Experten-Vorschlag

Soforthilfefonds als Strohhalm für Heizöl-Kunden?

"Unabhängig von der Art des Energieträgers“ soll es ab Januar Finanzhilfe für "bedürftige Haushalte" geben, schlagen Experten vor – das würde dann auch für Heizöl-Kunden gelten. Was sagen Celles Bundestagsabgeordnete?

  • Von Marius Klingemann
  • 02. Nov. 2022 | 19:00 Uhr
  • 18. Nov. 2022
  • Von Marius Klingemann
  • 02. Nov. 2022 | 19:00 Uhr
  • 18. Nov. 2022
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Celle.

Von einem „Comeback“ könne man – anders, als zum Teil im Internet beschrieben – nicht wirklich reden, zwischen Januar und Juni 2022 wurden deutschlandweit aber immerhin zwölf Prozent (in konkreten Zahlen: rund 29.000) mehr Ölheizungen eingebaut als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Diese Information hat Frederic Leers, Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), auf CZ-Anfrage parat – und auch im Kreis Celle sind die Anlagen durchaus noch zu finden. „Etwa zehn Prozent“ der Haushalte in seinem Bezirk heizen noch auf diese Weise, sagt etwa ein Schornsteinfeger aus der Residenzstadt, der jedoch anonym bleiben möchte.

Heizöl: Winserin zahlt 3000 Euro fürs Auftanken

Ebenfalls nicht für zeitungstauglich hält eine Winserin ihren Namen, die daheim nach eigener Aussage „schon immer“ eine Ölheizung hat. Jetzt komme sie sich jedoch „verschaukelt“ vor: „Für Gaskunden wird bereits seit Ewigkeiten über Entlastungen diskutiert, beim Heizöl hört man nichts. Wer soll da noch durchsteigen?“

Und das, obwohl auch hier die Preise durch die Decke gingen: Vergangenes Jahr, erklärt die Frau, habe sie pro Liter noch 81 Cent bezahlt, das letzte Nachtanken im April habe sie dann – das Öl kommt über einen Dienstleister vom Hamburger Hafen nach Winsen – bereits etwa 3000 Euro (für 2000 Liter) gekostet. Im August und Oktober lag der Literpreis phasenweise bei über 1,70 Euro, zuletzt waren es immer noch mehr als 1,50 Euro.

Otte: Energie-Hilfe wichtig, aber Ampel "spät dran"

„Eine dauerhafte Marktberuhigung ist hier nicht absehbar“, meint Henning Otte. Der Everser, der seit 2005 für die CDU im Bundestag sitzt, sieht bei den bisherigen Plänen der Regierung ebenfalls „einen zu einseitigen Fokus auf Gas und Strom“.

Die von der Politik eingesetzte Expertenkommission hat nun vorgeschlagen, „unabhängig von der Art des Energieträgers“ einen Soforthilfefonds zu schaffen, von dem „bedürftige Haushalte“ – Grundlage: die Höhe des Einkommens sowie der Energiekosten – ab kommendem Januar bis Ende April 2024 profitieren sollen. Solch eine Hilfe, die sich eben auch an Heizöl-Kunden richtet, hält Otte „für dringend erforderlich“. Hier sei die Bundes-Ampel aber spät dran und sich allgemein „noch nicht über die Details im Klaren“, kritisiert er.

 

FDP will "sozial ausgewogene" Hilfe, AfD gegen Unterscheidung

Bundestags-Kollegin Anja Schulz (FDP) betont indes: „Damit die Maßnahme sozial ausgewogen ist, braucht es treffsichere Vergabekriterien.“ Der einkommensstarke Teil der Bevölkerung, der die hohen Heiz- und Stromkosten selber tragen könne, müsse dies am Ende auch tun. Die genaue Ausgestaltung des Fonds sei nun abzuwarten.

Thomas Ehrhorn (AfD) sagt hingegen, dass sich dabei „jede Unterscheidung zwischen vermeintlich ‚Bedürftigen‘ und anderen Bürgern“ verbiete. Schließlich seien alle gleichermaßen von den hohen Energiekosten betroffen.

Verbandssprecher: Heizöl-Thema "auf niedriger Basis"

BDH-Sprecher Frederic Leers teilt mit, dass „sein“ Verband die vorgesehenen Verbraucher-Entlastungen begrüße. Die Heizöl-Thematik finde hier jedoch trotz allem „auf niedriger Basis“ statt, der entsprechende Heizungsbestand (aktuell noch rund fünf Millionen in Deutschland) nehme kontinuierlich ab. „Durch den fossilen Brennstoff ist dieses System nicht mehr wirklich zukunftsorientiert“, findet dann auch der eingangs erwähnte Celler Schornsteinfeger.