Eltern verärgert

Kita-Frust im Kreis Celle wird immer größer

Kranke Erzieherinnen, unbesetzte Stellen: Wegen akutem Personalmangel schränken mehrere Kitas die Betreuungszeiten ein – zum Leidwesen berufstätiger Eltern.

  • Von Simon Ziegler
  • 23. Nov. 2022 | 18:09 Uhr
  • 23. Nov. 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 23. Nov. 2022 | 18:09 Uhr
  • 23. Nov. 2022
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Celle.

Viele Eltern sind sauer. "Es gibt großen Unmut", sagt Sandra Süß. Immer wieder seien in den vergangen Wochen und Monaten an der Kita Allerzwerge in Oldau die Betreuungszeiten eingeschränkt worden. "Manchmal von einem auf den anderen Tag", sagt die Mutter, die gemeinsam mit Mareike Matthies die Eltern der Ameisen-Gruppe vertritt. "Die Stimmung unter den Eltern ist gar nicht gut", bestätigt Matthies. "Seit anderthalb Jahren gibt es Probleme." Eine andere Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, spricht von einer "sehr frustrierenden Situation". Viele Eltern wüssten manchmal nicht mehr, wie sie ihre Kinder betreuen lassen sollen.

Ein Drittel der Mitarbeiter fehlt

Kita-Leiterin Nadine Bach äußert Verständnis für die Nöte der Eltern. Nur sind ihr die Hände gebunden. Von 23 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen seien in den vergangenen Tagen sechs bis neun ausgefallen, sagt sie. Alleine wegen Corona seien derzeit vier Kräfte krank geschrieben. Auch andere Infektionskrankheiten grassierten.

Notbremse in Hambühren

Hambührens Bürgermeister Carsten Kranz hat jetzt die Notbremse gezogen. In einem Brief informierte er die Eltern, dass die Personalsituation in den Kitas Allerzwerge in Oldau und Mittelstraße in Ovelgönne sehr angespannt sei. "In beiden Einrichtungen fehlen aufgrund von Krankheit und nicht besetzter Stellen ein Drittel bis zeitweise die Hälfte aller Betreuungskräfte", schreibt der Verwaltungschef. Er sei als Arbeitgeber verpflichtet, Erziehern und Erzieherinnen nach sechs Stunden eine Pause zu gewähren. Dann sei es aber nicht mehr möglich, dass wie vorgeschrieben zwei Fachkräfte bei den Kindern seien. Beide Kitas werden daher bis auf weiteres ab 14 Uhr und nicht wie sonst ab 16 Uhr geschlossen. Eine Notbetreuung sei eingerichtet worden.

Tausende Stellen bundesweit nicht besetzt

Es wirkt, als käme der lange bekannte Fachkräftemangel endgültig in den Kitas vor Ort an. Deutschlandweit sind tausende Stellen nicht besetzt. Nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung fehlen bis 2030 im ganzen Land 230.000 Erzieherinnen und Erzieher. Im Kreis Celle sind zuletzt einige neue Kindergärten gebaut worden, etwa in Adelheidsdorf oder in Wietze. Auch in Eicklingen und Langlingen gibt es neue Kitas. Bestehende Einrichtungen wie in Wathlingen werden erweitert. Nur wird es immer schwieriger, Personal zu finden. Erzieherinnen können sich ihren Arbeitgeber längst aussuchen.

Im Gespräch mit der CZ räumt Kranz "immense Probleme" in Hambühren ein, derzeit vor allem in Oldau. "Das ist für alle sehr frustrierend. Für die Eltern, für die Erzieher, für die Leitungen, für die Gemeinde. Und die Leidtragenden sind die Kinder", sagt er. Nicht nur kommunale, auch kirchliche Einrichtungen seien betroffen. Dieser Tage wurden nach seinen Angaben auch drei Gruppen der kirchlichen Einrichtung "Hummelnest" in Ovelgönne geschlossen.

Es knirscht auch bei "WinSlingen"

Und Hambühren ist keineswegs die einzige Gemeinde, in der es knirscht. Ein Vater, der seine Tochter bei den "WinSlingen" in Winsen untergebracht hat, berichtet von ganz ähnlichen Problemen. Immer wieder werde kurzfristig mitgeteilt, dass die Kinder früher abgeholt werden müssten, sagt er. Manchmal finde in einer Gruppe kein Frühdienst statt, während eine andere Gruppe ganz geschlossen bleibe. Oder die Betreuung ende bereits am Mittag. "Wir Eltern wissen manchmal nicht, was wir machen sollen. Es kommt vor, dass meine Frau unsere Tochter mit zur Arbeit nehmen muss", sagt er.

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Appell an Eltern

Winsens Bürgermeister Dirk Oelmann räumt die Schwierigkeiten ein. Grundsätzlich habe man ausreichend Personal in den kommunalen Kitas, allerdings sei die Einrichtung "WinSlinge" über die Maße von Krankheitsausfällen betroffen gewesen. "Das ebbt so langsam wieder ab", sagt er. Außerdem hätten drei Mitarbeiter die Einrichtung am Galgenberg verlassen. Es sei aber gelungen, neue Kräfte einzustellen. Allerdings bleibt die Lage offenbar angespannt. Erst gestern gab es wieder einen neuen Krankheitsfall, ist aus der Elternschaft zu hören. Der Bürgermeister appelliert an die Eltern, kranke und erkältete Kinder zuhause zu lassen, weil das sonst nur zu noch mehr Ausfällen führe. Oelmann: "Die gleichen Eltern, die kranke Kinder in die Kitas bringen, beschweren sich dann, wenn die Betreuungszeiten eingeschränkt werden."