Photovoltaik nur der Anfang

Flotwedel und Wathlingen wollen eigenständige Energieversorgung

Stromversorgung unabhängig vom öffentlichen Netz: Das ist das Ziel einer Bürgergenossenschaft, die von Bürgern gegründet werden und die Samtgemeinden Flotwedel und Wathlingen autark machen soll. Wie das klappen soll. 

  • Von Carsten Richter
  • 02. Sept. 2022 | 09:00 Uhr
  • 05. Sept. 2022
  • Von Carsten Richter
  • 02. Sept. 2022 | 09:00 Uhr
  • 05. Sept. 2022
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Celle.

Im Celler Südkreis könnte eine besondere Form der Energieversorgung entstehen. Mit der Gründung einer Bürgergenossenschaft wollen die Initiatoren die regionale Energieerzeugung in den Samtgemeinden Flotwedel und Wathlingen stärken. Die Installation von Photovoltaikanlagen soll dabei nur der Anfang sein. Wie Tomas Binnewies, Sprecher der Gründungsgruppe, mitteilt, haben sich bereits vor der aktuellen Energiekrise Menschen aus der Samtgemeinde Wathlingen zusammengefunden, um die nachhaltige Energieerzeugung ehrenamtlich voranzutreiben. Nun hat es Verstärkung gegeben: Auch im Flotwedel wollen Interessierte das Vorhaben unterstützen. Mit den Verwaltungsspitzen in beiden Rathäusern wurde bereits Kontakt aufgenommen. Wenn die Gründung abgeschlossen ist, sollen die Politiker in den Räten ins Boot geholt werden.

 

Bürger im Landkreis Celle wollen sich selbst mit Strom versorgen

"Die in der Leader-Region Aller-Fuhse-Aue erprobte Zusammenarbeit der beiden Samtgemeinden soll auch beim Projekt Energiegenossenschaft fortgesetzt werden", erklärt Friedhelm Torney, der Sprecher der Bürgerinitiative Flotwedel, für die das Thema Klimaschutz eine große Bedeutung hat. "Der Aufwand für die Gründung ist erheblich, da kommt die Unterstützung aus der Samtgemeinde Flotwedel sehr gelegen", bestätigt Wilhelm Schönewald, der sich in der Gründungsgruppe um den Kontakt zum Genossenschaftsverband kümmert. In der Gründungsgruppe werden die geplanten Projekte konkretisiert, Angebote eingeholt und die Wirtschaftlichkeit geprüft.

 

Bürger in Flotwedel und Wathlingen wollen Energiegenossenschaft gründen

Neben der kurzfristigen Realisierung von Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung, sowohl auf Dachflächen als auch auf geeigneten Freiflächen, solle die nachhaltige Wärmeversorgung ein weiterer Schwerpunkt werden, heißt es in der Mitteilung. Mittelfristig wolle die Genossenschaft den lokalen Stromhandel ermöglichen und damit Produzenten wie Verbrauchern einen Vorteil bieten. "Nachhaltiger Strom aus der Nachbarschaft entlastet nicht nur die Stromnetze, sondern kann auch günstiger bereitgestellt werden", so Binnewies. Langfristig soll durch eine Vernetzung verschiedener lokaler Energieerzeuger und unter Einbindung von Speichermöglichkeiten wie Batterien oder Wasserstoff eine weitgehend autarke Energieversorgung für die Region bereitgestellt werden.

 

Bürgermeister begrüßen Idee einer Bürgergenossenschaft

Flotwedels Samtgemeindebürgermeister Frank Böse freut sich über die Bereitschaft zur Kooperation mit den Kommunen. Er erhoffe sich durch die Beteiligung von Bürgern mehr Akzeptanz für die Energiewende, sagte Böse gegenüber der CZ. Erste Überlegungen, wo Solaranlagen aufgestellt werden könnten, gebe es bereits. Auch aus Wathlingen kommt Zustimmung: "In diesen schwierigen Zeiten ist es gut, wenn sich kompetente Menschen für das Gemeinwohl engagieren und den Klimaschutz unterstützen", sagte Verwaltungschefin Claudia Sommer.

 

Bürger stellen Finanzierung sicher

Klar ist: Für die Kommunen reduzieren sich durch eine Genossenschaft der Planungsaufwand und die Kosten, da die Finanzierung durch die Bürger erfolgt. "Wir werden für einen niederschwelligen Einstieg sorgen", sagte Torney auf CZ-Nachfrage, ohne schon konkrete Beträge zu nennen. Die Mindesthöhe der finanziellen Beteiligung wird in einer Satzung festgelegt. "Die Bürgerbeteiligung steht für uns an erster Stelle."

In der Gründungsinitiative sind 17 Personen aktiv beteiligt. An die nun anstehende Gründungsversammlung wird sich die Werbung neuer Mitglieder zur Finanzierung der ersten Projekte anschließen.