Umstrukturierung hin zur Landesverteidigung

Celler Bundeswehr stellt sich neu auf

In Celle bildet die Bundeswehr zukünftige Unteroffiziere und Feldwebel aus - jetzt mit ganz neuem Konzept.

  • Von Michael Ende
  • 02. Dez. 2022 | 19:00 Uhr
  • 02. Dez. 2022
Mit dem MG die Heimat gegen Aggressoren schützen: Bundeswehrsoldaten sollen sich wieder auf die Landesverteidigung konzentrieren.
  • Von Michael Ende
  • 02. Dez. 2022 | 19:00 Uhr
  • 02. Dez. 2022
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Wietzenbruch.

„Nichts ist so beständig wie der Wandel“ – wohl kaum jemand lebt diesen dem griechischen Philosoph Heraklit zugeschriebenen Satz so sehr wie Deutschlands Soldaten. Seit Jahrzehnten befindet sich die Bundeswehr in einem immerwährenden Umstrukturierungsprozess mit immer neuen, von der Politik befohlenen Kehrtwendungen. Aktuell soll aus der Einsatzarmee, die auf fernen Kontinenten Frieden stiften sollte, eine Truppe werden, die in der Landes- und Bündnisverteidigung Aggressoren wie Putins Russland die Stirn bieten soll. Also strukturiert sich die Bundeswehr um – auch in Celle, wo in der Immelmann-Kaserne die Ausbildung von Unteroffizieren und Feldwebeln neu gedacht wird.

Ausbildung umstrukturiert

Früher mussten sich Unteroffiziere und Feldwebel relativ langsam „hochdienen“ – ein jahrelanger Prozess, aus dem sie als mehr oder weniger „alte Hasen“ mit viel Erfahrung hervorgingen. Heute ist das anders. Durch den neu gestalteten Ablauf der Ausbildung sind die Unteroffiziere nach wesentlich kürzerer Zeit fertig ausgebildet in der Truppe verfügbar. Erfahrung müssen sie danach sammeln. In Celle organisiert Oberstleutnant Peter Schröbel die Ausbildung dieser zukünftigen Anführer. Sein Job als Kommandeur ist es, das Feldwebel-/Unteroffizieranwärterbataillon 2 aufzulösen und als Lehrgruppe D der Unteroffizierschule des Heeres (USH) neu aufzustellen.

Oberstleutnant Peter Schröbel: „2025 soll die erste Division voll ausgestattet und einsatzfähig sein. Das ist eine immense Herausforderung, und dafür braucht man das Mindset, also die passende Einstellung auf allen Ebenen.“

„Das bedeutet einen personellen Aufwuchs für Celle. Wir werden mehr. Derzeit werden auch Stellen im zivilen Bereich neu ausgeschrieben. Das stärkt den Standort.“

Oberstleutnant Peter Schröbel

Korpsgeist fördern

Bisher haben die zukünftigen Feldwebel und Unteroffiziere unter anderem in Celle mit der Grundausbildung begonnen. Das wird sich ändern. In Zukunft sollen sie ihre ersten militärischen Schritte in einem Verband ihrer Truppengattung im Heer durchlaufen, so Schröbel: „Gemeinsam mit Mannschaftssoldaten und Offizieranwärtern erleben diese jungen Soldaten so ihre ganz spezielle Truppenpraxis und das Handwerkszeug hautnah ab dem ersten Tag.“ Das stärke dienstgradgruppenübergreifend den inneren Zusammenhalt und fördere den Korpsgeist, der im Gefecht unerlässlich sei. Die Ausbildung, die speziell für Führungsaufgaben befähigen soll, werde weiterhin in Celle durchgeführt.

Starker Standort

Der gebürtige Rheinland-Pfälzer Schröbel ist 42 Jahre alt und lebt mit seiner Lebensgefährtin und seiner Tochter bei Würzburg. Der gelernte Heeresflugabwehrtruppen-Offizier hat Generalstabserfahrung, war Adjutant des kommandierenden Generals der United States Army Europe und war unter anderem im Irak eingesetzt. In Celle wird er nach erfolgter Umgruppierung mit 250 Soldaten dafür sorgen, dass 480 Lehrgangsteilnehmer ausgebildet werden: „Das bedeutet einen personellen Aufwuchs für Celle. Wir werden mehr. Derzeit werden auch Stellen im zivilen Bereich neu ausgeschrieben. Das stärkt den Standort.“

Neue Struktur

Kein Job wie jeder andere

Die Bundeswehr befinde sich wie alle Arbeitgeber im Wettbewerb um die besten Köpfe, doch sie sei kein Arbeitgeber wie jeder andere, sagt Schröbel: „Der Soldatenberuf bringt Phasen mit sich, die einem alles abfordern, geistig wie körperlich. Nur so entsteht jedoch auch unser unverwechselbar starker Zusammenhalt – die Kameradschaft.“ Mit dieser Mischung aus Belastung und gemeinsamem Durchstehen würden die oftmals jungen Schulabgänger an diese Belastungen herangeführt. Bei der Bundeswehr können sich Deutsche fast jeden Alters bewerben, so der Oberstleutnant. Schröbel wird jedoch nicht müde, zu betonen, dass die individuellen Voraussetzungen stimmen müssen: „Unser Auftrag ist es, möglichst allen Lehrgangsteilnehmern über die Hürden zu helfen.“ Unter anderem mit einem intensiven Sportprogramm, bevor es in den Gefechtsdienst gehe. In Celle müssten sich die Teilnehmer als Führer von Trupps oder Gruppen beweisen, mit Juristen Wehrrecht büffeln, eine Schießausbildung absolvieren und Menschenführung lernen: „Sie sollen später richtig gute Vorgesetzte sein.“

„Auch die Bundeswehr richtet sich jetzt konsequent auf die Landesverteidigung aus. Man will zu einer Kaltstartfähigkeit kommen. Um die zu erreichen, soll die Truppe, die zusammen in einen Krieg ziehen müsste, auch zusammen trainieren.“

Oberstleutnant Peter Schröbel

Neue Divisionen werden einsatzfähig gemacht

Schröbel beobachtet, wie die Gepard-Panzer, mit denen er früher unterwegs war, nun in der Ukraine im Einsatz sind. Es sei traurig, aber wahr, dass Kriege in Europa wieder möglich seien. „Auch die Bundeswehr richtet sich jetzt konsequent auf die Landesverteidigung aus. Man will zu einer Kaltstartfähigkeit kommen. Um die zu erreichen, soll die Truppe, die zusammen in einen Krieg ziehen müsste, auch zusammen trainieren.“ Geschehen solle dies in insgesamt drei Divisionen, die als eigenständige Verbände operieren könnten: „2025 soll die erste Division voll ausgestattet und einsatzfähig sein. Das ist eine immense Herausforderung, und dafür braucht man das Mindset, also die passende Einstellung auf allen Ebenen.“ Es gelte, weg vom Kontigent-Denken hin zu Großverbands-Denken zu kommen, betont Schröbel: „Und dafür legen wir unter anderem hier in Celle einen Grundstein.“