Eliot-Quartett

Gelungener Auftakt der Celler Sommerkonzerte

Severine Kim und Knut Hanßen begrüßten zum Start der diesjährigen Celler Sommerkonzerte ein junges Streichquartett im Vorwerk Gut Oppershausen.
  • Von Reinald Hanke
  • 14. Aug. 2022 | 21:06 Uhr
  • 14. Aug. 2022
  • Von Reinald Hanke
  • 14. Aug. 2022 | 21:06 Uhr
  • 14. Aug. 2022
Anzeige
Oppershausen.

Das war doch ein rundum gelungener Einstieg in die Celler Sommerkonzerte 2022. Severine Kim und Knut Hanßen begrüßten im ersten Konzert der diesjährigen Reihe ein junges, aber bereits hoch gehandeltes Streichquartett im Vorwerk Gut Oppershausen: das Eliot-Quartett. Die erste Programmhälfte spielte das Quartett alleine, die zweite Hälfte setzte sich Severine Kim noch zusätzlich ans Klavier und man musizierte als Klavierquintett.

Das Eliot-Quartett ist ein Ensemble, das im positiven Sinn wie aus der Zeit gefallen wirkt. Während die meisten jüngeren Quartette zwar fast immer technisch brillieren, aber häufig musikalisch blass bleiben, weil die einzelnen Musiker gar zu oft keine Persönlichkeiten darstellen. Beim Eliot-Quartett ist das anders. Hier wirkt jeder der vier Musiker so, wie es bei den großen alten Streichquartetten früher war – als ganz individuelles Wesen.

Da ist die erste Geigerin, die in ihrer Spielweise oft zurückhaltend wirkt, dabei aber trotzdem auf dezente Weise führt. Der fast stoisch seine Aufgabe erledigende zweite Geiger hingegen wirkt wie ein ganz in sich ruhender Musiker, der möglichst nicht auffallen will, aber immer dann, wenn seine Stimme kompositorisch besonders wichtig ist, ganz präsent ist. Der Bratscher hingegen lebt sein Musizieren offensichtlich aus. Und trotzdem spielt er sich dabei nie unangemessen in den Vordergrund. Bleibt noch der Cellist, der als hellwacher, aber ganz in sich ruhender Geist das klangliche Geschehen klanglich grundiert. Dabei entsteht ein Gesamtklang von faszinierender tiefengesättigter Homogenität, in der keine einzelne Stimme für sich steht. Nicht einmal die erste Geige, die man so oft als über allen anderen Stimmen schwebende Klangfarbe wahrnimmt. Hier ist davon keine Spur. Dieses acht Jahre zusammenspielende Ensemble zeigt einen Grad von klanglicher und musikalischer Einigkeit, den viele andere Ensembles erst viel später erreichen. Und trotzdem bleibt jedes einzelne Individuum für sich erkennbar.

Wiedergabe wie aus einem Guss

Bei Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ kommen diese Qualitäten des Quartetts ideal zur Wirkung. Da gelingt eine Wiedergabe wie aus einem Guss, auch wenn es hier und da dann doch kleine Abstimmungsprobleme gibt. Bei Schumanns leidenschaftlichem Klavierquintett hingegen wird es phasenweise dann etwas problematisch, weil das Feintuning innerhalb des Quartetts nicht immer zu hundert Prozent passt und die zusätzlich notwendige Einigkeit mit der Pianistin nicht immer erreicht wird. Dabei ist es ganz klar: Auch jetzt ziehen ausnahmslos alle Musiker an einem Strang und die spezielle Spielweise von Severine Kim mit ihrem so fein abtönenden Anschlag passt ideal zum Quartett.

Kim ist eben auch eine Musikerin, die weniger in der Selbstdarstellung brilliert als in der geistigen Durchdringung der Musik. Jedoch war sie immer wieder speziell in der rechten Hand etwas zu leise, was möglicherweise am eingeschränkten Platz auf dem Podium und an der Positionierung des Flügels gelegen haben könnte. Trotz dieser kleinen Einschränkung: Diese Musiker faszinierten vom ersten bis zum letzten Ton. Ein starker Anfang der Celler Sommerkonzerte 2022.