Schubotz-Aus

Abriss der Mühle verändert B3-Kreuzung erneut

Durch den Abriss der Schubotz-Mühle verändert sich die Kreuzung Hannoversche Heerstraße/Westerceller Straße. Wir blicken zurück auf die letzten Jahrzehnte.

  • Von Christopher Menge
  • 03. Dez. 2022 | 14:47 Uhr
  • 08. Dez. 2022
Die Kreuzung Hannoversche Heerstraße/Westerceller Straße Ende November 2022. Derzeit wird die Schubotz-Mühle abgerissen.
  • Von Christopher Menge
  • 03. Dez. 2022 | 14:47 Uhr
  • 08. Dez. 2022
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Westercelle.

Das historische Foto von der Kreuzung Westerceller Straße/Hannoversche Heerstraße hat bei einigen Zeitzeugen Erinnerungen geweckt. Rund um die Schubotz-Mühle hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges getan, durch den Abriss der Mühle in diesen Tagen verändert sich die Kreuzung erneut.

Auf dem historischen Bild aus dem Jahr 1962 ist dabei nicht nur die Mühle zu sehen, sondern – schräg gegenüber – auch ein Haus mit rotem Giebel. „Da war das Café Abraham Meyer“, berichtet Detlev Riedel (Jahrgang 1953). Die Band „The Lords“ habe dort mal genächtigt. Bei Schubotz habe er Mehl für seine Oma abgeholt, bezahlt habe er mit Bezugsscheinen. „Hans Schubotz war ein sehr fleißiger Mann“, erzählt der Zeitzeuge. „Sonntags hat er die Kohlen in Säcke geschippt und ist mit dem Pferdegespann durch Westercelle gefahren.“ Das Haus oberhalb der Mühle sei damals ein Dienstgebäude der Polizei gewesen.

Die Kreuzung im Jahr 1962.

Tochter des Westerceller Bürgermeisters Gerhard Kamm erinnert sich

Margret Wehrs (Jahrgang 1934), die Tochter des ehemaligen Westerceller Bürgermeisters Gerhard Kamm, erinnert sich noch an die Vorbesitzerin des Schubotz-Areals, Angnis Rohrmann. Sie habe im Dorf Kurzwaren verkauft. Margret Wehrs lernte Schneiderin und machte auch für Schubotz Änderungsarbeiten. „Heiligabend hing immer eine Kiste Pralinen an meiner Tür“, erinnert sich die Zeitzeugin. Hans Schubotz habe auch die Briketts und Kohlen mit Pferd und Wagen zu ihr nach Hause gebracht.

„In dem Polizistenhaus wohnte Schutzmann Kruse“, sagt die Westercellerin. Später sei hier ein Autohaus entstanden. Gegenüber von der Mühle (heute Versicherung und Tankstelle) sei Bauer Schaper gewesen. Bei Bäcker Meyer, später Café Meyer, schräg gegenüber von der Mühle, habe sie auch eingekauft. „Meine Schwester hat lange bei Schubotz als Buchhalterin gearbeitet“, ergänzt Margret Wehrs.

„Guten Morgen, du Idiot“ – das bekam Briefzusteller Klaus Rehn (Jahrgang 1935) einst jeden Morgen zu hören, als er die Post zu Schubotz ins Büro brachte. Eine Mitarbeiterin hatte dem Papagei Jako diese Worte beigebracht. „Das ging dann jeden Morgen so“, sagt der Zeitzeuge lachend.

Pferde von Schubotz beobachtet

Peter-Andreas Moneke (Jahrgang 1956) ist an der Liebigstraße groß geworden. Da, wo heute Mios ist, war damals noch eine Wiese, sodass er bis zu Schubotz gucken konnte. „Wenn ich das Trappeln gehört habe, wusste ich, die Schimmel sind wieder ausgebüxt“, erzählt der Westerceller. Manchmal seien die Pferde den Vogelberg entlanggelaufen, manchmal auch über das Kopfsteinpflaster der B3. Samstags sei er mit Opa, Vater und Cousin zu Schubotz gegangen und habe beim Abwiegen der Briketts geholfen.

Dorothea Hellmund (Jahrgang 1945) hat viele Jahre lang bei Schubotz das Futter für Vogel, Hund und Pferd gekauft. „Herr Schubotz hat die alte Mühle in Hänigsen gerettet“, berichtet die Zeitzeugin. „Ein Celler ließ die Hänigser Bockwindmühle instandsetzen“, schrieb die CZ am 7. September 1982. Hans Schubotz habe das imposante Bauwerk vor dem Verfall gerettet. Rund um die Mühle befindet sich heute ein Pflegeheim. Der Großvater von Dorothea Hellmund hatte eine andere Mühle in Uetze einst aufgebaut. Nach der Stilllegung 1972 habe Herr Schubotz dort Sachen für seine Mühle ausgebaut.

Im April 1989 lud die Schubotz-Mühle zum Tag der offenen Tür ein.
Schaulustige sind vor der Mühle zu sehen. Sie beobachten einen Brand auf dem Hof Schaper in den 1980er Jahren.

