Althusmann zu Besuch

Das sind die Rheinmetall-Pläne in Unterlüß

Beim Besuch von Bernd Althusmann hat Rheinmetall-Chef Armin Papperger mehrere Neuigkeiten für Unterlüß präsentiert. Zuvor war der Minister auch in Nienhagen.

  • Von Christopher Menge
  • 14. Juli 2022 | 17:55 Uhr
  • 14. Juli 2022
Rheinmetall-Chef Armin Papperger (rechts) informiert Bernd Althusmann (links) über die neusten Pläne des Rüstungskonzerns. Unter anderem wurde der neue Kampfpanzer Panther (im Hintergrund) in Unterlüß entwickelt.
  • Von Christopher Menge
  • 14. Juli 2022 | 17:55 Uhr
  • 14. Juli 2022
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Micon-Chef Christian Jürgens (rechts) zeigt Wirtschaftsminister Bernd Althusmann ein Vertikalbohrsystem.
Celle.

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) war beeindruckt. Das betonte er mehrfach beim Besuch am Rheinmetall-Standort Unterlüß. "Sie haben ja eine neue Nachricht nach der anderen", sagte Althusmann in Richtung Armin Papperger, dem Vorstandsvorsitzenden der Rheinmetall AG. In der Tat hatte der Chef des Rüstungskonzerns zuvor einige Neuigkeiten präsentiert – das zweite Puma-Los ist beschlossen, Rheinmetall baut in Hohenrieth und Hermannsburg hochmoderne Rechenzentren und der Standort Unterlüß soll schon 2025 CO2-Neutral sein, zehn Jahre später dann das ganze Unternehmen.

Althusmann: Rüstungsindustrie hat ganzen neuen Stellenwert

"In diesen Zeiten hat die Rüstungsindustrie einen ganz neuen Stellenwert", sagte der Minister. Lange Zeit habe man einen Krieg in Europa für nahezu unmöglich gehalten, doch seit der Annexion der Krim und spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sei klar, dass kriegerische Auseinandersetzungen in Europa möglich seien. "Die Landes- und Bündnisverteidigung wird in den Fokus rücken", sagte Althusmann. Die Bundeswehr müsse gestärkt werden.

Rheinmetall beschäftigt 2100 Mitarbeiter in Unterlüß

Der Minister betonte aber auch den Stellenwert von Rheinmetall für den niedersächsischen Arbeitsmarkt. Nicht nur, dass über 2500 Mitarbeiter an den Standorten Unterlüß (etwa 2100 Mitarbeiter) und Papenburg für den Konzern arbeiten, die Zulieferindustrie sei abhängig von Rheinmetall. "Das kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden", so Althusmann.

Zweites Puma-Los: Vertrag soll im September unterschrieben sein

Papperger berichtete, dass das zweite Puma-Los vom Bundesministerium beschlossen worden sei. Es umfasse 111 Panzer. Nun würden die Verhandlungen beginnen. "Ich gehe davon aus, dass der Vertrag im September unterschrieben wird", sagte der Rheinmetall-Chef. Der Puma wird in Unterlüß gefertigt. Präsentiert wurde bei dem Termin auch das "neueste Baby", wie Papperger zu dem Kampfpanzer Panter sagte. Neben einem besseren Schutz und mehr Feuerpower durch die 130-Millimeter-Hauptwaffe ist der Panzer vollständig digitalisiert. "Jedes Fahrzeug weiß, welcher Panzer gerade die beste Position hat", erklärte der Rheinmetall-Chef.

Rheinmetall setzt Marder-Panzer in Unterlüß instand

Bis September will der Konzern am Standort Unterlüß – zunächst auf eigenes Risiko – auch 30 Marder instand setzen, die für einen Ringtausch vorgesehen sind und somit möglicherweise in der Ukraine zum Einsatz kommen könnten. Die Rechenzentren in Hohenrieth und Hermannsburg werden gebaut, weil sich Rheinmetall eine eigene Cloud schaffen will. "Damit schaffen wir weitere Arbeitsplätze im IT-Bereich", erklärte Papperger. Mit Blick auf den geplanten Wachstum des Rüstungskonzerns sagte er, dass es bald mehr Mitarbeiter bei Rheinmetall geben könnte, als Unterlüß Einwohner hat. Derzeit leben in dem Ortsteil der Gemeinde Südheide knapp 3500 Menschen.

Althusmann besucht Micon-Gruppe in Nienhagen

Besuch bei Micon-Gruppe in Nienhagen: Zuvor hatte Althusmann der Micon-Gruppe in Nienhagen einen Besuch abgestattet. Der mittelständische Betrieb hat 90 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von rund 27 Millionen Euro. Inhaber Christian Jürgens und Geschäftsführer Matthias Wilkening führten durch die Hallen im Nienhäger Gewerbegebiet. Das Unternehmen ist auf die Produktion und Wartung hochwertiger Bohrausrüstung spezialisiert. Die Micon-Gruppe vertreibt weltweit bohrtechnische Ausrüstung, etwa in den USA, Australien und Kanada. Geräte der Firma kamen in der Vergangenheit etwa beim Bau des Gotthard-Basistunnels in der Schweiz zum Einsatz.

In Nienhagen werden Spezialwerkzeuge hergestellt

Kern der Unternehmensgruppe ist der Bereich Micon Mining and Construction Products. Die Nienhäger stellen Spezialwerkzeuge her, etwa Geräte, die unter hohen Temperaturen Bohrungen bis weit unter 1000 Meter in die Erde bringen. Die Micon-Systeme kommen auch im Bereich Geothermie zum Einsatz. Bei dem Unternehmen, das sein Vater 1994 gegründet hat, seien neue Projekte geplant, sagte Jürgens. "Wir wollen in den kommenden fünf Jahren weiter wachsen."

Energiekrise: Im Herbst soll es ernst werden

An der Energiekrise kam der Wirtschaftsminister beim Besuch in Nienhagen nicht vorbei. Derzeit seien die Gasspeicher in Deutschland zu 62 Prozent gefüllt, so Althusmann. "Im Herbst wird es ernst. Wenn wir dann keine 90 Prozent erreichen, werden die Gaskapazitäten spätestens im Februar/Anfang März auf null sein", sagte er. Die Situation sei sehr angespannt. "Wir müssen sparen. Niemand kann den Gasnotstand ausschließen", so der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl. Zugleich kritisierte er die Ampel-Regierung in Berlin. Die gesetzgeberische Voraussetzung, um auf Kohle umzustellen, komme viel zu spät.