Energie-Situation

Hohe Energiekosten: Hier gibt es im Kreis Celle Hilfe

Was tun, wenn es wegen hoher Energiekosten finanziell eng wird? Auch im Kreis Celle gibt es verschiedene Anlaufstellen – wir geben einen Überblick.

  • Von Marius Klingemann
  • 30. Okt. 2022 | 09:00 Uhr
  • 18. Nov. 2022
  • Von Marius Klingemann
  • 30. Okt. 2022 | 09:00 Uhr
  • 18. Nov. 2022
Anzeige
Celle.

Mit dem Slogan „Energie sparen lohnt sich“ wendet sich Grundversorger SVO in der neuesten Ausgabe seines Kundenmagazins an die Haushalte im Landkreis. Jährlich etwa 670 Terawattstunden, das sind 670 Milliarden Kilowattstunden (kWh), werden deutschlandweit demnach allein im Privatbereich für Wärme und Strom verbraucht. Neben Unternehmen und Kommunen, so SVO-Geschäftsführer Holger Schwenke, seien die Menschen angesichts der aktuellen Lage also auch besonders in den eigenen vier Wänden gefragt: „Die Einsparpotenziale, die Sie recht einfach nutzen können, sind groß.“

Tipps zum Energiesparen

Tipps hat das Unternehmen, das rund 250.000 Kunden in und um Celle sowie in den Nachbarkreisen Uelzen, Heidekreis und Gifhorn betreut, sowohl im angesprochenen Magazin wie auch – bereits seit einiger Zeit – auf der eigenen Website im Internet parat. „Schon ein Grad weniger Raumtemperatur senkt die Heizkosten um sechs Prozent“, heißt es da beispielsweise, außerdem wird empfohlen, die Heizung rechtzeitig warten und so von etwaigen Rußablagerungen befreien zu lassen.

Gerade bei älteren Fenstern sei darüber hinaus ratsam, abends die Rollläden oder Vorhänge zuzuziehen, was den Wärmeverlust um bis zu ein Drittel senke. Und, in Sachen Farbenlehre: „Weiß, blau oder türkis gestrichene Räume empfinden wir um einige Grad kälter als rot oder orange gehaltene Wände – und drehen automatisch die Heizung auf.“

Gas: SVO gibt Mehrwertsteuer-Senkung weiter

Wie viele Cellerinnen und Celler nun den Pinsel geschwungen haben, ist nicht bekannt. Fest steht indes, dass die Energiepreise auch bei der SVO steigen: 47,61 Brutto-Cent pro kWh statt aktuell 39,53 müssen die Kunden ab November etwa im Tarif „Strom fest“ berappen, bei „Erdgas natürlich“ sind es 20,46 Cent (bislang 17,48). „Die Preisanpassungs-Schreiben haben unsere Kunden per Post erhalten“, heißt es von der SVO – die monatlichen Abschläge würden zudem automatisch angepasst.

Nicht mehr ins Gewicht fällt dabei die ursprünglich zu Oktober geplante Gasumlage von 2,59 Cent pro kWh (Brutto), die der Bund noch vor ihrem Start zurückgezogen hat. Der jetzt anberaumte, 200 Milliarden Euro schwere „Abwehrschirm“ sieht ferner eine Absenkung der Gas-Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent vor, die rückwirkend zum 1. Oktober greift und bis Ende März 2024 gelten soll.

SVO: "Sehr hohes Aufkommen" beim Telefonservice

Solche Entlastungen gebe man „selbstverständlich“ an die Verbraucher weiter, ohne dass diese sich selbst kümmern müssten, teilte SVO-Sprecher Thomas Hans der CZ jüngst mit. Anfang November sollen die Kunden Schreiben über die dann neu berechneten Abschlagshöhen erreichen.

Das Unternehmen hat in der gegebenen Situation sein Telefon-Servicepersonal – Erreichbarkeit: montags bis freitags zwischen 7.30 und 20 Uhr unter (05141) 2196 5000 – aufgestockt. Dazu heißt es jedoch: „Wegen des sehr hohen Aufkommens gehen wir davon aus, dass wir den Erwartungen nicht immer vollumfänglich gerecht werden können.“

Was tun, wenn es finanziell eng wird?

