Reifen zerstochen

50.000 Euro Schaden und viel Ärger

In der Nacht zu Mittwoch zerstachen Unbekannte bei 92 Fahrzeugen der Pfadfinderlager-Teilnehmer die Reifen. So gehen sie mit der Situation um.

  • Von Benjamin Behrens
  • 03. Aug. 2022 | 18:33 Uhr
  • 04. Aug. 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 03. Aug. 2022 | 18:33 Uhr
  • 04. Aug. 2022
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Westercelle.

Entdeckt hatte den Schaden ein Vater am frühen Morgen, als er nach dem Besuch bei seinem Kind wieder nach Hause fahren wollte und es gleich dem Organisationsteam im Pfadfinderlager gemeldet. An 92 Fahrzeugen auf der als Parkplatz genutzten Wiese neben dem Gelände der Voltigier- und Reitgemeinschaft Westercelle waren die Reifen zerstochen worden.

Schäden früh am Morgen entdeckt

„Ich habe ihn zweimal gefragt, ob er mich verarschen will“, erinnert sich Niklas Heinrich, der für die Lager-Infrastruktur des Bundeslagers des Christlichen Pfadfinderbundes zuständig ist. So unglaublich schien, was doch bittere Realität ist.

Bei manchen Pkw, Transportern oder Anhänger hat es gleich alle vier Räder erwischt, bei anderen nur einzelne oder zwei Reifen auf einer Fahrzeugseite. „Das bedeutet natürlich viel Aufwand und Kosten. Wir müssen jetzt zusehen, dass alle in der Lage sind, ihre Fahrzeuge zu bewegen“, so Heinrich.

Polizei ermittelt und sucht Zeugen

Die Polizei ist informiert, es wird von einem Tatzeitpunkt in der Nacht zu Mittwoch ausgegangen und gegen Unbekannt ermittelt. Rund 300 Reifen wurden zerstört. Zeugen und alle, die sonst sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich an die Polizeiinspektion Celle zu wenden.

Neben dem gewaltigen Schaden – nach einer ersten Schätzung gehen die Pfadfinder von rund 50.000 Euro Kosten für Ersatzreifen und Montage aus – ist der Vorfall auch ein organisatorisches Problem. Am kommenden Wochenende endet das Bundeslager, dann steht die Abreise an.

Auch gestern hätten schon einige Teilnehmer aufbrechen wollen. „Es gibt ein paar, die coronapositiv sind und abreisen“, sagt Andreas Adam, der an seinem Ford Nugget vier Platten entdeckte. Kurz hinter dem vergitterten Eingangstor haben die Pfadfinder einen Tisch mit Laptop, Funkgeräten und Werkzeug aufgebaut, die Schadensaufnahme läuft. Kennzeichen, Halter, Reifentyp, wie viele Reifen wurden zerstört? Luca Diem und Robin Elgert sammeln Daten, Tippen, Funken mit ihren Kameraden, die drüben im Hauptlager die Fahrzeughalter informieren. Und auch die Bestellung der Abschleppdienste und Erstatzreifen wird organisiert.

"Es ist wirklich unglaublich"

Eine junge Frau mit grauem Pfadfinderhemd und Schiffermütze läuft auf die Gruppe zu, lächelnd hat sie die Arme emporgestreckt und ruft: „Ich habe Glück gehabt.“ Am Sprinter von Katharina Hefenbrock haben der oder die Täter sich nicht ausgetobt. „Es ist wirklich unglaublich“, ärgert sie sich. „Dass man soviel Zeit hat, so einen sinnlosen Schwachsinn zu machen“, ergänzt Adam. „Und vor allem ja kein blindes Ausrasten und Zerstören, sondern bewusst“, so Hefenbrock weiter.

Der oder die Unbekannten kletterten offenbar nachts über den Zaun und hatten gezielt die Reifen im Visier, andere Schäden an den Fahrzeugen wurden bislang nicht festgestellt. Teilweise wurde bei Autos nur auf der von der Straße abgewandten Seite zugelangt, das Fahrzeug bot so während der Tat Sichtschutz.

Wollten Täter gezielt den Pfadfindern schaden?

War nur Zerstören das Ziel oder sollten gezielt die christlichen Pfadfinder angegangen werden? Gab es jemanden, den die Anwesenheit der über 1000 Zeltenden störte oder gar Anfeindungen? „Null, wir haben nichts mitbekommen. Weder im Vorfeld noch hier. Alle Kontakte, die wir hatten, haben sich gefreut, dass wir hier sind“, sagt Felix Langer, Sprecher des Bundeslagers.

Trotz allem, die Pfadfinder schauen nach vorne. „Hier lasse ich mir die Laune nicht verderben“, sagt Björn Ostendorp aus Hannover. „Nur Montag muss ich wieder arbeiten“, so der Malermeister. Aber bis dahin ist er sicher, die beiden Ford Transit und auch den Anhänger wieder flott zu haben.

Wer den Pfadfindern mit einer Spende helfen will, kann spenden an CPD Bundeslager 2022, IBAN: DE96 5206 0410 0100 6188 02 bei der Evangelischen Bank, Betreff: Spendenaufruf Reifen. Zudem suchen die Pfadfinder Kfz-Mechaniker, die helfen können. Diese können sich unter folgender Mailadresse melden: reifen@cpd-bula.de