Hochzeitskutsche von Schubotz fährt vom Hof

„Meine erste eigene Ein-Zimmer-Wohnung war in dem Haus in der Westerceller Straße 32“, erzählt Dörthe Rogalski, geborene Bolln (Jahrgang 1968). „Hier habe ich von 1989 bis etwa 1993 im Parterre zum Hof hin gewohnt.“ Oft sei sie am Samstag früh am Morgen geweckt worden, da direkt unter ihrem Wohnzimmerfester die Kutsche für Hochzeiten hergerichtet und die Pferde angespannt wurden. „Sauber geputzte Schimmel zogen dann die weiße und mit Blumen geschmückte Kutsche vom Hof“, erzählt Dörthe Rogalski. „Auf dem Kutschbock saß ein Mann, in Schwarz gekleidet, mit Zylinder.“

Eines Nachts sei sie von einem Knacken aufgewacht. „Beim Aus-dem-Fenster-Schauen sah ich die zwei Silos im Feuerschein“, erzählt die heutige CZ-Mitarbeiterin. „Es brannte. Ich lief auf die Straße, um dann festzustellen, dass es an der Hannoverschen Heerstraße, direkt gegenüber, bei der Firma Roland Roy, damals direkt neben der Tankstelle, lichterloh brannte. Die Feuerwehr zog die in der Hitze stehenden Autos mit qualmenden Reifen vom Hof und die Tankstelle war gesperrt.“

Ausbildung in der Mühle

Ihre Ausbildung zur Bürokauffrau durfte Ute Binder-Kleinegees (Jahrgang 1956) von 1976 bis 1978 in der Schubotz-Mühle fortsetzen, wie sie berichtet: „Es war eine hoch interessante Zeit mit vielen netten Erinnerungen.“ Alle Großbauern der Umgebung hätten sich die Klinke in die Hand gegeben, um Saat und Dünger zu kaufen beziehungsweise ihr Getreide zu Mehl mahlen zu lassen. Jeder, der einen Rasenmäher benötigte, sei zu Schubotz gegangen und habe einen „Sonderpreis“ bekommen.

„Gehandelt wurde auch mit Kohle und Heizöl, wobei zu dieser Zeit die erste Energiekrise mit autofreiem Sonntagen stattfand“, erinnert sich die damalige Auszubildende. „Das führte auch zu einer Vervielfachung des Heizölpreises. Viele Kunden konnten deshalb nur kleine Mengen bestellen und mussten die Rechnungen abstottern.“ Damals habe es keine Hilfe vom Staat für den Verbraucher gegeben.

In Erinnerung seien ihr die wunderbaren Torten geblieben, die Lydia Schubotz buk. „Herr Schubotz ist der fleißigste Mensch, der mir im Leben begegnete“, sagt die Frau, die heute in Hessen lebt. „Sein Kennzeichen war eine robuste Manchesterhose. Er war sich für keine Arbeit zu schade. Dafür habe ich mein ganzes Leben die höchste Achtung.“

Ihr Getreide kaufte Lena Zimmermann (Jahrgang 1937) jahrelang bei Schubotz, um sich selbst Brot zu backen. Angela Stark (Jahrgang 1969) hat in den 1990er Jahren in der Mühle eingekauft und dort dann von 2008 bis 2019 gearbeitet. Die Mühle sei für sie wie ein zweites Zuhause gewesen, viele Kunden kamen einfach herein, um sich nett zu unterhalten. „In der Mühle war die Zeit stehen geblieben“, sagt die ehemalige Mitarbeiterin. Mehl sei von Hand in die Tüten gefüllt worden. Sie erinnert sich auch daran, wie die Kunden im Winter 2010 bis draußen Schlange standen, um Streusalz zu kaufen. „Ich hatte die letzte Schicht und habe das Licht ausgemacht“, erzählt sie.

Karsten Hälbig (Jahrgang 1958) erzählt, dass schon sein Vater Franz (Jahrgang 1924) bei Schubotz eingekauft habe, vornehmlich Saatgut wie Pflanzkartoffeln und Futtermittel für die Kaninchen. „Ich selbst kaufte dort Pflanzkartoffeln bis zur Schließung und habe auch so manche gärtnerische Spezialität von dort mitgebracht“, sagt der Celler. „Ich erinnere mich, dass Schubotz der letzte Kohlenhändler in Celle war, der die Kohle mit Pferd und Wagen auslieferte. Das wird bis Ende der 1980er Jahre gewesen sein. Ich sehe den alten, ausgemergelten und schwerhörigen Kutscher noch heute gebeugt vorne auf dem Wagen sitzen, in einer kleinen Einhausung als Schutz vor Wind und Wetter.“

Celler Kaiser-Panorama erinnert an Schubotz-Mühle

Im Zuge der Niedersächsischen Mühlenstraße habe er die Mühle 1998 stereoskopisch aufgenommen und damit virtuell konserviert. „Noch in 100 Jahren werden wir die Schubotz-Mühle so sehen, wie sie 1998 in ihrer Blütezeit bestanden hat, mit dem Müllermeister an den Mahlstühlen und beim Absacken von Roggenmehl und Quetschhafer.“ Solange sich das Celler Kaiser-Panorama drehe, so lange werde auch die Schubotz-Mühle noch zu sehen sein.