Weniger Gemüse-Düngung

In Bergen gibt es Blattloses für die Umwelt

Das E-Center Bergen macht beim Projekt "Review" der Landwirtschaftskammer mit. Im Angebot ist nun etwa weniger Stickstoff-gedüngter, somit blattloser Kohlrabi
  • Von Marius Klingemann
  • 05. Juli 2022 | 07:00 Uhr
  • 05. Juli 2022
  • Von Marius Klingemann
  • 05. Juli 2022 | 07:00 Uhr
  • 05. Juli 2022
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Bergen.

Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil des beruflichen Alltags von Olga Hirschberg. "Manche Dinge muss man den Kunden erklären", sagt die Leiterin des Berger E-Centers. Aktuell geht es dabei insbesondere um Salatköpfe, die etwas kleiner daherkommen als gewohnt, oder – offenbar besonders auffällig – Kohlrabi ohne Blattwerk.

"Es schmeckt alles genauso gut wie immer", gibt Hirschberg schon mal Entwarnung. Und das, was hier den wesentlichen Unterschied macht, spielt sich ohnehin schon ab, bevor das Grünzeug in der Supermarkt-Auslage und schließlich der Salatschüssel landet. Neben den genannten Gemüsesorten bietet das Team seit Anfang Juni nämlich auch Blumenkohl und Brokkoli an, der zuvor auf dem Feld weniger gedüngt wurde als zumeist üblich. Daher ist der Berger Kohlrabi nun blattlos, Salat und Co. ein Stück kleiner.

"Zum Teil Luxus": Projekt für weniger Düngung bei Gemüse

"Ziel ist, die Stickstoffemissionen im Anbau durch reduzierte Düngung zu senken und dennoch Gemüse zu produzieren, das die Qualitätsanforderungen der gesetzlichen Vermarktungsnormen erfüllt und am Markt akzeptiert wird", heißt es seitens der Landwirtschaftskammer Niedersachsen dazu. Diese hat das Projekt "Review" ins Leben gerufen, an dem sich zwei Anbaubetriebe sowie knapp 40 Märkte im Land beteiligen – so auch in Bergen.

Das Motto bei vielen Kunden laute nach wie vor "Je größer, desto besser", sagt E-Center-Chefin Hirschberg. Dabei seien Stickstoff-Düngungen auf dem Feld zum Teil nur Luxus: "Beim Kohlrabi geht es beim letzten Durchgang etwa nur darum, dass er Blätter bildet" – die dann aber als erster Schritt, manchmal noch vor dem Bezahlen, abgerissen würden. Und einen besonders großen Salatkopf, so Hirschberg, "schafft man häufig doch gar nicht". Das wiederum verursache Müll, der nicht selten auch noch in der falschen Tonne lande.

Düngereduziertes Gemüse in Bergen: "Leute sehen Mehrwert"

Blumenkohl, Brokkoli, Eisbergsalat und Kohlrabi sind laut Landwirtschaftskammer „die vier flächenmäßig bedeutsamen Gemüsearten" in Niedersachsen, nehmen zusammen fast 3000 Hektar in Anspruch. "Wir untersuchen nun, ob und inwieweit sich eine um jeweils 20 Prozent reduzierte Düngung auf die Produktqualität und den Ertrag auswirkt", erklärt Projektbeauftragter Hendrik Führs auf CZ-Nachfrage.

In Kooperation mit der Hochschule Osnabrück ist "Review" auf zunächst drei Jahre (bis November 2023) angelegt, danach wollen die Beteiligten "über weitere Vorgehensweisen" sprechen. Die Kunden können sich vor Ort informieren – Olga Hirschberg: "Die Leute, die sich bei uns mit dem Thema beschäftigen, sehen dann auch den Mehrwert." Das gelte nicht zuletzt beim Umwelt-Aspekt. Zudem erfülle das düngereduzierte Gemüse weiterhin die gesetzlichen Anforderungen der Klasse 1.