Opfer erleidet Furchtbares

Zwei Männer sollen Frau in Bergen vergewaltigt und Verbrechen gefilmt haben

Wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung einer Frau in Bergen stehen zwei Männer in Lüneburg vor Gericht. Das Opfer musste Furchtbares erleiden. „Ich habe in 47 Dienstjahren einiges gesehen, das hier war das Schlimmste", sagt ein Polizist über die Taten auf dem Video.

  • Von Benjamin Reimers
  • 07. Dez. 2022 | 17:00 Uhr
  • 22. Dez. 2022
Das Opfer aus Bergen erlitt Furchtbares: Die mutmaßlichen Täter filmten die Vergewaltigung.
  • Von Benjamin Reimers
  • 07. Dez. 2022 | 17:00 Uhr
  • 22. Dez. 2022
Anzeige
Bergen.

In einer Wohnung in Bergen hat sich am 3. April 2020 ein grausames Verbrechen ereignet. Zwei Männer vergingen sich über Stunden an einer heute 24 Jahre alten Frau, hielten alles per Video fest. Beide müssen sich seit Montag vor dem Lüneburger Landgericht wegen Vergewaltigung verantworten.

Frau in Bergen vergewaltigt und Tat gefilmt

Der Prozess vor der 4. Großen Jugendkammer unter dem Vorsitz von Richter Michael Herrmann gegen Cenk D. und Attila B. aus Hameln legte eine frauenfeindliche Gesinnung offen. Die Staatsanwältin zitierte aus sichergestellten Festplatten. Demnach unterhielt D. im Frühjahr 2020 gleich zu mehreren Frauen sexuellen Kontakt. Ein Kommissar bestätigte, dass der 21-Jährige zum Tatzeitpunkt mit insgesamt vier jungen Frauen in Kontakt stand. Eine war erst 15 Jahre alt.

Vorwurf gegen Männer aus Hameln: gemeinschaftliche Vergewaltigung

Den beiden heute 21 und 23 Jahre alten Männer wirft die Anklageschrift gemeinschaftliche Vergewaltigung vor. Die Frau sei zum Werkzeug enthemmter Gewalt geworden, trug die Staatsanwältin vor, um anschließend nähere Details zu schildern. Dabei griff sie auf einzelne Videosequenzen zurück, die die Gewaltorgien dokumentierten. Die Peiniger bespuckten das nach reichlich Alkoholkonsum völlig wehrlose Opfer auf dem Bett und urinierten auf die Frau. „Du kleine Hure“, brüllten sie. Anschließend schlugen sie ihrem Opfer wechselweise mit flachen Händen ins Gesicht.

Opfer über Dating-Plattform "Badoo" im Internet kennengelernt

Die Angeklagten ergriffen in der Hauptverhandlung das Wort. Attila B. berichtete, der Mitangeklagte Cenk D. habe ihn am 3. April 2020 angerufen. Beide seien von Hameln nach Bergen gefahren. In einem Supermarkt in Emmerthal kauften beide Rotwein und suchten anschließend Maike P. (Name geändert) in deren Wohnung auf. Sein Kumpel hatte die Frau wenige Wochen zuvor auf einer Dating-Plattform im Internet kennengelernt.

„Wir haben uns ganz normal unterhalten und viel getrunken. Ich habe durch den Alkohol Erinnerungsfetzen. Das ist alles nur noch schwammig.“

Attila B.

Angeklagter bestreitet Vergewaltigung

„Wir haben uns ganz normal unterhalten und viel getrunken. Ich habe durch den Alkohol Erinnerungsfetzen. Das ist alles nur noch schwammig“, gab B. zu Protokoll und bestritt vehement eine Vergewaltigung: „Die Frau hat sich regelrecht an mich herangekuschelt.“ Der spätere Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich erfolgt. Der 23-Jährige wies Gesetzesverstöße weit von sich. Im Gegenteil: Attila B. stellte sich als barmherzigen Samariter dar. „Sie war zwischenzeitlich kotzen. Ich habe ihr geholfen und sie ins Badezimmer begleitet“, sagte der Angeklagte. „Sie wollte ja alles – auch die Videos.“

Cenk D., der seit Mitte März 2020 mit Maike P. chattete, fand nichts verwerflich daran, einen Kumpel zum ersten realen Treffen mitzubringen. Der Rotwein floss in der Nacht in Strömen. „Meine Erinnerungen setzten irgendwie aus. Ich kann mir nicht erklären, so was zu tun“, sagte der 21-Jährige.

Angeklagte berufen sich auf Erinnerungslücken

Das, was die 24 Jahre alte Maike P. erlebte, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Abartiges und Grauenvolles schilderte die Frau vor Gericht. Ihr Anwalt verdeckte dabei den Blickkontakt zu beiden Angeklagten, die nur wenige Meter von ihr entfernt saßen.

P. berichtete über die Dating-App von „Badoo“ – dort, wo das Leid mit einem Klick begann. Das Treffen mit Cenk D. habe sich spontan entwickelt. Die beiden Männer seien kurz vor Mitternacht, so P., zu ihr gekommen: „Ich fand das nicht so gut, dass er einen Freund mitbrachte, habe mich aber überreden lassen.“

„Ich lag auf dem Bett, ein Mann über mir, der andere dahinter.“

Maike P.

Rotwein und Wodka-Mischungen getrunken

Das Trio trank über Stunden nicht nur Rotwein, sondern zusätzlich Wodka-Mischungen. In der Folge wurden D. und später auch sein Freund B. nach Angaben des Opfers übergriffig. Es sei zu Küssen und Berührungen gekommen, berichtete Maike P.: „Die letzte Erinnerung war 0.55 Uhr – da schaute ich aufs Handy, danach weiß ich nichts mehr.“ Ein Jahr später reproduzierte ihr Gedächtnis ein Detail. „Ich lag auf dem Bett, ein Mann über mir, der andere dahinter.“ Bei einer Untersuchung in der MHH Hannover nach der verhängnisvollen Nacht fand ein Gynäkologe seinerzeit Hinweise auf eine Vergewaltigung.

„Die Männer lachten und schlugen auf die Frau ein. Sie fiel vom Sofa, war gar nicht in der Lage, irgendwie zu reagieren. Einfach nur furchtbar.“

Polizist

Polizist tief erschüttert über das auf Video festgehaltene Geschehen

„Ich habe in 47 Dienstjahren einiges gesehen, das hier war das Schlimmste“, sagte ein Kriminalbeamter. „Die Männer lachten und schlugen auf die Frau ein. Sie fiel vom Sofa, war gar nicht in der Lage, irgendwie zu reagieren. Einfach nur furchtbar“, so der Polizist.

Der Prozess wird am 13. Dezember fortgesetzt. Möglicherweise verkündet die Kammer dann schon das Urteil.