Preis-Plus gescheitert

Auch Kunden aus Celle betroffen: Energieanbieter BSE ist insolvent

Nachdem der Energieanbieter BSE auch im Kreis Celle mit horrenden – und später gerichtlich einkassierten – Preisankündigungen für Strom und Gas geschockt hat, ist er nun insolvent. Die Kunden pochen auf Rückerstattungen.

  • Von Marius Klingemann
  • 17. Nov. 2022 | 07:05 Uhr
  • 18. Nov. 2022
Das Gas- und Stromgeschäft des Energieanbieters Hoyer, der in Altenhagen einen "Tank-Treff" betreibt, liegt seit Juli bei der Nachfolge-Gesellschaft BSE. Diese hat ihre Kunden zunächst mit horrenden Preiserhöhungen geschockt – und nun Insolvenz angemeldet.
  • Von Marius Klingemann
  • 17. Nov. 2022 | 07:05 Uhr
  • 18. Nov. 2022
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Celle.

"Nichts": Diese Antwort auf die selbst aufgeworfene Frage, was sich denn nun ändere, fand eine Cellerin im Juli in ihrem Briefkasten. Die Frau, die nicht namentlich in der Zeitung auftauchen möchte, war bis dato Kundin beim in Visselhövede im Kreis Rotenburg (Wümme) ansässige Energieversorger Hoyer – dessen Strom und Erdgas GmbH (eine von zwölf Gesellschaften des Unternehmens) laufe nach einer Umfirmierung fortan unter dem schönen Namen BSE, hieß es jetzt.

So weit, so gut, doch nur wenige Wochen später folgte der "Hammer": Die Kundin, nach eigener Aussage Rentnerin, sollte für Gas ab September satte 845 statt zuvor 114 Euro pro Monat zahlen, mehr als siebenmal so viel. Beim Strom, hieß es gleichzeitig, erhöhe sich der Abschlag von bislang 70 auf 243 Euro. Begründung jeweils, ein nunmehr bekannter Wortlaut: "Die Kosten für die Warenbeschaffung auf dem Energiemarkt sind gegenüber dem Frühjahr noch einmal extrem gestiegen."

Insolventer Energieanbieter BSE: Kunden warten auf Geld

Vom angekündigten "Nichts" war für die Cellerin also nicht mehr viel übrig: "Mein Mann und ich haben die Verträge natürlich gleich gekündigt", nämlich zu Mitte September. Die Bestätigung kam schnell, das Ehepaar ist seitdem in der Grundversorgung beim lokalen Energieanbieter SVO. Die "BSE-Geschichte" ist für sie allerdings noch nicht beendet, denn "wir warten nach wie vor auf unsere Abschlussrechnung", und das auch nach mehreren Anrufen. Man habe, bekräftigt die Frau, im bisherigen Jahresverlauf insbesondere am Gas gespart, "da erwarten wir doch einiges an Geld zurück".

"Wir warten nach wie vor auf unsere Abschlussrechnung, da steht einiges an Geld aus." 

BSE-Energiekundin aus Celle

Auf gewohntem Wege wird dieses jedoch nicht kommen, das scheint mittlerweile klar – denn die BSE hat, gerade mal vier Monate nach Übernahme der Hoyer-Geschäfte, Insolvenz angemeldet. Dafür zumindest mitursächlich dürfte sein, dass die angesprochene Preiserhöhung – beim Gas etwa sollte der Arbeitspreis von 22 auf über 98 Brutto-Cent pro Kilowattstunde steigen – inzwischen durch Klage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen vor dem Landgericht Verden gescheitert ist. Das Gericht bestätigte den Vorwurf, dass der Schritt nicht mit der gesetzlichen Frist von vier Wochen angekündigt worden sei.

BSE-Chef gibt "keine Auskünfte zum laufenden Geschäft"

BSE-Geschäftsführer Thorsten Schneider, in der Strom- und Erdgas-GmbH seit der Umfirmierung anstelle seiner Vorgänger Thomas und Markus Hoyer zuständig, erklärt auf CZ-Anfrage in Sachen Rückerstattungen, dass "eine Befriedigung der Gläubiger nur noch nach den Regeln der Insolvenzordnung möglich" sei. Gläubiger sind in diesem Fall die Kunden, die wie die Cellerin auf Geld warten – bei ihr sind es, selbst kalkuliert, "rund 600 Euro". Wie viele Personen insgesamt betroffen sind, verrät Schneider nicht: "Zum laufenden Geschäft können wir keine Auskünfte erteilen."

Insolvenzverfahren eröffnet: BSE-Gläubiger machen Forderungen geltend

Laut entsprechenden Unterlagen, die der Redaktion vorliegen, ist die "Schuldnerin" BSE "drohend zahlungsunfähig und überschuldet". Der Hamburger Jurist Klaus Pannen, im Insolvenzverfahren am Amtsgericht Walsrode als Sachwalter (quasi "Gläubiger-Betreuer") bestellt, teilt mit, dass der Betrieb "in Eigenverwaltung uneingeschränkt weiterläuft, während die Geschäftsführung die Sanierung vorantreibt".

"Die Schuldnerin ist drohend zahlungsunfähig und überschuldet."

Unterlagen des Amtsgerichts Walsrode

Die Energie-Kunden haben nun die Möglichkeit, ihre Geldforderungen an die BSE schriftlich-rechtlich geltend zu machen. Die Abrechnungen, sprich die Grundlage für diese Forderungen, "werden derzeit erstellt", so BSE-Chef Schneider. Man habe aber auch viele Kunden, die an Bord geblieben seien "und schon neue Verträge abgeschlossen haben". Die Nachfrage, auf welchem Niveau die Preise hier letztlich gelandet seien, ließ Schneider gestern unbeantwortet.