Podium zur Landtagswahl

Intensiver Schlagabtausch im Wahlkreis Bergen

Wer hat bei der Landtagswahl im Wahlkreis Bergen die Nase vorne? Beim CZ-Podium trafen fünf Kandidaten aufeinander. Das waren die strittigsten Themen.

  • Von Carsten Richter
  • 05. Okt. 2022 | 19:05 Uhr
  • 06. Okt. 2022
Muntere Diskussion im Stadthaus Bergen: (von links) Jens-Christoph Brockmann (AfD), Walter-Christoph Buhr (FDP), Johanne Gerlach (Grüne), Redakteur Simon Ziegler, Chefredakteur Ralf Leineweber, Jörn Schepelmann (CDU) und Ros-Marie Siemsglüß (SPD). 
  • Von Carsten Richter
  • 05. Okt. 2022 | 19:05 Uhr
  • 06. Okt. 2022
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Bergen.

Wird der Landtagsabgeordnete Jörn Schepelmann (CDU) sein Direktmandat verteidigen? Gelingt Ros-Marie Siemsglüß (SPD) als Nachfolger von Maximilian Schmidt der Einzug ins Landesparlament? Am kommenden Sonntagabend herrscht Klarheit, welche Kandidatinnen und Kandidaten sich einen Sitz im Leineschloss gesichert haben. Wer wird jubeln? Bei wem herrscht Enttäuschung? Bis die Ergebnisse feststehen, geht der Wahlkampf in seine Schlussphase.

Johanne Gerlach (Grüne).

Kandidaten stellen sich Fragen der Celleschen Zeitung

Bei der Podiumsdiskussion am Dienstagabend im Stadthaus Bergen, die die Cellesche Zeitung in Kooperation mit der CD-Kaserne veranstaltet hat, stellten sich die Kandidatinnen und Kandidaten der derzeit im Landtag vertretenen Parteien in vier Themenblöcken den Fragen von Chefredakteur Ralf Leineweber und Lokalredakteur Simon Ziegler sowie des Publikums. Die Direktkandidaten Jens-Christoph Brockmann (AfD), Walter-Christoph Buhr (FDP), Johanne Gerlach (Grüne), Jörn Schepelmann (CDU) und Ros-Marie Siemsglüß (SPD) lieferten sich einen munteren Schlagabtausch.

Knapp 200 Menschen waren vor Ort im Stadthaus dabei. Diskutiert wurde auch im Livestream auf der CZ-Facebookseite, wo die Debatte übertragen wurde.

Jörn Schepelmann (CDU)

Welcher Weg führt aus der Energiekrise?

Die steigenden Preise in vielen Lebensbereichen bewegen die Menschen derzeit wie kaum ein anderes Thema. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der sein Amt verteidigen will, hat ein milliardenschweres Entlastungspaket versprochen – effektive Hilfe oder nur Wahlkampfgetöse? Dazu gehen die Meinungen der hiesigen Kandidaten auseinander. Aber es ging auch um die grundsätzliche Frage, wie die Krise bewältigt werden kann. Solarenergie, Windkraft – oder gar Fracking?

Brockmann will alle möglichen Kapazitäten ausschöpfen, das Kernkraftwerk Emsland – das letzte in Niedersachsen – solle weiterlaufen. "Das Leben muss bezahlbar bleiben. Dafür können wir keine Ideologien gebrauchen", so der AfD-Kandidat.

Niedersachsen Landtagswahl 2022: Kandidaten diskutieren auf CZ-Podium in Bergen.

Kandidaten setzen auf Bürokratieabbau und alternative Energien

Froh über das Milliardenpaket und den geplanten Strom- und Gaspreisdeckel sowie über das Streichen der Gasumlage ist FDP-Mann Buhr. Der Liberale nannte Schlagworte wie Entbürokratisierung und schnellere Planungsverfahren für neue Solar- und Windparks. Worte, denen sich Gerlach anschloss. Außerdem sprach sich die Grüne für die Bündelung von Kompetenzen vor Ort wie im Bereich der Geothermie aus. Und: "Wir brauchen in Niedersachsen eine Firma, die Solarmodule herstellt."

Jens-Christoph Brockmann (AfD).

Fracking als Weg aus der Energiekrise?

Für eine stärkere Berücksichtigung des Mittelstandes machte sich SPD-Kandidatin Siemsglüß stark. Die Steuereinnahmen seien durch die Inflation enorm hoch. "Übergewinne müssen abgeschöpft und verteilt werden." Als "blanker Wahlkampf, der nichts bringt", bewertete Schepelmann die angekündigten Milliardenentlastungen. "Energie herbekommen, wo es geht", ist auch Buhrs Motto. Dazu könne man auch über Fracking nachdenken.

