So berichteten wir damals

Mann aus Oldau gesteht Morde an Rudolf Bröckel und Michael Reinecke

Vermisst, missbraucht, getötet: Rudolf Bröckel (9) aus Altencelle wurde Opfer eines Serientäters. So berichteten wir am 5. Oktober 1992 über das Geständnis des Mörders. 

  • Von Christoph Zimmer
  • 05. Okt. 1992 | 12:01 Uhr
  • 26. Juli 2022
  • Von Christoph Zimmer
  • 05. Okt. 1992 | 12:01 Uhr
  • 26. Juli 2022
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Altencelle.

Ein 25jähriger Mann aus Oldau hat gestern gestanden, Rudolf Bröckel und Michael Reinecke sexuell missbraucht und getötet zu haben. Nähere Einzelheiten zur Person teilte die Polizei in Celle gestern Abend nicht mit. Nach Recherchen der Celleschen Zeitung handelt es sich bei dem Beschuldigten um Thomas E. aus Oldau.

Thomas E. in München festgenommen - nach Entführung eines weiteren Jungen

Der Oldauer war am vergangenen Freitagabend gegen 23.30 Uhr in München festgenommen worden. Zuvor hatte er nach Polizeiangaben einen sieben Jahre alten Jungen aus Hof/Saale nach München entführt. Von dort habe er die Eltern angerufen, um ihnen mitzuteilen, dass er mit dem Jungen auf das Oktoberfest gehe. Forderungen stellte er nach den Angaben nicht. Die Eltern sollten das Kind gegen Mitternacht wieder abholen. Der Entführer habe dem Jungen bei dem Telefonat die Möglichkeit gegeben, mit seinen Eltern zu reden.

Bei der Übergabe gegen 23.30 Uhr habe ein Einsatzkommando der Münchener Polizei den Oldauer überwältigt. Nach Angaben der Polizei in Celle „steht definitiv noch nicht fest“, ob der Junge sexuell missbraucht worden ist.

Junge musste sich auf Schoß seines Entführers setzen

Wie die Polizei in München dazu nach Agenturangaben mitteilte, gab der Junge an, dass er sich während der Fahrt einmal auf den Schoß seines Entführers setzen musste. Zu unsittlichen Berührungen sei es dabei nicht gekommen.

Polizei stellt Wagen und andere Dinge von Thomas E. sicher

Wie Nachbarn des Beschuldigten unserer Zeitung mitteilten, nahm die Polizei am Sonnabend vormittag Ermittlungen auf. Der Wagen des Mannes, ein blauer Kadett, Typ D, sowie mehrere Kisten und Tüten seien durch die Polizei abtransportiert worden.

Wie die Polizei in Celle weiter mitteilte, fuhren zwei Beamte der Mordkommission nach München und befragten den Mann, dessen Unterlagen bereits in der Spurenakte vorhanden gewesen seien.

Thomas E. für die Polizei in Mordfall kein Unbekannter

Nachbarn des Beschuldigten berichteten gestern am späten Abend, dass die Polizei bereits vor längerer Zeit auf den Mann hingewiesen worden sei.

Nachbarin: Thomas E. wollte nicht gesehen werden

Eine Nachbarin sagte, sie habe immer das Gefühl gehabt, dass der Mann nicht gesehen werden wollte. Kontakte zu Bewohnern aus dem Ort soll er nicht gehabt haben. Besucher seien meistens aus Hannover gekommen.

Nähere Einzelheiten sollen heute Nachmittag auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden.

„Tatort Celle“: Verbrechen vor unserer Haustür

Der Text ist am 5. Oktober 1992 im Original in der Celleschen Zeitung erschienen. Wir haben lediglich die gefetteten Zwischenzeilen hinzugefügt und den Nachnamen des mutmaßlichen Täters abgekürzt.