenportale sind voll mit Beschwerdeberichten. Es sind überall dieselben Probleme: Tonnen werden nicht geleert, Säcke sind nicht erhältlich – und am Verursacher prallt alles ab. "Einzelfälle", von denen RMG gerne spricht, sind das schon lange nicht mehr. Die Vergangenheit sollte eigentlich eine Lehre gewesen sein: Das günstigste Angebot ist nicht immer das beste. Das Duale System muss nun seinen Auftragnehmer klar in die Schranken weisen, bevor der Ärger von vorne beginnt. 

Carsten Richter