Ärger um neue Richtlinie

Celler Schwimmmeister sorgen sich um Sicherheit

Darf künftig jeder, der schwimmen kann, Badeaufsicht führen? Eine neue Richtlinie lässt diesen Schluss zu. Darum äußern Celler Schwimmmeister ihren Unmut.
  • Von Carsten Richter
  • 02. Aug. 2022 | 13:02 Uhr
  • 05. Aug. 2022
  • Von Carsten Richter
  • 02. Aug. 2022 | 13:02 Uhr
  • 05. Aug. 2022
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Celle.

Prävention ist ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit von Christine Fleger. "Ich schaue, ob Kinder sicher schwimmen können. Wenn nicht, gehe ich zu den Eltern", erzählt die 58-Jährige, die als Schwimmmeisterin im Freibad Eschede beschäftigt ist und die Oberaufsicht über alles hat. Für Sicherheit zu sorgen, gehört zu ihren Kernaufgaben. Sie muss hellwach sein, ihre Augen theoretisch überall haben. Erst kürzlich musste sie ein Kind vor dem Ertrinken retten. "Der Vater war gerade auf der Toilette", sagt Fleger im CZ-Gespräch. Dabei ist es mit der Badeaufsicht allein nicht getan.

Celler Schwimmmeister sorgen sich um Sicherheit

Fleger ist eine Allrounderin, muss die Technik und die Wasserqualität genauso kontrollieren wie die Spielgeräte und die Umkleiden. Es leuchtet ein, dass das niemand allein leisten kann. "Eine Fachkraft vor Ort war immer Pflicht", sagt die Eschederin. Genau diese Vorgabe soll laut einem Entwurf der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) geändert werden. Fleger und ihre Kollegen sorgen sich um die Sicherheit – und um die Anerkennung ihres Berufsstandes.

Bundesverband Deutscher Schwimmmeister erhebt Einspruch

In dem Entwurf heißt es unter anderem: "Die Organisation der Wasseraufsicht muss durch Fachkräfte erfolgen, sie kann auch durch andere Personen übernommen werden, wenn diese aufgrund ihrer Aus- und Fortbildung in der Lage sind, die Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Befugnisse in gleicher Weise wie eine Fachkraft wahrzunehmen." Genau dies kritisiert der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister (BDS). Eine Arbeitsgruppe hat Einsprüche formuliert. Bis Sonntag können diese bei der DGfdB eingereicht werden.

Auch Schwimmmeisterin aus Eschede ist verärgert

Auch Christine Fleger hat Einspruch erhoben. Vieles ist ihr nicht klar genug formuliert, etwa wie die anerkannten Aus- und Fortbildungen definiert sind. Weiterer Kritikpunkt: Eine kombinierte Rettungsübung soll künftig als Nachweis ausreichen, um Menschen vor dem Ertrinken retten zu dürfen. "Jetzt kann jeder Wasseraufsicht machen, der schwimmen kann", sagt BDS-Vizepräsident Mario Schaeffler dem NDR. Auch Fleger sieht das so: "Rettungsschwimmer haben eine höhere Qualifikation, da sie das Rettungsschwimmabzeichen Silber besitzen."

"Fachkraft muss sofort greifbar sein"

Laut der neuen Richtlinie darf eine Badeaufsicht eingesetzt werden, wenn diese "unter der 'Leitung und Aufsicht' durch eine Fachkraft steht". Die Fachkraft müsse aber nicht zeitgleich anwesend sein, heißt es weiter. Fleger widerspricht: "Im Notfall ist ein schnelles und überlegtes Handeln dringend erforderlich, dieses kann man nicht durch Erklärungen und Einweisungen erreichen, hier muss die Fachkraft sofort greifbar sein."

Froh über Rettungsschwimmer als Ergänzung

In Eschede arbeiten Rettungsschwimmer nie allein, das soll auch so bleiben, sagt Fleger. Erhard Thölke sieht das ähnlich. Der Vorsitzende des Fördervereins Waldbad Hohne-Spechtshorn betont, er sei froh, mehrere Rettungsschwimmer auf der Anlage zu haben – als Ergänzung. "Sonst wäre eine Schwimmausbildung für Kinder wie jetzt in den Ferien nicht möglich." Darum kümmert sich Marcel Nerger, Fachangestellter für Bäderbetriebe. Das heißt aber auch: In dieser Zeit kann sich Nerger nicht um andere Badegäste kümmern, daher sind die Rettungsschwimmer enorm wichtig. Aber: "Wir brauchen ausgebildete Fachleute", sagt Thölke. Der Förderverein kofinanziert deshalb die Ausbildung zum Schwimmmeister. "Es geht nicht nur ums Retten, sondern auch um soziales Verhalten im Umgang mit Kindern", so der Vereinsvorsitzende.

War Ausbildung zum Schwimmmeister umsonst?

Christine Fleger hat 1981 ihre Ausbildung als Schwimmmeistergehilfin begonnen. Mit der neuen Richtlinie fragt sie sich, wozu sie das gemacht hat. Zugleich warnen Organisationen wie die DLRG und das DRK vor einem Mangel an Schwimmmeistern. Deshalb verstärkt auf weniger qualifiziertes Personal zu setzen, ist für sie und ihre Berufskollegen aber keine Lösung.