Einarmiger tötete zwei Menschen

Mordhaus in Celler Neustadt ist abgerissen

Gewalttat, Feuer, Verfall, Abriss – ein Haus in der Celler Neustadt hat eine bewegte Geschichte. Jetzt muss es für einen Neubau Platz machen.

  • Von Benjamin Behrens
  • 30. Aug. 2022 | 07:25 Uhr
  • 30. Aug. 2022
Das Haus in der Neustadt, in dem 2012 ein einarmiger Mann aus der Trinkerszene zum Mörder wurde und in dem es 2019 brannte, ist Geschichte. Es wurde abgerissen. Der neue Eigentümer hat Pläne mit dem begehrten Grundstück.
  • Von Benjamin Behrens
  • 30. Aug. 2022 | 07:25 Uhr
  • 30. Aug. 2022
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Neustadt.

Nichts ist mehr übrig von dem Haus direkt an der Straßenecke Bredenstraße/Neustadt. In den letzten Jahren waren Grundstück und Haus zusehends verfallen – nun ging es ans Aufräumen. Vergangene Woche wurde das Haus mit der grauen Fassade und den mit Holzbrettern verschalten Fenstern abgerissen. Der neue Grundstückseigentümer, ein Mann aus Celle, der seinen Namen nicht in der Zeitung veröffentlicht sehen will, hat Pläne mit dem Grundstück – gestern traf man sich auf dem eingezäunten Areal zur Baubesprechung.

Haus und Grundstück waren in schlechtem Zustand

„Viele Leute wollten das Grundstück, ich habe den Zuschlag“, sagt der neue Eigentümer. Offenbar ein Sahnestück von Bauland, das es erst freizulegen galt. Das Haus war in schlechtem Zustand, über den Zaun flogen immer wieder Müll und Unrat auf das Grundstück, Pflanzen wucherten ungehindert. Damit ist es jetzt vorbei.

„Das entscheidet sich noch.“ 

Neuer Grundstückseigentümer über mögliche Bauprojekte.

Noch ist unklar was auf dem großen Grundstück gebaut wird

Das Haus ist dem Abrissbagger gewichen. Ein Haufen mit Abflussrohren, Möbelteilen und Isoliermaterial liegt an der Grundstücksecke. Ein großer Berg aus Schutt, Steinbrocken und Sand zeigt, was von den Mauern übriggeblieben ist. Daneben liegen zwei große Haufen zerbrochenes Bauholz. Die wuchernden Pflanzen sind passé, der Boden ist ausgekoffert. Es gab viel zu tun. „Ja, aber es ist gemacht worden, wie man sieht“, bekräftigt der neue Eigentümer. Was jetzt aus dem Gelände wird, dessen Quadratmeter der Besitzer nicht preisgeben möchte? Entsteht jetzt wieder ein Wohnhaus oder wird das Areal als Geschäftsimmobilie genutzt werden? „Das entscheidet sich noch.“

Schutthaufen und andere Überreste des Abriss liegen noch auf dem Grundstück.

Haus mit bewegter Geschichte: Brand in 2019 - Doppelmord in 2012

Neustart per Abrissbagger also, für ein Haus und Grundstück, die auf eine bewegte Geschichte zurückblicken können. Im September 2019 hatte es in dem Haus gebrannt. Im Erdgeschoss des damals 120 Quadratmeter großen Gebäudes war Feuer ausgebrochen. Bei Eintreffen der Feuerwehr stand das Erdgeschoss in Vollbrand. Der Feuerwehr gelang es, ein Übergreifen auf das Obergeschoss und die direkt angrenzenden Nachbargebäude zu verhindern.

Einarmiger nach Doppelmord vor Gericht nicht schuldfähig

Im September 2012 war das Haus zum Schauplatz einer Gewalttat geworden, die für viel Aufsehen und Betroffenheit gesorgt hatte. Zwei Männer aus der Trinkerszene sollen von einem dritten mit Schlägen, Tritten und Messerstichen getötet worden sein. Der 49-jährige Tatverdächtige gehörte ebenfalls zur Trinkerszene, die sich in dem Haus traf. Vor Gericht wurde dem psychisch kranken Mann zur Tatzeit eine verminderte Schuldfähigkeit belegt. Es hatte gedauert, bis die Ermittler zu Ergebnissen kamen. Das auffällige Merkmal, das dem 49-Jährigen ein Arm fehlt, brachte zusammen mit Zeugenaussagen, die ihn schon vorher vor Ort gesehen hatten, schließlich entscheidende Hinweise. Mit dem Abriss werden auch diese Vorfälle zu einer Erinnerung, nicht nur beim neuen Grundstückseigner geht der Blick nach vorne.

Das Grundstück hatte offenbar viel Interesse bei Käufern geweckt.

Bauarbeiten wecken Interesse

Dass sich auf dem Grundstück etwas tut, bemerken auch andere: „Schau mal, da wird gebaut“, sagte Andrea Hille, die gestern gemeinsam mit ihrem Mann durch die Neustadt in Richtung Bahnhof radelte. Dabei fiel der Blick durch den Bauzaun. „Dass das Grundstück so groß ist, hätte ich nicht gedacht“, wunderte sich Michael Hille. „Das hat Potenzial“, ist sich der Westerceller sicher. Das sieht auch seine Frau so. „Bezahlbarer Wohnraum wäre schön. Ein Wohnblock passt ja hin“, wünscht sie sich.

Wie gesagt, noch ist nicht entschieden, was auf dem Grundstück entstehen wird. Doch der Anfang ist definitiv gemacht.