Wahlkreis Bergen

Jörn Schepelmann (CDU) verteidigt Direktmandat

Jörn Schepelmann bleibt im Landtag, sein Sieg zeichnete sich früh ab. Ros-Marie Siemsglüß (SPD) hatte keine Chance. AfD, Gründ und FDP legen teilweise deutlich zu. Eindrücke mit Reaktionen vom Abend im Wahlkreis Bergen.

  • Von Simon Ziegler
  • 09. Okt. 2022 | 22:25 Uhr
  • 12. Okt. 2022
Er bleibt im Landtag: Jörn Schepelmann. 
  • Von Simon Ziegler
  • 09. Okt. 2022 | 22:25 Uhr
  • 12. Okt. 2022
Anzeige
Wahlsieger Schepelmann lässt den Wahlabend zu Hause in Eicklingen ausklingen.
Bergen.

Für ihn war es ein vergleichsweise entspannter Wahlabend. CDU-Kandidat Jörn Schepelmann war im Wahlkreis Bergen der klare Favorit im Rennen um das Direktmandat, auch wenn er das im Wahlkampf so nicht hören wollte. Als am Sonntag gegen 18.30 Uhr die ersten Ergebnisse eintrudelten, deutete sich an, dass Schepelmann dieser Rolle gerecht werden würde.

Sie macht gute Miene zum enttäuschenden Ergebnis: Ros-Marie Siemsglüß.

Der Landtagsabgeordnete hatte den Wahlabend gemeinsam mit dem Celler CDU-Bewerber Alexander Wille in der Geschäftsstelle am Südwall verbracht. Dort war die Stimmung nach der ersten Hochrechnung äußerst verhalten. Rund 30 Parteifreunde verfolgten auf einer Leinwand die CDU-Niederlage im Land. "Ich hoffe, dass die FDP reinkommt und Rot-Grün verhindert wird. Für unsere beiden Wahlkreise habe ich aber Hoffnung", sagte der Winser Kreistagspolitiker Burkhardt Hoppenstedt. Auch Landrat Axel Flader (CDU) war da. "Unser Landesvater erfreut sich der Beliebtheit der Niedersachsen. Die SPD hat ein gutes Ergebnis erzielt", sagte er in einer ersten Reaktion.

"Ich bin deutlich vorne, ich habe allen Grund, zufrieden zu sein. Die Tendenz geht klar dahin, dass ich gewonnen habe"

CDU-Landtagsabgeordneter Jörn Schepelmann

Stimmung in der CDU-Bude

Schepelmann bedauerte zwar das Gesamtergebnis seiner Partei, für sich selbst war er aber optimistisch. "Ich bin deutlich vorne, ich habe allen Grund, zufrieden zu sein. Die Tendenz geht klar dahin, dass ich gewonnen habe", sagte der 36-Jährige gegen 19 Uhr, als rund ein Drittel der Wahllokale ausgezählt war. Ein Ergebnis nach dem anderen trudelte auf den Bildschirmen ein. Als Scharnhorst klar an Schepelmann ging, war das erste Mal Stimmung in der CDU-Bude.

Glücklich über ihr Ergebnis: Johanne Gerlach (Grüne). 

Während Wille im Wahlkreis Celle zittern musste, nahm der Eicklinger bereits die ersten Glückwünsche entgegen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Schepelmann im Vergleich zur Wahl von vor fünf Jahren deutliche Verluste hinnehmen musste. Darüber wollte sich Schepelmann gestern nicht ärgern. "Ich bin froh und dankbar über das Vertrauen, dass ich unseren Wahlkreis wieder in Hannover vertreten darf", sagte er. Den Abend ausklingen ließ der alte und neue Landtagsabgeordnete dann zu Hause auf seinem Hof in Eicklingen. Gemeinsam mit Freunden, Familie, Nachbarn und Unterstützern feierte der CDU-Kreis-Chef bei ein paar Bier den Wiedereinzug ins Leineschloss.

"Wenn man antritt, will man auch gewinnen. Ich denke, für den ersten Anlauf habe ich mich wacker geschlagen. Ich habe jedenfalls nach Kräften gekämpft."

SPD-Kandidatin Ros-Marie Siemsglüß

Enttäuschung bei Ros-Marie Siemsglüß

Katzenjammer dagegen bei SPD-Kandidatin Ros-Marie Siemsglüß. Die 51-jährige Sozialdemokratin hatte den Ausgang der Wahl mit Genossen, Freunden und Bekannten zu Hause in Bergen verfolgt. "Es ist schade, aber keine Schande", sagte sie zu ihrem Ergebnis von rund 24 Prozent. Sie verwies darauf, dass der Wahlkreis Bergen von der SPD noch nie gewonnen wurde. Trotzdem wäre sie bei den Erststimmen gerne näher am Sieger Schepelmann dran gewesen, wie sie einräumte. "Wenn man antritt, will man auch gewinnen. Ich denke, für den ersten Anlauf habe ich mich wacker geschlagen. Ich habe jedenfalls nach Kräften gekämpft", sagte Siemsglüß, die im Berger Stadtrat und im Celler Kreistag weiterhin Kommunalpolitik machen wird. Zugleich zeigte sie sich von dem starken AfD-Ergebnis erschrocken.

Deutlich besser war die Laune bei Grünen-Kandidatin Johanne Gerlach. "Vor zehn Monaten kannte mich niemand und jetzt haben wir das Erststimmen-Ergebnis verdoppelt. Ich freue mich wahnsinnig", sagte eine gelöste Bewerberin am Telefon. Das war eine Team-Leistung. Danke an alle, die den Weg mit mir gegangen sind." Eine große Party stand bei der Hermannsburgerin aber nicht mehr an. "Ich bringe jetzt die Kinder ins Bett und dann muss ich am Montag um 7 Uhr wieder in der Schule sein", so die Lehrerin des Christian-Gymnasiums.

Ins Landesparlament einziehen wird sie trotz ihres guten Ergebnisses aber genauso wenig wie Walter-Christoph Buhr. Der FDP-Mann verbrachte den Abend mit rund 70 Unterstützern und Bekannten im Alten Bahnhof in Diesten. "Es hätte schlechter laufen können. Mein Ergebnis ist besser als die Zweitstimmen der FDP", sagte Buhr. Auch das Erststimmen-Ergebnis lag über dem FDP-Wert im Jahr 2017. Buhr freute sich zudem über eine "gute persönliche Zustimmung", wie er sagte. Der 38-Jährige verwies darauf, dass er in dem einen oder anderen Wahllokal in Bergen vorne lag.

Brockmann verbringt Abend in Hannover

Neben Schepelmann wird auch Jens-Christoph Brockmann (AfD) den Landkreis Celle in den kommenden fünf Jahren in Hannover vertreten. Der 35-Jährige stand auf Listenplatz 3 seiner Partei und zieht wie erwartet ins Parlament ein. Den Abend verbrachte er auf der AfD-Wahlparty mit 200 Leuten in der Landeshauptstadt. "Im Mai standen wir noch bei fünf oder sechs Prozent. Das Ergebnis ist hervorragend", sagte Brockmann über die elf Prozent, die seine Partei bei den Zweitstimmen in Niedersachsen bekam. Bei den Erststimmen erhielt der Unterlüßer sogar 13,7 Prozent, mehr als die Kandidaten von Grünen und FDP.