Schutzgebiet Stammmoor

Bahntrasse: Wäre Brücke im Moor standfest?

Die Feuchtwiesen am Berger Bach sind für Tiere und Pflanzen ein wichtiger Lebensraum und daher besonders geschützt. Eigentümer Frank Dammann fürchtet große Auswirkungen, wenn hier eine Bahntrasse gebaut wird - auch für das Hochwild.

  • Von Christopher Menge
  • 21. Jan. 2023 | 09:00 Uhr
  • 21. Jan. 2023
Frank Dammann, hier mit seinem Sohn Johann Hubertus, befürchtet, dass es durch die Bahntrasse keine Biotopvernetzung mehr gibt. Er arbeitet gerade an einem Naturschutzprojekt in den Auen des Berger Bachs.
  • Von Christopher Menge
  • 21. Jan. 2023 | 09:00 Uhr
  • 21. Jan. 2023
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Bergen.

Mit Unterstützung des Landkreises Celle plant Frank Dammann im Stammmoor zwischen Bergen und Belsen gerade ein einzigartiges Projekt, wie der Eigentümer des Grundstücks berichtet. Bei der Fläche handelt es sich um einen Wiesenstreifen in den Auen des Berger Bachs. "Nach dem Bundesnaturschutzgesetz und dem niedersächsischen Naturschutzgesetz ist es ein besonderes Schutzgebiet, ein Feuchtwiesenschutzgebiet", sagt Dammann. Es handele sich um einen besonders geschützten Lebensraum. "Feuchtwiesen sind der artenreichste Lebensraum, den wir überhaupt haben", so der Landwirt im Nebenerwerb, der vom Bau einer neuen Bahntrasse durch den Landkreis Celle betroffen wäre.

Bahntrasse soll über Teich, Berger Bach und Stammmoor verlaufen

Schließlich soll die Bahnstrecke, nachdem sie zwischen Mahnmal und Verladerampe durchgelaufen ist, nicht nur diagonal einen Teich und den Berger Bach kreuzen, sondern eben auch das Stammmoor durchlaufen. "Es ist geplant, eine Brücke von 200 Metern Länge zu errichten", sagt Dammann. Die Lebensräume würden durch die Bahntrasse zerschnitten, die Biotopvernetzung sei nicht mehr gegeben. "Über den Sommer ist hier regelmäßig der Storch zu sehen, für den die Feuchtwiesen Nahrungsgrundlage sind", sagt der 49-Jährige. "Der Kranich ist hier, den Schwarzstorch habe ich schon mal gesehen, einige Amphibienarten und seltene Pflanzen sind hier auch." Der Silberreiher kommt auch gerne ins Stammmoor. "Das Gebiet ist seit Generationen beliebt für Spaziergänge", ergänzt der Berger. Durch den Bau der Verladerampe sei es schon einmal zerschnitten worden, nun drohe eine erneute Zerschneidung.

"Wir hoffen, dass uns da von der Bahn kein Strich durch die Rechnung gemacht wird."

Frank Dammann (Eigentümer)

Naturschutzprojekt: Sumpfwiese soll wieder zur Feuchtwiese werden

"Hinter dem Projekt, das wir mit dem Landkreis erarbeitet haben, steckt, dass diese Fläche, die derzeit eher eine Sumpfwiese ist, wieder eine Feuchtwiese wird", sagt Dammann. "Da sind wir jetzt gerade auf dem Weg und hoffen, dass uns da von der Bahn kein Strich durch die Rechnung gemacht wird." Wenn Dammann die Fläche nicht bewirtschaften würde, dann würde sie verwalden und verbuschen. "Und dann ist dieser Feuchtwiesencharakter nicht mehr gegeben", erklärt der Naturfreund.

Er zweifelt aber auch an der Standfestigkeit der geplanten Bahn-Brücke. "Ich denke da so an die Autobahn 20, die durchs Moor ging, und doll abgesackt ist", sagt der Ur-Berger. "Die Flurbezeichnung Stammmoor kommt ja auch nicht von irgendwoher." Er denke, dass man weitreichende Eingriffe in die Natur machen müsste, um irgendwo eine Gründung für die Fundamente zu finden."

Dammann wäre von der Bahntrasse gleich dreimal betroffen. "Da hängt sehr viel dran", sagt der Familienvater. Seine Pferde stehen in der Nähe der Rampe – die Trasse soll auch über dieses Grundstück verlaufen. Über seine dritte wirtschaftliche Fläche soll die Bahnstrecke dagegen nicht verlaufen, dafür aber die neue Landesstraße 298, die nach den Plänen der Deutschen Plan verlegt werden würde. "Ausweichen können wir mit den Flächen nicht", sagt der Landwirt im Nebenerwerb. "Der Truppenübungsplatz wird nichts abgeben." Sein Wunsch ist es, dass seine Kinder Johann Hubertus (7) und Janne Ingrid (5) noch etwas von den Flächen haben.

Fernwechsel: Hochwild kommt zur Brunft auf den Truppenübungsplatz

Dammann macht sich aber nicht nur Gedanken um seine Flächen, sondern auch um das Wild. "Die Trasse ist eine unüberwindbare Hürde für unser Hochwild", sagt der Jäger. Dabei wolle man eine genetische Vielfalt erhalten, die durch Fernwechsel gerade zu den Brunftgebieten auf dem Truppenübungsplatz entstehe. "Da hätte die Trasse einen großen Einfluss drauf, da zwei dieser Fernwechsel durch die Trasse führen", so der Berger.