Feldwege sind belastet

Bröckel spürt Folgen der gesperrten Bundesstraße

Die B 214 ist seit einem Monat gesperrt. Viele Fahrer nehmen aber nicht die Umleitung, sondern nutzen die Feldwege. Das bleibt in Bröckel nicht ohne Folgen.
  • Von Carsten Richter
  • 05. Aug. 2022 | 13:00 Uhr
  • 05. Aug. 2022
  • Von Carsten Richter
  • 05. Aug. 2022 | 13:00 Uhr
  • 05. Aug. 2022
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Bröckel.

Schon seit rund einem Monat ist die Bundesstraße 214 zwischen Eicklingen und Ohof gesperrt, bis voraussichtlich 14. August wird die Sanierung des Abschnitts noch dauern. Autofahrer sollen eine weiträumige Umleitung über Wathlingen, Hänigsen und Uetze nutzen. Wesentlich kürzer sind da die Schleichwege durch die Feldmark. Viele Autofahrer, auch Auswärtige, versuchen denn auch über die Wirtschaftswege zu ihrem Ziel zu kommen. Folge: An der Hauptstraße in Bröckel, aber auch im Bereich der Siedlungsstraßen herrscht viel Verkehr. Auffallend viele Fahrzeuge mit auswärtigem Kennzeichen sind im Ort anzutreffen. Folgen hat die Sperrung auch in Eicklingen.

Auswärtige Autofahrer irren durch Bröckel

Ein Vormittag in der vergangenen Woche: "Entschuldigung, wie kommt man denn von hier nach Uetze, also zur B188?", fragt an der Hauptstraße die Beifahrerin eines Autos mit Quedlinburger Kennzeichen. Die Kreisstraße in die Nachbargemeinde ist ganz normal befahrbar, für Ortsfremde aber ist das aufgrund der Beschilderung im Ort nicht so leicht herauszufinden. Die Schilder, die in Richtung Braunschweig beziehungsweise Celle weisen, sind wegen der Sperrung der Bundesstraße mit einem roten Kreuz markiert.

Bürgermeister kritisiert Verhalten der Autofahrer

Die teils unzureichende und verwirrende Beschilderung ist die eine Sache. Die andere ist das Verhalten der Autofahrer. "Das Hauptproblem ist die nicht vorhandene Disziplin einiger Fahrer", sagt Bröckels Bürgermeister Hans-Hinrik Berkhan. Gerade auswärtige Fahrer, darunter auch Lastwagen, hielten sich nicht an die Beschilderung und die offizielle Umleitung – und nähmen verbotenerweise die Feldwege. "Wenn sich alle an die Vorgaben hielten, wäre die Situation besser", meint Berkhan.

Anwohner ärgern sich über viel Verkehr auf Wirtschaftswegen

Stattdessen seien viele Autofahrer rücksichtslos unterwegs. Das beklagen auch Anwohner gegenüber der CZ. "Die Situation ist gruselig. Die Feldwege gleichen derzeit einer Autobahn", sagt die 45-jährige Sandra Pieper, die an der Hauptstraße wohnt. Auswärtige Autofahrer, die orientierungslos durch den Ort fahren und eine Möglichkeit zu wenden suchen, sind ein vertrauter Anblick geworden. Eine 80-jährige Bröckelerin wiederum erzählt, sie traue sich derzeit nicht, in der Feldmark Rad zu fahren. "Das ist schlimm. Manche Autos fahren gar nicht zur Seite", sagt sie.

Gemeinde Bröckel stellt Verbotsschilder auf

Die Gemeinde hat bereits vor zwei Wochen reagiert und zum Beispiel an der Bahnhofstraße und Auf der Westerheide Schilder aufgestellt mit dem Hinweis auf Durchfahrtsverbot für Lastwagen – Anlieger beziehungsweise land- und forstwirtschaftlicher Verkehr sind davon ausgenommen. Längst nicht jeder Fahrer hält sich daran. "Ein Verstoß gegen Durchfahrtsverbote kann mit einem Verwarngeld in Höhe von 50 bis 55 Euro (je nach Fahrzeugart) geahndet werden", teilt Landkreis-Sprecher Lukas Kloth mit.

Durchfahrt durch Bröckel möglich: Schilder sorgen für Irritation

Viel Verkehr in Bröckel auf der einen Seite, eine gewisse Abgeschnittenheit auf der anderen Seite: In Wiedenrode und in Uetze waren beziehungsweise sind Schilder in Fahrtrichtung Bröckel aufgestellt mit dem Hinweis: "Durchfahrt verboten" und "Sackgasse". Für den Bröckeler Heinrich Oelker macht das keinen Sinn: "Wer denkt sich sowas aus? Wieso werden ohne irgendeine Ankündigung die letzten beiden normal befahrbaren Straßen abgeriegelt, ohne dass dafür der geringste Anlass besteht?" Schließlich sei ja die Durchfahrt durch Bröckel problemlos möglich. Durch das Verbot würden Auto- und Lkw-Fahrer erst recht auf die Wirtschaftswege ausweichen.

B 214 bei Bröckel seit rund vier Wochen gesperrt

Kloth zufolge hat der Landkreis weder die Sperrung angeordnet noch die Schilder aufgestellt. Eine Anfrage an die für die Sanierung der B 214 zuständige Straßenbaubehörde in Verden blieb bislang unbeantwortet. Inzwischen wurde die Situation entschärft: Die Verbotsschilder bei Wiedenrode hat die Kreisstraßenmeisterei entfernt, bei Uetze weist ein kleiner handschriftlicher Hinweis auf die freie Fahrt bis Bröckel hin.