Windkraft im Wald oder Energiemix

Schepelmann sprach sich für mehr Windkraft im Wald aus. Siemsglüß nannte "isolierte Positivplanungen" wie in der Samtgemeinde Lachendorf, also losgelöst von jahrelangen Raumordnungsprogrammen, als beispielhaft. Brockmann entgegnete: "Kein Wind – kein Strom. Wir brauchen einen vernünftigen Energiemix."

Landtagskandidaten für Bejagung des Wolfes

Bessere Ärzteversorgung, Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, Erhalt der Nahversorgung – bei der Frage nach der Stärkung des ländlichen Raums gab es weitgehend Einigkeit. Selbst beim heiklen Thema Umgang mit dem Wolf gab es keine großen Unterschiede. Der Bestand müsse reguliert werden, so die deutliche Forderung von CDU, SPD und AfD. "Landwirtschaft ist Leidenschaft, das hat der Wolf torpediert", sagte FDP-Vertreter Buhr. Selbst Grünen-Kandidatin Gerlach zeigte sich demgegenüber aufgeschlossen. Sie schließe es nicht aus, "bei einem stabilen Bestand eine Bejagung zu etablieren". Bei der Rückkehr des Wolfes seien Fehler gemacht worden, gestand sie rückblickend ein. Es habe kein aktives Management gegeben. "Für mich ist die Weidetierhaltung die tierwohlgerechteste Haltung", sagte Gerlach. Die Opfer müssten mehr in den Vordergrund gestellt werden.

Walter-Christoph Buhr (FDP).

Neue Lösungen für Nahverkehr im Celler Land?

Deutlich haben sich alle Kandidatinnen und Kandidaten bei der Stärkung der Bahnverbindung Hannover-Hamburg für den Ausbau der Bestandsstrecken ausgesprochen. Bei der Suche nach einer Nachfolgelösung für das Neun-Euro-Ticket im Nahverkehr müsse auch über neue und individuellere Angebote nachgedacht werden, ist von CDU und SPD zu hören. "Wir müssen runter vom Tarifdschungel", sagte Schepelmann. Siemsglüß führte mehr sogenannte "On-Demand-Lösungen" im Nahverkehr an.

Strabs abschaffen? CDU-Kandidat ist dagegen

Vom Schienen- und Busverkehr zur Frage, wie der Ausbau kommunaler Straßen künftig finanziert werden soll: Mit der Meinung, die Kommunen sollten die Möglichkeit beibehalten, Straßenausbaubeiträge (Strabs) zu erheben, stand Schepelmann allein da. "Wir würden die kommunale Selbstverwaltung massiv beschneiden. Das würde zu viel Frust vor Ort führen", argumentierte der Christdemokrat. Die Kommunen hätten genug Möglichkeiten, die Beiträge abzuschaffen – beispielsweise über höhere Grundsteuern, wie es im Kreis Celle teilweise der Fall ist. Die anderen Kandidaten hielten dagegen. Die Belastung für die Bürger sei zu hoch und die Strabs seien ein ungerechtes System, hieß es. Siemsglüß räumte allerdings auch ein, dass ihre persönliche Meinung nicht der im SPD-Wahlprogramm entspreche.

Ros-Marie Siemsglüß (SPD).

SPD-Kandidatin im Wahlkreis Bergen: Lehrer gleich bezahlen

Die Diskussion drehte sich vor allem um die Unterrichtsversorgung. Gerlach, selbst Lehrerin, sagte, die Quereinsteiger-Quote müsste verdreifacht werden, um einen spürbaren Effekt zu erzielen. In Zeiten des Fachkräftemangels und der schlechteren Bezahlung gebe es diese Kräfte aber nicht. Stattdessen müsse es gelingen, die zu 40 Prozent in Teilzeit arbeitenden Lehrkräfte zurückzugewinnen. "Wir sind am Limit. Dabei verlieren wir die Schülerinnen und Schüler aus dem Blick", so die Grüne.

"Es fällt zu viel Schule aus", monierte Schepelmann. Siemsglüß verteidigte die SPD-geführte Schulpolitik: "Wir haben mehr Lehrer eingestellt als jemals zuvor." Zugleich warb sie dafür, Lehrer aller Schulformen gleich zu bezahlen. "Dann werden wir auch genug Lehrer haben."

Schepelmann bei Online-Abstimmung vorn

Die gut zweistündige Diskussion endete mit einer Online-Abstimmung, bei der 354 Zuschauer für ihren jeweiligen Wunschkandidaten stimmten. Jörn Schepelmann lag dabei vorne. Er vereinte 47 Prozent der Stimmen auf sich.