Das benannte Mehr auf der Energierechnung kann aber auch dies nicht verhindern, dazu sind Alltagsdinge wie etwa Einkaufen und Tanken schon seit Längerem teurer. Für die Beratung, wenn es finanziell problematisch wird, ist, persönlich oder auch via Video-Beratung, etwa die Verbraucherzentrale erreichbar. In Celle ist das Büro an der Schuhstraße 40, Telefon (05141) 28271. Sie bietet zudem einen Energiepreis-Rechner als Orientierungshilfe für den individuell passenden Abschlag an. Schuldnerberatungen gibt es in Celle, Bergen und Hermannsburg – die Schuldnerberatung Lüneburger Heide (Markt 9) ist zum Beispiel unter (05141) 7090370 erreichbar.

Wer Anspruch auf Sozialhilfe hat – dieser tritt etwa ein, wenn für Betroffene „in besonderen Lebenslagen“ die eigenen Mittel nicht ausreichen –, kann sich im Celler Fall an den Landkreis wenden. Kontakt: (05141) 916 4001 oder sozialamt@lkcelle.de. Formulare gibt es auf der Kreis-Internetseite unter „Bürgerservice“ und dem Stichwort „Sozialhilfe“. Was genau notwendig und möglich ist, entscheidet sich von Fall zu Fall.

Wohngeld-Empfänger bekommen Heizkostenzuschuss

Wohngeld kann derweil laut Gesetz jeder Bundesbürger beantragen, der zwar über ausreichend Einkommen für die eigenen Lebenshaltungskosten verfügt – nicht aber, um auch die Wohnkosten zu decken. Auch hier ist das Kreis-Sozialamt zuständig, das die Unterstützung bei positivem Bescheid in der Regel für zwölf Monate bewilligt. Antragsformulare gibt es ebenfalls im „Bürgerservice“ der Landkreis-Website, Stichwort „Wohngeld Bewilligung“. Der Kontakt ist identisch zur Sozialhilfe.

Diejenigen, die aktuell zwischen September und Dezember Wohngeld beziehen, sollen spätestens Anfang 2023 einen Heizkostenzuschuss erhalten. Alleinlebende bekommen dabei laut Mitteilung des Celler Kreisverbands im Sozialverband Deutschland (SoVD) 415 Euro, ein Zwei-Personen-Haushalt 540, für jede weitere Person sind es zusätzlich 100 Euro. Für Studenten und Auszubildende gibt es 345 Euro. Ein Extra-Antrag ist dem SoVD zufolge nicht nötig.

Bei Finanzproblemen: SVO bietet Ratenzahlung an

Wer bei der SVO in Zahlungsverzug gerät und gemahnt wird, hat "ausreichend Zeit", die Summe zu begleichen. Geschieht das nicht, hat das Unternehmen die gesetzliche Möglichkeit, eine Sperrankündigung auszusprechen, die letztlich zum Abbruch der Energieversorgung führen kann. Eine Stundung von Abschlägen ist beim Celler Grundversorger nicht möglich, Verbraucher können über das Kundenportal aber Ratenzahlungen beantragen (im Bereich „Kontakt“ auf der SVO-Seite).

Energie: Regierung plant Preisdeckel und Einmal-Entlastung

Das Entlastungspaket des Bundes beinhaltet Energiepreis-Bremsen. Beim Strom soll dieser „Deckel“ dem Vernehmen nach spätestens im Januar kommen, für Gas dann im März. „Zufallsgewinne“ von Erzeugern sollen abgeschöpft, mit den zugewonnenen Mitteln dann ein vergünstigter Basisverbrauch für die Menschen ermöglicht werden. Weiter bestehen bleiben soll darüber hinaus aber in jedem Fall der Anreiz zum Energiesparen.

Für Gas- wie auch Fernwärmekunden plant die Regierung als „Überbrückung“ eine einmalige Entlastung in vollständiger Höhe des Dezember-Kostenabschlags. Umgesetzt werden soll dies, nach finalem Beschluss durch den Bundestag, über den jeweiligen Versorger.