Celler Feuerwehrleute

In ganz Europa im Einsatz gegen die Flammen

Das Land hat den Feuerwehren Celle, Bonstorf und Wietze Spezialfahrzeuge zur Verfügung gestellt. Die Wietzer kämpfen nun in Frankreich gegen die Waldbrände.

  • Von Christopher Menge
  • 12. Aug. 2022 | 17:00 Uhr
  • 12. Aug. 2022
  • Von Christopher Menge
  • 12. Aug. 2022 | 17:00 Uhr
  • 12. Aug. 2022
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Celle.

Bisher war die Feuerwehr Bonstorf mit ihrem neuen Tanklöschfahrzeug vom Typ „CCFM 3000“ bei Vegetationsbränden in Oldendorf und auf dem Truppenübungsplatz Munster im Einsatz – bald könnte die Bonstorfer auch bei der Brandbekämpfung in ganz Europa eingesetzt werden. Ihren ersten Auslandseinsatz haben derzeit nämlich schon die Kollegen aus Wietze, Celle und Wietzendorf, die neben Essel und der Feuerwehrtechnischen Zentrale Schneeheide zu der Einheit gehören. Am Mittwoch starteten das durch das Land Niedersachsen in Wietze stationierte Waldbrandtanklöschfahrzeug „CCFM 3000“ mit zwei Wietzer Feuerwehrleuten sowie ein weiteres CCFM 3000 aus Wietzendorf und ein Kommandowagen aus Celle in Richtung Frankreich. In Bonn schloss man sich einer GFFF-V (Ground forest fire fighting with Vehicles) Landeseinheit aus Nordrhein-Westfalen an. Jetzt wird in Frankreich gegen die Flammen gekämpft.

Feuerwehrleute aus Wietze in Frankreich im Einsatz

Unterstützt wurden die Spezialkräfte dabei von vier weiteren Feuerwehrleuten aus der Gemeinde Wietze, die Fahrzeuge und Material des Landesamtes für Brand- Katastrophenschutz nach Bonn überführten. Bis Sonntag, 21. August, sollen die Feuerwehrleute aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen im Einsatz in der französischen Region Gironde bleiben.

Südlich von Bordeaux waren nach rund zwei Wochen erneut starke Brände ausgebrochen, es gibt den Verdacht der Brandstiftung. Wie die Präfektur am Donnerstag mitteilte, kämpfen rund 1100 Einsatzkräfte gegen die Flammen, 10.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. 6800 Hektar Fläche wurden von den Flammen zerstört.

In Bonstorf üben derweilen die zwölf für das Fahrzeug extra ausgebildeten Feuerwehrleute mit dem neuen Gefährt, einmal pro Monat findet zudem eine Übung mit der gesamten Einheit statt.

Bonstorf erhält Tanklöschfahrzeug vom Typ „CCFM 3000“

„Das Fahrzeug ist für die Kommune ein 100-prozentiger Gewinn“, sagt Ortsbrandmeister Matthias Adam. Dabei erwies sich die unbefriedigende Situation, dass die Bonstorfer seit 2002 nur ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit sechs Plätzen für die 53 Mitglieder der Feuerwehr zur Verfügung hatten, nun als Glücksfall. Weil im Feuerwehrhaus an der Berger Straße ein Stellplatz frei war, bekamen die Bonstorfer das rund 450.000 Euro teure Spezialfahrzeug vom Land Niedersachsen.

Zuvor mussten die Feuerwehrleute allerdings besondere Anforderungen erfüllen. Zum einen müssen alle Mitglieder der Einheit Atemschutzgeräteträger sein, zum anderen mussten sie Grundkenntnisse in Englisch vorweisen und vom Arbeitgeber eine Bescheinigung vorlegen, dass sie für längerfristige Einsätze zur Verfügung stehen – beispielsweise im Ausland.

3000-Liter-Tank im CCFM 3000

Geübt wird heute aber am Siebenarm. Henrik Lange steuert den Monitor, um ein virtuelles Feuer am Waldrand zu löschen. „1000 Liter können pro Minute auf die Stelle gebracht werden“, erklärt Adam. Da der 3000-Liter-Tank dann aber nach drei Minuten leer wäre, wird im Löschalltag mehr auf die verschiedenen Schläuche gesetzt.

Feuerlöschkreiselpumpe mit Pump & Roll-Möglichkeit

Im offenen Heck ist eine Feuerlöschkreiselpumpe 10-2000 mit Pump & Roll-Möglichkeit montiert. Auch eine Druckzumischanlage (48 Liter/Minute) ist an Bord. Löschmittel kann über eine 60-Meter-Schnellangriffshaspel, eine 120-Meter-Langdinstanzhaspel und einen elektrisch gesteuerten Frontmonitor abgegeben werden. Zur Ausstattung des CCFM 3000 zählen außerdem manuelle Reifendruckregelung, Kamerasystem mit Rundumüberwachung, Klimaanlage, thermischer und mechanischer Schutz für Leitungen und Schläuche, Rollover-Protection-System, Selbstschutzanlage mit separatem Wassertank (500 Liter) und separater Pumpe sowie Selbstschutzsystem zur Überwachung relevanter Daten. Die Beladung enthält neben Schlauchmaterial und Armaturen unter anderem Löschrucksäcke, eine Motorkettensäge und eine Wärmebildkamera. Auch eine Wetterstation ist in das Fahrzeug integriert.

Vegetationsbrände werden nicht nur mit Wasser und Schaum bekämpft

Da es bei der Bekämpfung von Vegetationsbränden nicht nur um das klassische Löschen mit Wasser und Schaum geht, sondern auch darum, dem Feuer den Weg abzuschneiden, gehören auch Handgeräte wie Axt, Schaufel und Hacke zum Zubehör des Fahrzeuges. „Wir mussten auch einen Fitnesstest bestreiten“, berichtet Adam, der von hervorragenden Übungsmöglichkeiten in der Heide spricht. Aber auch von einer außerordentlichen Brandgefahr wegen der extremen Trockenheit.

Klimawandel: Pistorius rechnet mit mehr Waldbränden

Derzeit warten die Feuerwehrleute noch auf die passende Schutzausrüstung, bisher sind nur die Helme geliefert worden. Dann sind sie einsatzbereit – egal, wo sie in Europa gebraucht werden. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) rechnet damit, dass solche Einsätze infolge des Klimawandels immer häufiger werden. „Dieser Sommer zeigt dramatisch, dass wir Wald- und Vegetationsbrände besser und effizienter mit einem gemeinsamen europäischen Ansatz bekämpfen können“, so der Innenminister.