"Finanziell nicht machbar"

Keine eigenen Rettungswachen: Kreis Celle weicht von Absichtserklärung ab

2018 hat Celles Kreisverwaltung die Absicht bekundet, in Eigenregie Rettungswachen bauen zu lassen. Davon ist die Verwaltung nun ab – für viele Retter bedeutet das weiterhin ein Wirken im "Provisorium".

  • Von Marius Klingemann
  • 01. Dez. 2022 | 09:00 Uhr
  • 01. Dez. 2022
Bis mindestens 2027 läuft der aktuelle Rettungsdienst-Auftrag im Kreis Celle.
  • Von Marius Klingemann
  • 01. Dez. 2022 | 09:00 Uhr
  • 01. Dez. 2022
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Celle.

Ob nun Rotes Kreuz oder Johanniter, beim Rettungsdienst kommt es neben der Geschwindigkeit auch im Landkreis Celle auf passende Infrastruktur an. Und die scheint, wenn man so manche Aussage hört, zumindest ausbaufähig zu sein.

Die Dinge spielten sich zum Teil in "Interims-Provisorien" ab, bekräftigte SPD-Ratsherr und Johanniter-Dienstleiter Stefan Hauke nun im Kreis-Ausschuss für Brand- und Bevölkerungsschutz. "Seine" Rettungsstellen in Beckedorf, Eschede und Hermannsburg seien etwa "deutlich zu klein". Worte, die darauf schließen lassen, dass es doch andere Vorstellungen für eine mittel- bis langfristige Standort-Qualität gibt.

Keine eigenen Wachen: Antrag bekräftigt Kreis-Position

Immer wieder überprüfen und "dauerhaft sicherstellen" müsse man diese, da stimmte im Ausschuss auch Ulrich Kaiser von der Gruppe der Wählergemeinschaften (WG) zu. Im Antrag, den die WG zum Thema zuvor mit der Christlich-Demokratischen Wählergruppe (CDW) stellte, war davon jedoch bemerkenswerterweise nichts zu lesen.

Der Kreis solle "keine eigenen Rettungswachen bauen", hieß es dafür – entgegen der Absichtserklärung, die die Verwaltung im Jahr 2018 selbst abgegeben hatte. Damals ging es um die Vergabe für die aktuellen Rettungsdienst-Aufträge im Kreisgebiet, die noch mindestens bis Mitte 2027 laufen.

Kreis: Bau eigener Rettungswachen zu kostenintensiv

Die Aussage, etwas zu "beabsichtigen", komme keiner vertraglichen Verpflichtung gleich, sagte Dezernent Frank Reimchen nun. Daher bestünden "keine Bedenken", wenn der Kreis nun vom ursprünglich Verkündeten abweiche.

Dezernent Frank Reimchen bekräftigt, dass die Kreisverwaltung "natürlich" in Gesprächen stehe, was die Rettungswachen-Situation im Celler Land angehe.

Gründe: Eine Suche nach geeigneten Grundstücken sei sehr aufwändig, die Bauplanung und -durchführung personalintensiv und – nicht zuletzt – die (Vor-)Finanzierung neuer Wachen mittlerweile deutlich teurer als noch in 2018. 2,5 Millionen Euro pro Bau stünden hier, so Reimchen, einem ursprünglichen Wert von 1,1 Millionen gegenüber.

Die Kreisverwaltung nutzte daher gerne die "Vorlage", die ihr der WG/CDW-Antrag (mit Nennung ähnlicher finanzieller Argumente) bot: "Wir stimmen hier zu." Die Kreis-Einsatzleitstelle stehe auch mit widrigen "Außen-Bedingungen" gut da.

Rettungsdienst: Aktueller Auftrag läuft bis mindestens 2027

Etwas verwundert zeigte sich Reimchen dann über die Aussage von Ulrich Kaiser in Sachen fortwährende Überprüfung der Standort-Qualität: "Natürlich führen wir Gespräche, wie den Dienststellen-Provisorien entgegengetreten werden kann." Ein Bau in Eigenregie sei aber, wie bereits ausgeführt, derzeit nicht darstellbar.

Abzuwarten sei zugleich die Situation, wenn es an die neuerliche Rettungsdienst-Vergabe gehe. Das wird 2027 oder – falls der Kreis von seiner Möglichkeit Gebrauch macht, den aktuellen Durchgang um zwei weitere Jahre zu verlängern – 2029 der Fall sein.

"Kann sein, dass wir noch lange in unseren Provisorien sitzen"

SPD- und Johanniter-Vertreter Stefan Hauke sagte derweil, er sehe es "noch nicht final", dass sich in der Sache bis 2027/29 gar nichts tun müsse – eine privatwirtschaftliche Bau-Lösung sei wegen der momentanen Marktlage aber wohl auch "schwierig". "So kann es durchaus sein, dass wir noch einige Jahre in unseren provisorischen Wachen sitzen." Den beschriebenen Antrag vertagte das Gremium schließlich in den im Dezember anstehenden Kreisausschuss.

"Es kann durchaus sein, dass wir noch einige Jahre in unseren provisorischen Wachen sitzen", sagt Johanniter-Dienstleiter Stefan Hauke.

Ausschuss: Gebühren für Notfall-Einsätze sollen steigen

Klar war die Sache unterdessen bei der Gebührenerhöhung für Rettungsdienst-Leistungen, der der Ausschuss geschlossen zustimmte. Normalerweise wird hier über die Kostenträger (Verband der Ersatzkassen oder AOK) abgerechnet, was aber nicht bei Privatversicherten oder nicht abgedeckten Leistungen gilt.

Dort werden für Betroffene bei einem Notfall-Einsatz künftig – sofern der Kreistag dafür votiert – 598 statt bislang 472 Euro an den Kreis fällig (ab dem 51. Fahrt-Kilometer jeweils sechs Euro drauf), bei einem Notarzt-Einsatz 694 statt 661.