Bericht liegt vor

Puma-Desaster lag nicht an Rheinmetall

Die Verantwortung am Puma-Desaster trägt die Bundeswehr, nicht die Industrie. So steht es in einem internen Bericht. Am Standort in Unterlüß hofft Rheinmetall auf das zweite Panzer-Los – es könnte aber kleiner ausfallen als angenommen.

  • Von Simon Ziegler
  • 24. Jan. 2023 | 17:46 Uhr
  • 25. Jan. 2023
Die Bundeswehr will am Puma festhalten. Doch im Zusammenspiel zwischen Nutzer und Industrie hat es zuletzt erhebliche Probleme gegeben.
  • Von Simon Ziegler
  • 24. Jan. 2023 | 17:46 Uhr
  • 25. Jan. 2023
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Verteidigungsexperte Henning Otte (links) mit dem neuen Verteidigungsminister Boris Pistorius, hier bei einem Besuch in Scheuen im Juli 2022.
Celle.

Der Bericht kommt zu einem wenig schmeichelhaften Ergebnis für die Truppe: Nicht die Industrie war für den Puma-Totalausfall verantwortlich, sondern die Bundeswehr selbst. "Die ehemalige Ministerin Christine Lambrecht lag bei ihrer Suche nach Schuldigen komplett daneben. Sie hat ohne klares Lagebild die Industrie beschuldigt", sagt der Celler CDU-Verteidigungsexperte Henning Otte.

"Blamage für Deutschland"

Lambrecht (SPD) ist als Ministerin Geschichte, doch die Aufklärung des Puma-Desasters geht weiter. Otte spricht von einer "Blamage für Deutschland". Diese hätte nach seinen Worten vermieden werden können, wenn besser "am Gerät ausgebildet" worden wäre. "Außerdem gab es zu wenig Instandsetzungskapazität vor Ort", urteilt Otte. Er moniert zudem, dass die Puma-Probleme zu spät gemeldet worden seien – und dann auch noch in der Öffentlichkeit gelandet sind. Bei einer Übung in Munster waren alle 18 hochmodernen Schützenpanzer ausgefallen.

Bei Rheinmetall in Unterlüß arbeiten derzeit rund 2200 Menschen. 

Seit Montag liegt den Mitgliedern des Verteidigungsausschusses ein vertraulicher Bericht zum Puma vor. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" schreibt, dass der Analyse zufolge die Truppe "der Aufgabe nicht mehr gewachsen war". So heißt es: "Im Ergebnis trugen fehlende Erfahrung der Bediener im Umgang mit dem Gerät, Defizite in der logistischen Unterstützung durch die militärischen Instandsetzungskräfte und das Unterbleiben einer verstärkten Einbindung von Industrieteams" dazu bei, dass am Ende der Übung alle Pumas nicht mehr einsatzbereit gewesen seien. Am Erstellen des Berichts waren die Truppe, Heeresinstandsetzung, die Industrie und das Ministerium beteiligt.

17 von 18 Panzern sind repariert

Inzwischen sind 17 der 18 ausgefallenen Schützenpanzer wieder repariert. Sie sollen nach und nach wieder in die Nato-Truppe integriert werden. Der Bericht listet 13 kleinere, 21 mittlere und einen schwerwiegenden Schaden auf. Als schwerer Schaden wird der Schwelbrand an einem Kabelbaum eingestuft, der mit Pulver gelöscht worden sein soll. Das habe zur Folge, dass der Panzer in Teilen auseinandergebaut werden muss, um das Löschpulver zu entfernen.

Strafanzeige gestellt

Genau wie das Puma-Desaster beschäftigt die Truppe auch die Frage, wie das Thema in der Öffentlichkeit gelandet ist. "Ein Abfluss ins öffentliche Netz konnte nicht nachvollzogen werden", heißt es dem "Spiegel" zufolge im Bundeswehr-Deutsch. Es soll Strafanzeige erstattet werden.

Während die Bundeswehr den Informanten sucht, sind die Aussichten für den Rüstungskonzern Rheinmetall wieder deutlich besser als noch im Dezember, als Lambrecht das zweite Puma-Los infrage gestellt hatte. "Wir begrüßen es, wenn bei der Bundeswehr weiterhin Vertrauen in den Puma besteht. Der Puma ist der beste Schützenpanzer der Welt und setzt in puncto Schutz, Mobilität und Kampfkraft neue Maßstäbe", sagt Rheinmetall-Sprecher Oliver Hoffmann. Es sei eine gute Nachricht, dass nun Klarheit darüber herrsche, wo es im Zusammenspiel zwischen Nutzer und Industrie Verbesserungsbedarf gebe. Wann die Verträge für das zweite Puma-Los unterzeichnet werden, ist nicht bekannt. "Es obliegt der Politik, nun die erforderlichen Entscheidungen zu treffen, was das zweite Los angeht."

Fällt zweites Puma-Los kleiner aus?

Dieses wird dem Vernehmen nach aber nicht mehr 111 Schützenpanzer umfassen, wie es noch im Sommer hieß. Es soll noch um rund 50 neue Pumas gehen, berichtet Henning Otte. "Das hat aber nichts mit den jüngsten Puma-Ausfällen zu tun. Es geht um strategische Überlegungen. Der Inspekteur des Heeres beabsichtigt, verstärkt auf Radschützenpanzer zu setzen", so der CDU-Politiker. Der Puma ist ein Kettenfahrzeug. Aus informierten Kreisen ist zu hören, dass an einem Rahmenvertrag gearbeitet wird. Das heißt: Es soll an den 111 Panzern festgehalten werden, im ersten Schritt könnte es aber erstmal auf 50 hinauslaufen.

200 Mitarbeiter im Puma-Team

Bei Rheinmetall in Unterlüß sind 2200 Mitarbeiter beschäftigt. Gut 200 von ihnen arbeiten derzeit im Puma-Team. Mit dem zweiten Panzer-Los dürfte es wieder auf über 300 aufgestockt werden.