"Auf der Schanze"

Bergen: Keine Entscheidung zu Neu-Gewerbeflächen

Zum Kauf weiterer Gewerbeflächen gab es in Bergens Stadtrat nun erneut keine Entscheidung. Nachbar Bollersen ist weiter "rigoros" gegen Bebauung am Dorfrand.
  • Von Marius Klingemann
  • 27. Juni 2022 | 12:26 Uhr
  • 27. Juni 2022
  • Von Marius Klingemann
  • 27. Juni 2022 | 12:26 Uhr
  • 27. Juni 2022
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Bergen.

Fachwerk, Schützenscheiben, Vogelgezwitscher am Feldrand – Bollersen gibt, gerade an schönen Sommertagen, ein idyllisches Bild ab. Weniger als eine Autominute vom Offener Ortsteil entfernt bietet sich dann aber schon wieder ein ganz anderer Anblick: Rauer Charme mit Stacheldraht und schweren Eingangstoren prägt nämlich das Gewerbegebiet "Auf der Schanze". Nun fürchtet so mancher, dass diese beiden Gegensätze sich noch näher kommen könnten, als sie es ohnehin schon sind.

"Rigoros dagegen" seien seine Mitbürger, sagt Cord Otte. Was der Ortsbürgermeister genau meint, ist das Vorhaben der Stadt Bergen, zusätzliche Fläche anzukaufen, die dann für weiteres Gewerbe genutzt wird. Drei potenzielle Bereiche – allesamt derzeit Äcker – hat die lokale Politik in jüngerer Vergangenheit diskutiert, eine davon würde unmittelbar an Bollersen grenzen (siehe unten stehende Grafik).

Bollersen will kein Gewerbegebiet am Dorfrand

"Dann könnten wir uns nicht mehr entwickeln", erklärt Otte. Schließlich befänden sich auf der anderen Seite aufgefüllte Kuhlen der alten Mülldeponie, die als Baugrund ausscheiden. Dazu komme auch noch ein Landschaftsschutzgebiet.

"Die Besitzer der Flächen sind auf unserer Seite", sagt eine Bollerserin, die am westlichen Dorfrand wohnt. Von ihrem Grundstück aus schweift der Blick übers Feld, hinter dem sich die "Schanzen"-Flachbauten von Autohaus, Malerei und Co. erheben. Dieser Acker gehe nicht an die Berger, ist sich die Frau sicher, die nicht namentlich in der Zeitung stehen möchte. Und Bürgermeister Otte will bei der anstehenden Stadtratssitzung "auf jeden Fall ein paar Worte verlieren", sollten sich die Dinge doch noch in diese Richtung bewegen.

Neue Gewerbeflächen: Bergens Bürgermeisterin für "gemeinsame Lösungen"

So weit kommt es dann aber nicht: Auf angesprochener Sitzung teilt Bergens Stadtoberhaupt Claudia Dettmar-Müller noch am selben Abend mit, dass hier weiterhin keine Entscheidung gefallen sei. Im Mai hat der Rat den Zukauf schon einmal vertagt, dieses Mal kommt der "Erwerb von Grundstücksflächen zur zukünftigen städtebaulichen Entwicklung" gar nicht erst auf die Tagesordnung.

Dettmar-Müller hat beim vorigen Zusammenkommen angekündigt, sich den Fragen der Bollerser zu stellen – nun berichtet die Parteilose von einem "offenen und fruchtbaren Dialog" in der Bürgersprechstunde. Man wolle an "gemeinsamen Lösungen" arbeiten. Generell gelte: "Um den Standort Bergen zu stärken und den Menschen Arbeitsplätze vor Ort anbieten zu können, ist die Ausweisung weiterer Gewerbeflächen notwendig."

Bergen will bei Gewerbe künftig auf "Branchenmix" achten

Die Bürgermeisterin lässt auf CZ-Nachfrage durchblicken, dass es in diesem Fall letztlich auf das Ackerland westlich der Bundesstraße 3 hinauslaufen könnte: "Das wäre auch mir am liebsten." Bis dahin stünden aber noch weitere Gespräche an, und auch Bollersens Ortsrat muss gehört werden.

Während sich die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken "lange in Grenzen gehalten hat", sei zuletzt "eine Dynamik eingetreten", so Dettmar-Müller. Für künftige Flächen arbeite Bergens Wirtschaftsförderin Petra Fritz derzeit an einer sogenannten "Scoring-Tabelle": "Die Anzahl von Arbeitsplätzen, Nachhaltigkeit für Klima und Umwelt sowie der Branchenmix werden dann stärker in eine Vergabe-Entscheidung einfließen."

Stadt verkauft letztes Grundstück "Auf der Schanze"

Wachsen wird das 1997 gestartete Gewerbegebiet schon zeitnah, wenn auch erstmal nur um eine Parzelle. Der Stadtrat hat einstimmig beschlossen, das letzte freie Grundstück (gelegen am südöstlichen Rand) zu verkaufen. Dies passiert der Vorlage zufolge zum Quadratmeter-Preis von 15 Euro, also für insgesamt 66.000. "Es gab bereits einen Kaufinteressenten, der kurzfristig abgesprungen ist", so Dettmar-Müller. Nun gehe es "gemäß Interessentenliste" weiter.