Corona-Lage

Celler Mediziner für Ende der Maskenpflicht in Arztpraxen

Weiterhin sinnvoll oder angesichts sinkender Corona-Fälle nicht mehr zeitgemäß? Über ein Ende der Maskenpflicht in Arztpraxen ist eine Diskussion entbrannt. Celler Mediziner haben bei der Frage eine klare Tendenz.

  • Von Carsten Richter
  • 25. Jan. 2023 | 16:56 Uhr
  • 27. Jan. 2023
Maske auf für Ärzte und Patienten – diese Regelung gilt nach wie vor: Der Ovelgönner Arzt Dr. Samuel Baiduc, hier bei einer Corona-Impfaktion im Dezember 2021, spricht sich dafür aus, die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Arztpraxen auslaufen zu lassen. 
  • Von Carsten Richter
  • 25. Jan. 2023 | 16:56 Uhr
  • 27. Jan. 2023
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Celle.

In Supermärkten, beim Friseur und in anderen Geschäften ist sie längst nicht mehr erforderlich, zum 2. Februar fällt die Pflicht zum Tragen einer Maske auch im Fernverkehr der Bahn. Und nachdem einige Bundesländer bereits vorgelegt haben, hebt nun auch Niedersachsen ebenfalls zum 2. Februar die Maskenpflicht im Nahverkehr auf. Für Arztpraxen gilt diese Regelung derzeit noch nicht. Aber ist das angesichts niedriger Corona-Infektionszahlen überhaupt noch vertretbar? Darüber ist nun eine Diskussion unter Medizinern entbrannt.

„Die Menschen können überall ohne Maske hingehen, nur zu uns nicht.“

Dr. Samuel Baiduc, Allgemeinmediziner in Ovelgönne

Arzt aus Celler Westkreis wünscht sich mehr Entscheidungsfreiheit

Dr. Samuel Baiduc ist Allgemeinmediziner in Ovelgönne. In der Gemeinschaftspraxis ist eine klare Tendenz zu beobachten: „Die Lage hat sich insgesamt entspannt“, sagt Baiduc auf CZ-Anfrage. Er wünscht sich wieder mehr Entscheidungsfreiheit vom Land, das die Vorgaben macht. „Die Menschen können überall ohne Maske hingehen, nur zu uns nicht.“

Noch besteht in Arztpraxen eine gesetzliche Maskenpflicht.

Ärztekammer-Präsidentin findet Abschaffung "fahrlässig"

Ärztekammer-Präsidentin Martina Wenker hatte zuvor Kritik an dem Vorstoß geäußert, die Maskenpflicht in Arztpraxen abzuschaffen. In vollen Wartezimmern könnten Menschen am ehesten andere anstecken. Ein Ende der Schutzmaßnahmen nannte sie „mindestens fahrlässig“. Anders hatten sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung, der Deutsche Hausärzteverband und andere Branchenvertreter geäußert. Sie plädierten für ein Ende der Maskenpflicht.

Celler Mediziner: Maskenpflicht in Infektionssprechstunden beibehalten

Baiduc, der Hausarzt aus dem Westkreis, sagt, man müsse hier differenzieren. Wie viele Mediziner bietet auch das Team in Ovelgönne gesonderte Infektsprechstunden an. „Dafür würden wir die Maskenpflicht beibehalten“, betont er für den Fall einer Abschaffung. Für die „normalen“ Sprechstunden hingegen solle die Maskenpflicht fallen. Bislang wird hier nicht unterschieden: Ganz gleich, ob jemand mit einem gebrochenen Arm oder einer Erkältung kommt – der Mund-Nasen-Schutz muss beim Betreten der Praxis aufgesetzt werden. Das verstünden einige Patienten nicht. Viele kämen inzwischen ohne Maske – sie müssten dann auf die noch bestehende Pflicht hingewiesen werden, erklärt Baiduc.

Allgemeinmediziner Dr. Samuel Baiduc aus Ovelgönne.

Corona: Alte und kranke Menschen weiter schützen

Angesichts der aktuellen Entwicklung sei es an der Zeit, den Ärzten wieder mehr Eigenverantwortung zu überlassen. „Alte und kranke Menschen wollen wir weiter schützen“, betont Baiduc. Der Mediziner weist unter anderem auf die Reinigungsfilter hin, die in der Praxis für saubere Luft sorgten. Und bei Bedarf würden auch Masken verteilt. „Wir werden das weiter steuern“, versichert er.

Ärzte stellen „deutlich weniger Atemwegsinfektionen“ fest

„Grundsätzlich helfen Masken, Infektionen zu vermeiden“, sagt Dr. Ralf Aring, Celler Kreisstellensprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Als in Innenräumen konsequent ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden musste, habe es „deutlich weniger Atemwegsinfektionen“ gegeben. In den letzten Wochen des vergangenen Jahres war eine Krankheitswelle über das Land gerollt, die hohen Krankenstände hatten die Arztpraxen teilweise an ihr Limit gebracht. Das ist erst rund einen Monat her, und nun wird über ein Ende der Maskenpflicht diskutiert.

Dr. Ralf Aring, Celler Kreisstellensprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN).

Krankenhäuser wegen Corona nicht mehr überlastet

Tatsächlich aber gehen die Infektionszahlen zurück. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete vor wenigen Tagen, der Höhepunkt der Grippewelle sei überschritten. Entspannung auch in den Krankenhäusern: Es sind wieder mehr Intensivbetten frei. Durch Corona drohe keine Überlastung des Gesundheitssystems mehr, hieß es von der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

„Die Pandemie haben wir deutlich hinter uns.“

Dr. Ralf Aring, Celler Kreisstellensprecher der KVN

Celler Mediziner sieht Corona überstanden

„Die Pandemie haben wir deutlich hinter uns“, bestätigt Aring für den Kreis Celle. Daher spricht auch er sich, trotz aller Vorteile einer Maske, für ein Ende der Tragepflicht in Arztpraxen aus. Seine Kolleginnen und Kollegen könnten sich weiterhin durch freiwilliges Maskentragen schützen, so wie es Zahnärzte seit Jahrzehnten täten. „Wir tragen jede Entscheidung mit“, so Aring. Wichtig sei ihm, dass es bei dem Thema keinen Flickenteppich innerhalb Deutschlands gebe – wie etwa im Nahverkehr.

Landkreis Celle: "FFP2-Masken besonders in Arztpraxen sinnvoll"

Das Celler Kreis-Gesundheitsamt nennt FFP2-Masken „generell und besonders in Arztpraxis sinnvoll, mindestens in Wartebereichen, die voll sind mit Patientinnen und Patienten mit Symptomen einer Atemwegserkrankung“, so Kreissprecher Tore Harmening. „Ob dies noch auf der Grundlage einer Verordnung sein muss, ist angesichts der derzeitigen Corona-Situation eine andere Frage.“